Rosenheim – Die Stadtwerke hatten ursprünglich angekündigt, nichts mehr in ihre Erdgastankstelle investieren zu wollen. „Sie wird bleiben, so lange sie funktioniert“, fasste Geschäftsführer Dr. Götz Brühl in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses die ursprüngliche Position der Stadtwerke zusammen. Doch mittelfristig hätte dies das Aus für die einzige Erdgastankstelle in Rosenheim und Umgebung bedeutet. Das Problem: Nachdem der Regionalverkehr seine Erdgasbusse durch Dieselfahrzeuge ersetzt hat, fehlt den Stadtwerken schlicht die notwendige Auslastung. Schon bislang war die Tankstelle „wirtschaftlich nur sehr begrenzt erfolgreich“, so Brühl. Doch mit dem Regionalverkehr fällt nun ein Großabnehmer weg: Die verbliebenen Privatautos und einige städtische Fahrzeuge reichen aber bei Weitem nicht aus, um die Kosten zu decken. Weitere Investitionen seien in dieser Situation nicht gerechtfertigt: „Wir können das nicht als Hobby für 50 Enthusiasten machen“, so Brühl: „Wir müssen die erforderliche Mindestabnahme herstellen, um die Infrastruktur auszulasten.“
Bei Neuanschaffung auf Erdgasantrieb setzen
Dieses Ende mit Ansage wollten die Rosenheimer Grünen und die CSU aber so nicht hinnehmen. Beide Fraktionen hatten Anträge gestellt, die Erdgastankstelle weiter zu betreiben und dem Stadtrat ein Konzept vorzustellen, ob man nicht städtische Fahrzeuge umrüsten oder bei Ersatzbestellungen gasbetriebene Fahrzeuge anschaffen könnte.
Herbert Borrmann (CSU) sah im Erdgas eine echte Alternative zu E-Autos. Doch für die Nutzer sei eine langfristige Perspektive notwendig: „Als Unternehmen würde ich mir auch kein Erdgasauto anschaffen, wenn ich nicht weiß, ob es künftig eine Tankstelle gibt.“ Es sei wie beim Dilemma mit der Henne und dem Ei, das sich nur auf eine Weise lösen lasse: „Wir als Stadt müssen den Mut haben, in Vorleistung zu gehen.“
Die Grünen hatten einen entsprechenden Antrag bereits im September gestellt. „Wir sprechen hier von einer erprobten Technik“, so Fraktionsvorsitzender Franz Lukas. Auch er forderte ein Konzept, um die Fortführung der Tankstelle dauerhaft zu sichern und städtische Fahrzeuge, wo sinnvoll und möglich, umzustellen. Er regte zudem an, den Antrieb mit Erdgas in den Ausschreibungskatalog für die Nahverkehrskonzessionen aufzunehmen. „Wir brauchen eine Grundauslastung für die Infrastruktur“, so Lukas.
Auch Robert Metzger (SPD) unterstützte die Idee: „Mit einem solchen Konzept können wir uns anschauen, welche finanzielle Aufwendungen notwendig sind.“ Robert Multrus (Freie Wähler) befürwortete den Antrag ebenfalls, warnte aber: „Es darf nicht passieren, dass die Stadtwerke dauerhaft etwas finanziell bezuschussen.“
Der Antrag der Grünen passierte den Ausschuss ohne Gegenstimme. Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer wollte „die euphorische Stimmung für Erdgas nicht bremsen“, erinnerte aber an das wirtschaftliche Risiko: „Wir reden hier von über einer Million Euro und wir haben kein geeignetes Grundstück. Wir gehen aber gerne mit gutem Beispiel voran.“