„Wer mit wem“ ist derzeit die große Frage in der Politik. Sollten sich CDU/CSU und SPD wieder gemeinsam ins Regierungsbett legen, bedeute dies noch lange keine Liebesheirat, betonen alle Kommentatoren. Das ist nichts Neues. Auch im Privatleben gibt es wechselnde Koalitionen, große und kleine, deren Basis nicht immer Zuneigung ist.
Wie brüchig sie sein können, lernen Kinder schon im Sandkasten. Bringt der Bub von gegenüber neue Förmchen mit, kann es sein, dass sich die Dreijährige kaltherzig vom besten Freund abwendet. Dabei hat sie gerade noch mit ihm innig „Vater, Mutter, Kind“ gespielt. Bei den etwas Älteren geht es vielleicht darum, wer den Ball treffsicher im Fenster des Nachbarn platziert hat. Da kommt es vor, dass der Schütze angesichts des Scherbenhaufens so schnell verschwindet wie Christian Lindner bei den Jamaika-Verhandlungen und seine Koalitionsgefährten, die verdutzten Kameraden, dem Zorn des Hausherrn überlässt.
Kürzlich habe ich erfahren, wie die Mutter einer Freundin reagiert hat, als die Tochter ihren „Neuen“ mit nach Hause brachte. Ganz überzeugend ist der junge Mann wohl nicht aufgetreten. Wie Mütter das gerne tun, gab sich auch diese scheinbar neutral. Das sei ja nicht ihre Sache, meinte sie, griff zu ihrem Telefonbüchlein und murmelte: „Also, diese Telefonnummer schreibe ich erst mal mit Bleistift rein.“ Die empörten Blicke der Tochter ignorierte sie.
Für den „Neuen“ war das nicht gerade der beste Start. Wie er es schaffte, die künftige Schwiegermutter in den sich über Jahre hinziehenden Koalitionsverhandlungen umzudrehen, bleibt sein Geheimnis. Niemand steckte es der Presse durch. Zum Schluss jedenfalls, als es um die Hochzeit ging, murmelte die Mutter der Braut nicht, sondern sagte es dem künftigen Schwiegersohn lächelnd ins Gesicht: „Also, ich würd’s nicht nehmen.“ Auch diesmal ignorierte sie die empörten Blicke der Tochter.
Geheiratet haben die beiden trotz der mahnenden Worte. Wirklich ernst gemeint waren diese ohnehin nicht. Die Schwiegermutter signalisierte lediglich: Ich kenne meine Tochter, du musst sie erst kennenlernen. Man sieht: Jede noch so abwegig klingende Koalition kann gelingen – zumindest im Privaten. Diese hier hält schon länger als vier Jahre.