Es geht weiter am Bahnhof Nord

Medical Cube: Baustart im Januar

von Redaktion

Es gibt Rosenheim einen Hauch von Großstadt: das Bauvorhaben Medical Cube am Bahnhof Nord, ein Hochhaus mit Flugdach, ergänzt durch ein Dienstleistungszentrum. Der Baustart hat sich um ein Jahr verzögert. Im Januar soll es endlich losgehen, teilten die Entwickler Dr. Dr. Ulrich Longerich und Dr. Matthias Thurau gestern mit.

Rosenheim – Der berüchtigte Rosenheimer Seeton hat schon mehrfach Großvorhaben ins Wanken gebracht. Aktuelles Beispiel: die Aicherparkbrücke. Ihr Baustart verzögert sich aufgrund aufwendiger Gründungsmaßnahmen, wie berichtet, um ein Jahr.

Ähnliches ereilte auch das Ärztehaus am Rosenheimer Bahnhof. Den Projektentwicklern, den Ärzten Dr. Dr. Ulrich Longerich und Dr. Matthias Thurau, war die Tragweite der Problematik des instabilen Untergrunds auf dem Baufeld, das sie von der Stadt erworben haben, zwar bewusst. Doch die Planung der Gründungen erwies sich als langwieriger als gedacht. Deshalb hat sich der Baustart verzögert, berichteten Longerich und Thurau im Gespräch mit der OVB-Stadtredaktion.

Doch jetzt steht der Gründungsplan – basierend auf einem 3-D-Modell. Die Daten lieferte unter anderem ein Pfahltest-Turm, der die unterschiedlichen Belastungen auf den Boden simulierte.

Das Ärztehaus fordert nach Angaben der Projektentwickler die Statik außerdem zusätzlich heraus: Denn die Praxen werden auch im Innern unterschiedlich belastet: Einige müssen aufgrund von medizinischen Apparaturen wie tonnenschweren Computertomografen besonders hohe Lasten tragen. Damit das Gesamtgebäude nicht Schlagseite im ohnehin wackeligen Untergrund bekommt, sind aufwendige Ausgleichsgründungen notwendig. Auch die Umgebungsbebauung mit ihrem eigenen Setzungsverhalten muss berücksichtigt werden.

Ein komplexes System, das Bodengutachter, Gründungsexperten und Statiker entwickelt haben, damit es zu keinen Verwerfungen kommen kann. Fest steht außerdem, dass die Gründungspfähle für Ärztehaus, Dienstleistungszentrum und Parkgarage nicht einfach in den Boden gerammt, sondern wie bei einem Korkenzieher schwingungsfrei hineingedreht werden, berichtet Longerich.

Ärztehaus mit geschwungenem Flugdach

Aktuelles Ziel: der Startschuss für den Bau – je nach Witterungslage – im Verlauf des Januars. Das Projekt Medical Cube ist bereits durchfinanziert. Für 80 Prozent der Flächen im Ärztehaus gibt es unterschriebene Mietverträge. Hier ziehen ausschließlich praktizierende Ärzte ein. Im Dienstleistungszentrum nebenan ist ein Drittel der Räumlichkeiten vergeben. Das entspricht einer 60-prozentigen Vermietung des Gesamtprojektes, so Longerich und Thurau.

Das Medical Cube bietet als medizinisches Zentrum auf neun Etagen etwa 65000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche, das Dienstleistungszentrum zusätzlich 3000 Quadratmeter. Zwischen den beiden Gebäuden liegt eine Parkgarage, deren Dach als öffentlicher Aufenthaltsraum begrünt wird. Auf dem Areal am Bahnhof Nord entsteht, wie berichtet, außerdem ein Parkhaus der städtischen Baugesellschaft GRWS, das im November 2018 fertiggestellt sein soll.

Das Medical Cube benötigt nach Informationen der Projektentwickler eine Bauzeit von etwa 18 Monaten. Architektonisch hat sich an der Planung nichts geändert: Es bleibt beim auffällig geschwungenen Flugdach, das über dem Ärztehaus zu schweben scheint, und einer Glas-Schrägfassade. Mit seiner Höhe hat das Ärztehaus am Bahnhof in etwa die Ausmaße des Sparkassen-Hochhauses.

Nicht nur die Gestaltung setzt neue Maßstäbe in der Innenstadt, wo der Bereich Bahnhof derzeit stark aufgewertet wird. Das Hotel B&B steht bereits, das Gründerzentrum soll im September 2018 fertiggestellt sein, der regionale Busbahnhof nimmt Formen an.

Weitere Entwicklungen stehen in der Bahnhofstraße als Tor zur Altstadt an: Neue Konzepte gibt es für die Posthöfe. Die Volksbank Raiffeisenbank Rosenheim-Chiemsee plant an der Bahnhofstraße ebenfalls einen futuristisch anmutenden Neubau für ein Wohn- und Geschäftshaus.

In dieses „neue Rosenheim“ passt das Medical Cube nicht nur architektonisch, finden die Projektentwickler. Sie wollen hier auch konzeptionell neue Wege gehen. Ziel sei ein modernes medizinisches Zentrum der kurzen Wege, in dem Fachärzte interdisziplinär zusammenarbeiten. Eine Apotheke und ein Sanitätshaus werden das ärztliche Angebot ergänzen.

Das Medical Cube wird nach den neuesten energetischen Standards erstellt und ist komplett digitalisiert. Die Tatsache, dass Rosenheim eines der schnellsten Netze der Datenautobahnen Deutschlands aufweist, war ein wichtiger Standortfaktor – neben der Lage am Verkehrsknoten Bahnhof und in einem Großraum mit etwa 180000 Bürgern. Lob gibt es von den Projektentwicklern, in Bad Aibling ansässigen Fachärzten, für „die professionelle und zielorientierte“ Zusammenarbeit mit der Stadt.

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