Zu „E-Autos: Stromerzeugung nicht zu schaffen“ (Leserbrief):
Diesem Leserbrief möchte ich widersprechen. Die Autoren behaupten, dass das Erzeugen des Stroms für E-Autos nicht zu schaffen sei. Sie verkennen dabei, dass die Fahrzeuge der kommenden Generation eine Reichweite von 400 Kilometern haben werden. Sie werden damit eher zu Hause geladen als an öffentlichen Ladestationen. In den Nachtstunden sinkt der Strombedarf unseres Landes gegenüber der Tagesspitze um 15 bis 20 Gigawatt. Unser Kraftwerkspark ist aber von jeher auf den Spitzenbedarf ausgelegt. E-Auto laden wird also vorwiegend die Nachtlücke auffüllen. Die freie Stromkapazität ist so hoch, dass mehrere Millionen E-Autos geladen werden können. Insgesamt würde der Ersatz der Autos mit Verbrennungsmotor nur zu etwa 20 Prozent höherem Jahresstrombedarf führen. Die Kapazitäten dafür sind bereits heute vorhanden. Ein umfassender Ausbau unseres Stromnetzes ist nicht notwendig. Dass Lithium eine endliche Resource ist, ist auch falsch. Es ist in Salz gebunden und gegenüber dem Bedarf unendlich vorhanden. Auch bei unserem heutigen Energiemix verursacht ein E-Auto nur halb soviel Kohlendioxid-Emissionen wie die besten Verbrenner. Im bayerischen Stromnetz, das keine Kohle nutzt, sogar nur zehn Prozent. Es sind auch keine vermögende Leute, die sich für ein E-Auto entscheiden, sondern diejenigen, die rechnen können. Die Fahr- und Unterhaltskosten sind drastisch niedriger sodass sich der derzeit noch etwas höhere Preis schnell rechnet. Man muss sich nur frei von Vorurteilen machen.
Herbert Sax
Großkarolinenfeld
Die Versorgung mit Erdgastankstellen sollte wirklich so lange wie möglich aufrecht erhalten werden, dagegen kann man nichts sagen. Aber möglicherweise sind die Verfasser des Leserbriefs bezüglich der Elektromobilität einigen Fake-News aufgesessen. Ein Vertreter von N-Ergie berechnete für eine Million E-Autos einen Strom-Mehrbedarf von 0,1 Prozent; wem das zuwenig sein sollte, kann sich auf die eventuell seriösere Aussage des Öko-Instituts verlassen: Wenn im Jahr 2030 sechs Millionen E-Fahrzeuge fahren sollten, benötigten diese etwa vier Prozent des Gesamtstromverbrauchs (Studie von 2014). Wo ist da bitte die „gigantische zusätzliche Stromerzeugung“, die die Leserbriefschreiber uns einreden wollen?! Das Problem der Ladestationen wäre auch keines, wenn die seit Jahren vorhandenen und erprobten Ideen tatkräftiger politisch umgesetzt würden (Beispiel: Steckdosen an Straßenlaternen in Berlin) und die neuen Ideen schneller realisiert würden (Telekom könnte 12000 Ladepunkte an ihren „Kabelverzweigern“ realisieren – an der Straße!). Also auch die „Laternenparker“ werden Chancen bekommen, nicht nur die Otto Normalverbraucher, die den Strom sowieso schon zu Hause haben. Die hohe Leistung von Schnellladestationen (für Fernfahrer) wird über Batterien abgepuffert werden; in Lünen läuft ein Batteriespeicher mit 1000 gebrauchten Smart-Batterien mit einer Speicherkapazität von 13 Megawattstunden, in Herrenhausen wird demnächst eine Kapazität von 17,4 MWh aufgebaut. Wenn schließlich überschüssiger Windstrom nicht abgeschaltet (oder ins Ausland verschenkt) wird, sondern damit Wasserstoff erzeugt wird, kann zusätzliches Gas in unser riesiges Erdgasnetz eingespeist werden, und damit schließt sich auch ein Kreis zum sinnvollen Betrieb von Erdgasautos.
Dr. Bernhard Liesenkötter
Rosenheim