1. Oberbayerische Witzemeisterschaft im Ballhaus

„Gute Witze haben kein Verfallsdatum“

von Redaktion

Was macht einen guten Witz aus? Diese Frage galt es bei der 1. Oberbayerischen Witzemeisterschaft zu klären. Sechs Witze-Erzähler stellten sich im Ballhaus dem Urteil von Publikum und Jury. Schnell zeigte sich: Es kommt nicht nur auf den Inhalt an, bewies Oberbayerns Oberspaßvogel Roman Weber aus Bruckmühl.

Rosenheim – Lachen ist gesund – das ist eine alte Weisheit. Die positiven Auswirkungen auf Geist und Körper erkennen auch immer mehr Mediziner und Psychologen an: Die Immunabwehr wird gestärkt, das Herz-Kreislauf-System kommt in Schwung.

Witze kannte man bereits in der Antike. Heutzutage gibt es bereits eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Abhandlungen darüber, wann und worüber ein Mensch eigentlich lachen kann. Für die Münchner Schauspielerin und Autorin Corinna Binzer steht fest: „Viel liegt an der Erzählweise“. Außerdem komme es auf die jeweilige Situation an.

Zusammen mit den Kabarettisten Simon Pearce und Markus Langer alias „Sepp Bumsinger“ und Gstanzlsängerin Liesl Weapon saß Corinna Binzer bei der 1. Oberbayerischen Witzemeisterschaft in der Jury. Mit ihren Kurzauftritten machten die Profis den sechs Kandidaten vor, wie man sein Publikum erfolgreich zum Lachen bringt.

An seinem selbstbewussten Auftreten auf der Bühne mangelte es Markus Loidl aus Schwindegg noch etwas. Der 23-Jährige war aber auch der mit großem Abstand jüngste Teilnehmer. „Freiwillig“ wäre er sowieso nicht angetreten. „Mich haben meine Freunde angemeldet“, sagte er. Loidl absolviert derzeit ein Studium zum Bauingenieur: „Meistens geht es dabei staubtrocken zu“, erzählte er. Das Witze-Erzählen sei da manchmal ein guter Ausgleich für ihn und seine Kollegen. Loidls Witze-Repertoire besteht aus 30 Stück. „Nicht sehr viel“, weiß der Student, aber, „die 30 Witze reichen voll aus, um zur rechten Zeit für Gaudi zu sorgen.“

Martin Ober aus Engelsberg hat sich ein Witze-Buch angelegt. „Immer wenn ich einen Witz höre, der mir gefällt, kommt er in dieses Buch“, verriet der 46-Jährige. Ober erzählt immer schon gerne Witze, macht dabei aber auch immer wieder die Erfahrung, dass er mit ein und demselben Witz nicht immer die gleiche Wirkung erzielt: „Am Abend bringt man die Leute viel leichter zum Lachen als am Vormittag oder Nachmittag. Noch besser geht es nach dem ersten Glas Bier.“

Rosenheim war bei der 1. Oberbayerischen Witzemeisterschaft, die 400 Gäste verfolgten, mit Autor und OVB-Mitarbeiter Theo Auer vertreten. Für ihn sind Witze Kulturgut. Der 73-Jährige weiß einen guten Trick, sich einen Witz zu merken. „Wenn ich einen guten Witz binnen 24 Stunden selber wieder erzähle, wird er meist in meinem Gehirn abgespeichert und ist damit immer wieder abrufbar.“

„Der Witz entwickelt sich beim Erzählen“

Roman Weber

Viele Witze greifen aktuelle Geschehnisse auf. Es gibt aber auch eine ganze Reihe, die Jahrhunderte der Kulturgeschichte mühelos überstehen. Für Corinna Binzer steht fest: „Gute Witze haben kein Verfallsdatum“. Man könne aber durchaus Wellen und Trends erkennen: „Man denke nur an die Häschen- und Blondinen-Witze.“ Aus eigener Erfahrung heraus weiß sie, dass lustig zu schreiben nicht einfach ist. Humor entstehe in vielen Fällen aus realen Situationen heraus.

Die Idee für die Witze-Meisterschaft kam dem Oberpfälzer Harald Meier 2009 zufällig beim Kaffeetrinken. „Damals hätte ich mir nicht vorstellen können, dass man damit ein Vereinshaus füllen und für die Videos bis zu 1,5 Millionen Klicks erhalten kann“, erzählte er. Dieses Jahr hat Meier bereits in vier Regierungsbezirken den Witze-Meister gekürt. Jahr für Jahr soll ein weiterer Regierungsbezirk hinzukommen, bis schließlich mit Mitwirkung aller sieben bayerischen Regierungsbezirke der „Original bayerische Witze-Meister“ ermittelt werden kann.

Beim Wettkampf in Rosenheim erwies sich am Schluss Roman Weber aus Bruckmühl als der talentierteste Witze-Erzähler. Der 47-Jährige hat einen eher nüchternen Beruf: Er ist IT-Techniker. Bei der Meisterschaft stand er zum ersten Mal in seinem Leben auf der Bühne, die Aufregung war dementsprechend groß. „Ich hatte einen ganz hohen Blutdruck, aber dann wurde es besser“, erinnert er sich an seinen Auftritt. Weber sammelt Witze im Computer, kategoriert sie in Listen. Beim Erzählen reichen ein paar Stichworte, dann wird spontan ausgeschmückt. Auswendig Gelerntes herunter rattern: Das gibt es bei ihm nicht. „Der Witz entwickelt sich beim Erzählen“, berichtet Weber.

Webers Lieblingswitz

Treffen sich drei Männer auf Kur im Thermalbad. Sagt der Erste: „Mei, ich hatte so starke Kreuzschmerzen, doch seit ich hier im Thermalbad bin, sind sie wie weggeblasen.“ Der Zweite bestätigt: „Ich konnte nur noch mit Krücken laufen, aber hier im Thermalbad sind die Schmerzen wie weggeblasen.“ Dann sagt der Dritte: „Meine Prostata hat mir so Probleme gemacht, das mit dem Wasserlassen ging fast gar nicht mehr. Aber jetzt, hier im Thermalbad, läuft es endlich wieder einwandfrei.“

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