Hotel am Bahnhof

„Hätten eine Etage mehr gebraucht“

von Redaktion

Schon vor der Eröffnung hatte das neue B&BHotel am Bahnhof für Aufmerksamkeit gesorgt. Es „schoss“ geradezu in die Höhe, innerhalb von nur neun Monaten war das Gebäude fertiggestellt. Ohne Werbung ist die Auslastung bereits jetzt gut, teilte Hotelmanager Stefan Jenner beim Antrittsbesuch der Oberbürgermeisterin mit.

Rosenheim – Der Start pünktlich zum Rosenheimer Herbstfest verlief so gut, dass Jenner selber mit anpackte beim Bettenmachen. Das muss er jetzt nicht mehr, doch für den Schechener, der fünf Jahre bei Gabor im Vertrieb tätig war und nun als Selbstständiger das Hotel betreibt, hat sich der berufliche Umstieg angesichts einer über 80-prozentigen Auslastung in den ersten Monaten gelohnt. Bereits jetzt steht für ihn fest: „Wir hätten eine Etage mehr gebraucht.“

Durchreisende und Kurzurlauber

Fest eingemietet hat sich unter anderem die Bundespolizei, die nur wenige Meter entfernt am Bahnhof die Ankünfte der per Zug anreisenden Flüchtlinge verwaltet. Auch eine Großveranstaltung im Kuko, die ausschließlich Frauen besucht haben, sorgte bereits für volles Haus – und für die Ausgabe von über 70 Föhnen. Denn diese gibt es nicht auf den Zimmern von B&BHotels, jedoch auf Anfrage an der Rezeption. Die Kette, die mit über 350 Hotels in sieben Ländern vertreten ist und pro Jahr 15 neue Häuser eröffnet, verzichtet bewusst auf Extras wie eine Minibar bei der Zimmerausstattung.

Die Hauptkunden in Rosenheim sind Touristen, die einen Kurzurlaub in Stadt und Umgebung gebucht haben – zur Freude von Christina Pfaffinger, Geschäftsleiterin des Tourismusverbandes Chiemsee-Alpenland. „Wenn am Irschenberg nichts mehr geht, schnellen bei uns die Buchungszahlen hoch“, nennt Jenner ein Beispiel für die gute Resonanz bei Durchreisenden. Rund um die Uhr können Gäste einchecken – nach Schließung der Rezeption auch am Automaten. Hier wird auch bezahlt – und ausgecheckt werden. Der Durchschnittsgast bleibt 1,7 Nächte und bucht über Internetportale per Handy oder Tablet. Nur zehn bis 15 Prozent der Gäste reisten bisher mit der Bahn an, was verwundert angesichts der Nähe zum Bahnhof.

Die mit dem Auto anfahrenden Hotelgäste haben jedoch noch ein Problem, das dem Hotelmanager zu schaffen macht: die fehlende Tiefgarage. Sie soll im Dienstleistungszentrum mit Ärztehaus nebenan gebaut werden. Das Vorhaben „Medical Cube“ hat sich jedoch weiter verzögert. Ob es nach wie vor an den notwendigen Umplanungen aufgrund des berühmt-berüchtigten, jedoch bekannten Rosenheimer Seetons im Untergrund liegt, ist derzeit die viel diskutierte große Frage.

Das B&B-Hotel hat als Ersatz einen Parkplatz zugewiesen bekommen auf dem Gelände am Bahnhof-Nord. Der Weg liegt jetzt im Winter jedoch ab 17 Uhr im Dunkeln. „Das kriegen wir hin“, versprach Stadtwerkechef Dr. Götz Brühl beim Antrittsbesuch der Oberbürgermeisterin die Verlegung von Strom, um den Fußweg ausleuchten zu können. Im November 2018 soll außerdem das GRWS-Parkhaus am Platz fertiggestellt sein, hier gibt es dann Stellflächen für die Hotelgäste.

Hoffen auf eine baldige Lösung des Parkraumproblems

Auf eine baldige Lösung hofft Jenner, dem beim Tiefgaragenbau für das Medical Cube die Hände gebunden sind. Nicht so bei anderen typischen Schwierigkeiten im Hotel: Der Manager berichtete von Kunden aus dem arabischen Raum, die ihr Zimmer in „einen Saustall“ verwandelten. Sie mussten 200 Euro Pfand hinterlassen und bekamen Eimer, Lappen und Putzmittel in die Hand gedrückt. Auch die Tatsache, dass in allen 98 Zimmern nicht geraucht werden darf, hat schon die Fantasie angeregt: Mit Klebebändern versuchten Uneinsichtige, Rauchmelder außer Kraft zu setzen – vergeblich. Geschichten aus einem noch jungen Hotelleben.

Das B&B Rosenheim beschäftigt sechs Mitarbeiter an der Rezeption, sieben weitere sind über eine Fremdfirma in der Hausreinigung tätig. Ziel ist eine durchschnittliche Auslastung nicht unter 65 Prozent, berichtete Jenner beim Besuch der Oberbürgermeisterin.

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