Georg Reindl feiert 80. Geburtstag

Ein Schuhkaufmann mit Leib und Seele

von Redaktion

Eine große Gestalt mit auffälliger Brille eilt – leicht nach vorn gebeugt – zügig durch die Innenstadt: So kennen die Rosenheimer Georg Reindl. Der umtriebige Geschäftsmann und engagierte Bürger, dem immer auch das Wohl seiner Heimatstadt am Herzen lag, feiert heute seinen 80. Geburtstag.

Rosenheim – Geboren in München als Sohn eines Wirtes war Georg Reindls Lebensweg schon früh vorgezeichnet. Der Vater vereinbarte mit seinen beiden Schwestern, die unverheiratet und ohne Nachkommen das Schuhhaus in Rosenheim leiteten, dass Georg einst das Familiengeschäft fortführen sollte. 1952 trat er seine Ausbildung in Rosenheim an – und hatte es nicht immer leicht mit den beiden selbstbewussten Geschäftsfrauen. „Nicht geschimpft war genug gelobt“, erzählt Reindl darüber, wie es damals zuging. Doch er trägt den Tanten nichts nach: „Das waren harte Zeiten und es war ein härterer Menschenschlag.“

Nach der Ausbildung schaute er sich in der Welt um, machte Fortbildungen in einer Schuhfabrik und hospitierte in großen Schuhhandelshäusern in Hamburg und Duisburg, bevor er die Schuhhandelsfachschule in Pirmasens absolvierte.

1969 heiratet er seine Frau Inge, die ebenfalls vom Fach war. Kennengelernt hatte er sie – wo sonst – bei der Tagung eines Schuhhandelseinkaufsverbands. Die beiden übernahmen zunehmend Verantwortung in der Geschäftsführung. Nach dem Tod der beiden Tanten bauten sie das Traditionshaus am Ludwigsplatz zum größten Schuhfachgeschäft zwischen München und Salzburg aus.

Von seinen Tanten hat Reindl ein gut aufgestelltes Geschäft übernommen. „Die beiden haben rechtschaffen gewirtschaftet“, sagt er. Dieser Begriff ist ihm wichtig: Das Geld zusammenhalten, bei Zeiten klug investieren und in Maßen expandieren, aber andere auch nicht übervorteilen. „Wenn es einem selber gut geht, kann man doch auch den anderen etwas gönnen“, so seine Devise.

Dabei war Georg Reindl nie der kühl kalkulierende Zahlenmensch, sondern stets ein Verkäufer mit Leidenschaft. „Ich bin ein weltoffener, kontaktfreudiger Mensch. Verkäufer, das war der mir gegebene Beruf und ich habe das mit sehr viel Herzblut gemacht.“ Am Schreibtisch hat er es deshalb nie lange ausgehalten. „Spätestens nach einer halben Stunde hat es mich wieder gepackt und ich musste raus in den Laden.“

Eine Leidenschaft, die er mit seiner Frau teilte. Doch im Gegensatz zu ihr ist er heute kaum noch in den Geschäftsräumen am Ludwigsplatz anzutreffen. Bereits 2001 hat er begonnen, seine beiden Kinder in die Geschäftsführung einzubeziehen, 2007 hat er sich komplett zurückgezogen. Heute führt das Unternehmen sein Sohn Karl, unterstützt von seiner Schwester Christine. Damit ist nun die sechste Generation Reindl in der Verantwortung.

„Der Abschied ist mir leicht gefallen, vor allem natürlich, weil ich sehe, dass alles gut läuft.“ Einmischen will er sich nicht mehr, aber es freut ihn natürlich, dass seine Meinung nach wie vor gefragt ist. Den Kontakt zu seinen Kunden vermisst er nicht: „Ich treffe so viele Leute, wenn ich in der Stadt unterwegs bin. Dann wird stehengeblieben und geratscht – das ist ja das Schöne an Rosenheim. Die Stadt ist trotz ihrer Größe so überschaubar, dass man immer Bekannte trifft.“

Ruhestand ist allerdings ein Begriff, den man mit Georg Reindl nicht unbedingt verbindet. Er ist nach wie vor aktiv, gartelt leidenschaftlich, unternimmt mit dem E-Bike Ausflüge in die weitere Umgebung, reist viel: „Ich bin einfach ein neugieriger Mensch.“ Er interessiert sich für Politik und natürlich für die Geschicke Rosenheims – und trägt dazu seinen Teil bei: Er engagiert sich ehrenamtlich bei der Nachbarschaftshilfe, beim Hauskrankenpflegeverein, dem Kinderschutzbund, der Arbeiterwohlfahrt, dem Freundeskreis Lokschuppen, der Stadtbibliothek und dem Städtischen Museum. Für seine Verdienste um die Wahrung des historischen Vermächtnisses der Stadt hat ihn vor einer Woche Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer mit der Goldenen Bürgermedaille ausgezeichnet. ku

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