Jugendtreff „Energy“ hat jetzt ein neues Haus

Mitbestimmung wird groß geschrieben

von Redaktion

Der Jugendtreff „Energy“ in der Endorferau wurde abgerissen und neu gebaut. Bauherr ist die städtische Wohnungsbaugesellschaft GRWS, Mieter der Stadtjugendring. Im Mittelpunkt dieser Einrichtung stehen aber die jungen Nutzer selbst. Sie wurden bereits bei der Planung in alle Entscheidungen mit eingebunden.

Rosenheim – Das „Energy“ wurde im Jahr 1994 eröffnet und ist damit der älteste Jugendtreffpunkt in der Stadt. Zunächst wurde der Treff von Mitarbeitern der Stadt Rosenheim betrieben, bis im Jahr 2000 der Stadtjugendring die Trägerschaft übernahm.

Von Anfang an war das kleine Holzhäuschen beliebter Treffpunkt für Jugendliche und junge Erwachsene des Stadtteils. Mehrfach wurde das Gebäude renoviert. Schließlich war der Bauzustand aber so schlecht, dass eine Sanierung aus wirtschaftlicher Sicht nicht mehr in Frage kam.

„Eine Investition
in die Zukunft“

Im Frühjahr 2016 wurde das alte Gebäude abgerissen. Übergangsweise kam der Jugendtreff danach fast eineinhalb Jahre im Bürgerhaus unter. Jetzt wurde der Neubau mit einer kleinen Feier eröffnet. Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer würdigte das „Energy“ als den Ursprung der Jugendkultur in Rosenheim. Abuzar Erdogan, Vorsitzender des Stadtjugendrings, ist überzeugt, dass es sich lohnt, Geld in die Jugendarbeit zu investieren: „Damit investiert man in die Zukunft.“

Entstanden ist ein ebenerdiges Gebäude in unmittelbarer Nähe zum Bürgerhaus. Rund 200 Quadratmeter ist es groß und bietet damit doppelt so viel Platz wie das alte „Energy“. Dank robuster Bauweise soll das neue Gebäude möglichst vielen Generationen von Jugendlichen in diesem Stadtteil als Anlaufstelle in ihrer Freizeit dienen.

Betreut werden sie aktuell von den beiden Diplom-Sozialpädagogen Bernd Wallner und Helge Zermen. Die beiden halten sich bewusst so weit wie möglich im Hintergrund. Der Fokus der Einrichtung liegt ganz auf der Mitbestimmung und Gestaltungsfreiheit der Kinder und Jugendlichen. Darum sieht es in den Räumlichkeiten derzeit noch eher kahl aus. „Das muss sich jetzt erst langsam entwickeln“, erklärt Bernd Wallner. Für die „Ewigkeit“ sei im „Energy“ sowieso nichts. Gestaltung und Angebot soll sich auch zukünftig mit den Wünschen und der Initiative der Besucher wandeln.

Probenraum
für Bands

Wie das in der Realität aussieht, beweist ein Fitnessgerät, dass aktuell recht einsam in einem kleinen Nebenraum steht. „Ursprünglich wünschten sich die Jugendlichen einen Fitnessraum. Doch zu diesem Punkt kommt jetzt nur noch wenig Einsatz von Seiten der Jugend. Also tut sich da erst einmal wieder nichts“, erklärt Bernd Wallner.

Statt Fitnessraum gibt es jetzt einen Probenraum für Bands und dieser erfreut sich derzeit schon größter Beliebtheit. „Es kam tatsächlich schon zu mehreren Band-Neugründungen“, freut sich der Sozialpädagoge.

Dienstag bis Freitag kommen aktuell täglich um die 15 bis 20 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von zwölf bis 27 Jahren. Sie übernehmen im „Energy“ auch viele organisatorische Aufgaben, beispielsweise die Betreuung der Küchentheke mit dem Ausschank nicht-alkoholischer Getränke und kleiner Snacks. Was genau angeboten wird, entscheiden sie selbst.

„Durch diese frühe Möglichkeit der Selbstbestimmung lernt man viel für das Leben“, steht für Bernd Wallner fest. Die jungen Nutzer seien damit angehalten, demokratisch zu entscheiden und Wertevorstellungen zu hinterfragen. Selbst in kleineren Konflikten, die bei einem breiten Alters- und Kulturen-Spektrum unvermeidbar seien, sieht er positive Lerneffekte: „Man lernt Konflikte zu lösen und Kompromisse zu finden.“

Aktuell stehen im Gemeinschaftsraum bereits ein Billardtisch und ein Kicker. Gerne gespielt wird natürlich auch mit der Playstation. Für die Mädchen gibt es einen eigenen, kleinen, gemütlichen Raum, in dem sie auch mal ganz unter sich sein können. Im Freien stehen zusätzlich eine Tischtennisplatte und ein Basketballkorb zum Spielen bereit. Zusätzlich werden regelmäßig Angebote vom Jugendtreff aus organisiert und durchgeführt, auch diese orientieren sich an den Wünschen der Jugendlichen.

Der 14-jährige Manuel hätte noch gerne eine Dartscheibe. Ansonsten ist er aber mit der Gestaltung der Räume schon sehr zufrieden. „Ist richtig gemütlich geworden“, freut sich der Jugendliche. Manuel ist fast jeden Tag im „Energy“: „Wenn ich von der Schule heimkomme, wandert erst einmal mein Schulranzen in die Ecke, dann begrüße ich meine Mutter und schon geht es zum Entspannen zu meinen Freunden in den Jugendtreff.“

„Ein Flipper-Automat wäre schön“

Justin ist ebenfalls regelmäßig zu Gast. „Seit meinem elften Lebensjahr ist das für mich eine feste Anlaufstelle. Hier trifft man immer Freunde und hat Spaß“, erzählt der 14-Jährige. Auch er hat derzeit kaum Verbesserungsvorschläge in Sachen „Gestaltung“. Nur ein Flipper-Automat wäre noch schön, meint er.

Einen Wunsch für die Zukunft hat auch Betreuer Bernd Wallner noch: „Einen zusätzlichen Sozialpädagogen vor Ort, besser eine Sozialpädagogin, um noch besser auf die Wünsche und Bedürfnisse der Jugendlichen und jungen Erwachsenen eingehen zu können.“

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