Jahresrückblick – Januar bis JUni 2017

Dachschaden, Debatten, Doppeljubiläum

von Redaktion

Die erste Jahreshälfte 2017 war geprägt durch die Regentschaft des Rotstifts, durch Ärger über Baustellen und illegale Autorennen. Doch es gab auch viele positive Schlagzeilen: Eine lieferte unter anderem das Happinger Doppeljubiläum. Ein Rückblick auf die wichtigsten Themen und Ereignisse (Teil zwei in unserer morgigen Ausgabe).

Rosenheim – „Die Happinger waren damals arme Hund“, berichtet Happings letzter Bürgermeister in der Silvester-Ausgabe vor einem Jahr im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Paul Hohmann erinnert sich an die Eingemeindung nach Rosenheim. Sie fand 1967 statt. Das war nicht der einzige Grund zum Feiern in Happing: Das Dorf startete auch die Feierlichkeiten zur ersten urkundlichen Erwähnung vor 1000 Jahren. Das Doppeljubiläum prägt das Jahr 2017.

Januar

An den Start geht im Januar die erste Kinderfeuerwehr in Stadt und Landkreis Rosenheim: die „Aisinger Löschdrachen“. Sie hätten bei C&A gleich ihre Einsatzbereitschaft zeigen können: Denn hier regnet es in Strömen – als Folge eines technischen Defekts der Sprinkleranlage. Die Mitarbeiter starten das neue Jahr mit einem Sondereinsatz: Es wird geputzt.

Verzweifelt wendet sich der Förderverein Miteinander, der sich um die Stadtentwicklung im Rosenheimer Norden kümmert, an die Redaktion: „Freiwillige gesucht für einen neuen Vorstand“, lautet der Appell.

Noch ein Jubiläum wird im Januar eingeläutet: 50 Jahre Stadtkapelle Rosenheim. Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer übernimmt die Schirmherrschaft für den Veranstaltungsreigen.

2,63 Millionen Euro für einen Hort an der Grundschule Pang: Diese hohe Summe sorgt für einen heftigen Streit im Stadtrat.

Voller Wehmut nehmen die katholischen Christen außerdem Abschied von den Kapuzinerbrüdern. Nach 400 Jahren verlassen sie das Kloster St. Sebastian. Zuvor waren schon die in strenger Klausur lebenden Klarissen-Kapuzinerinnen ausgezogen. Doch das kirchliche Leben in der Klosterkirche geht weiter, verkünden Domkapitular Dekan Daniel Reichel, Pfarrer Andreas Zach und Pfarrer Sebastian Heindl. St. Sebastian bleibt ein „durchbeteter Raum“.

Mitte Januar freuen sich die Rosenheimer über traumhafte Schneeverhältnisse: Langlauffans kommen sogar im Stadtgebiet auf ihre Kosten, weil der Skiclub Aising-Pang eine Skatingspur präpariert hat. Der Baubetriebshof spurt außerdem in der Innflutmulde.

Kommunalpolitisch sorgen die vollstreckbaren Forderungen der Stadt an Schuldner in Millionenhöhe für Ärger. Das Amtsgericht weist Vorwürfe, Vollstreckungsaufträge nicht vollzogen zu haben, zurück. Außerdem gibt es Streit um einen geplanten Legehennenstall im Panger Außenbereich – Beginn einer bis heute andauernden Diskussion um privilegierte landwirtschaftliche Bauvorhaben.

Februar

Tagelang gibt es nur ein Stadtgespräch: der Auftritt von Xavier Naidoo, dem eine Nähe zur Reichsbürgerbewegung angelastet wird, beim Rosenheimer Sommerfestival. Nachdem die Jungen Grünen die Ausladung des Sängers gefordert hatten, entbrennt eine heftige Debatte um den Künstler.

Der Stadtrat beschließt eine massive Erhöhung der Bestattungs- und Friedhofsgebühren. Sterben wird also teurer. Eine gute Nachricht ist dagegen, dass wieder mehr Kinder geboren werden: Die Bilanz des Standesamtes für 2016 zeigt ein Geburtenplus von 5,5 Prozent.

Überraschung bei der Mitgliederversammlung des Tierschutzvereins: Dank einer Erbschaft ist die Finanzierung des neuen Tierheims gesichert.

In Pang findet die erste Bettelhochzeit statt – samt Vermählung auf dem Misthaufen: eine Riesengaudi zur Faschingszeit, perfekt organisiert von der Landjugend. Die Caritas-Wendelstein-Werkstätten geben ihre Pläne für einen weiteren Standort „Am Oberfeld“ bekannt.

Im Verkehrsausschuss deutet sich an, dass den Rosenheimern ein Jahr der Baustellen ins Haus steht. Und in der Tat trifft es die Bürger und die Pendler 2017 so hart wie selten zuvor. Auch der Zankapfel „Kufsteiner Straße“ wird zum ersten Mal angeschnitten: bei der Vorstellung einer Ausbauvariante mit Schutzstreifen für Radfahrer, die bereits wieder vom Tisch ist.

Terrorisiert fühlen sich die Anwohner rund um das Atrium von PS-starken Boliden, die sich nachts illegale Rennen liefern – ein Megathema im gesamten vergangenen Jahr. Das gilt auch für das Parken auf der Loretowiese: Die 700 Parkplätze bleiben kostenfrei. Ein SPD-Antrag auf Einführung von Gebühren auf Teilbereichen findet keine Mehrheit im Stadtrat.

„Das Rathaus hat einen Dachschaden“: Dieser Titel des Aufmachers in den OVB-Heimatzeitungen am 24. Februar ist wortwörtlich zu nehmen. Denn es regnet hinein – und das Dach muss für 1,2 Millionen Euro saniert werden. Gute Laune verbreitet dagegen das Faschingsprinzenpaar: Tanja I. und Kevin I. erobern mit ihrer sympathischen Art die Herzen der Rosenheimer und Faschingsfans aus der Region.

März

Die Bilderbuchausstellung in der Städtischen Galerie endet: Über 6000 Besucher genossen die Illustrationen unter dem Motto „Zum Kuckuck“.

Die Stadt startet einen neuen Service: kostenlose Windelsäcke für Familien mit Babys. Die Rückkehr vom acht- zum neunjährigen Gymnasium hat Folgen: Die Stadt muss die Pläne für den Umbau des Karolinen-Gymnasiums noch einmal ändern. Die Bogensiedlung wird der Erweiterung der Hochschule weichen: Für den Erhalt der Sgraffito-Kunstwerke von Markus von Gosen an den Fassaden kämpft eine Initiative. In Kolbermoor und Rosenheim beginnt die Abholzung der vom Asiatischen Moschusbockkäfer befallenen Kirschgehölze.

Rosenheim freut sich über die Einbürgerung des ersten Wanderfalkenpaares im Turm der St.-Nikolaus-Kirche: Denn die Vögel sind die große Hoffnung im Kampf gegen die Taubenplage in der Innenstadt.

Baustellen sorgen hier weiterhin für viel Ärger, dafür läuft es auf den Datenautobahnen glatt: Fast flächendeckend ist die Stadt – dank der Komro – sehr gut versorgt. Das kostenlose City-WLAN wird weiter ausgebaut.

Kommunalpolitisch steht im März die Kontroverse um die Bürgerbeteiligung im Rahmen des Stadtentwicklungskonzeptes Rosenheim 2025 im Fokus.

April

Die Pläne für den „neuen Gillitzer“ – ohne Passagen, ohne Rolltreppen, mit einem neuen Rewe – stoßen im Stadtrat auf große Zustimmung. Dieser gibt außerdem den Weg frei für das neue Gewerbegebiet „Brucklach“. Wildunfälle auf der Westtangente erzürnen die Panger Jagdgenossen. Die Stadt muss sparen – in allen Budgets. Auch in der Kultur wird der Rotstift angesetzt. Das tut besonders weh.

Zwei weitere Jubiläen werden gefeiert: 70 Jahre VdK Aising-Happing-Pang und 40 Jahre „Kind und Werk“. Seit 25 Jahren gibt es außerdem schon die Multiple-Sklerose-Selbsthilfegruppe.

„Halb Rosenheim eine Umleitung“, darüber ärgern sich die Autofahrer, Anlieger und Geschäftsinhaber. Deutlich wird der Sparkurs der Stadt zu Ostern bei der Grünpflege: Zum ersten Mal gibt es keinen Blumenschmuck an Brunnen und Brücken. Die Bürger reagieren empört – und parieren mit ungewöhnlichen Vorschlägen wie Patenschaften für Blumenkästen.

Spargelkönigin Martina Reichhold krönt das Spargelfest auf dem Grünen Markt.

Am 27. April kommt ein noch prominenterer Gast: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier trifft beim Ehrenamts-Empfang im Kuko 370 verdiente Bürger.

Mai

Das Karstadt-Kaufhaus feiert das 60-jährige Bestehen. Der Rock’n’Roll-Club Rosenheim versammelt beim Großen Preis von Deutschland die Tanzelite um sich. Ganz Rosenheim gerät in Bewegung bei der gleichnamigen Veranstaltung des City-Managements in der Innenstadt.

Ministerin Ilse Aigner legt den Grundstein für das Gründerzentrum am Bahnhof – in Gummistiefeln, denn es regnet in Strömen. Teures Pflaster Rosenheim: Die Immobilienpreise sind erneut gestiegen, meldet ein Branchenmagazin. Endlich: Der Haushaltsausschuss des Landtags gibt grünes Licht für den Flächentausch zwischen der städtischen Wohnbaugesellschaft GRWS und dem Freistaat, Voraussetzung für die Erweiterung der Hochschule auf dem Gelände der Bogensiedlung.

Der Dauerregen Anfang Mai weckt böse Erinnerungen – an das Jahrhunderthochwasser im Juni 2013.

Das Städtische Museum eröffnet eine Ausstellung mit seltenen Lutherbibeln – im Beisein von Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler. Erneut erhält Rosenheim beim Fahrradklimatest keine guten Noten. Am Esbaum schließt eine Metzgerei-Filiale, es wird nicht die letzte Aufgabe einer Metzgerei im Jahr 2017 sein.

Die schwierige Finanzlage bereitet weiter Sorgen und entfacht die Diskussion um den Sparkurs, um hohe Investitionen – unter anderem bei der Lokschuppen-Sanierung – und um die Konsolidierungsansätze neu.

Mit Beginn der Badesaison sorgen undisziplinierte Hundehalter, illegale Camper und private Partys am Floriansee und Happingerausee wieder für Ärger. Die Stadt reagiert mit einer Verschärfung der Vorschriften.

Chaos auch am Bahnhof: Dort fehlt ein Fahrradparkhaus. Räder werden kreuz und quer abgestellt.

Hoffnungsvoll blickt die Freie Turnerschaft in die Zukunft: Das Jahrhundertprojekt Neubau des Vereinsheims kann starten.

Juni

Auf das Tempo drücken will die Stadt gemeinsam mit den Umlandgemeinden beim Radfahren: Eine Machbarkeitsstudie soll die Realisierung von Radschnellwegen klären. Das City-Management bedient gemeinsam mit Partnern einen weiteren neuen Trend: Street-Food. In der Innenstadt laden an einem Wochenende mobile Garküchen zum Schlemmen ein. Nach der Vorstellung der Chronik zum Doppeljubiläum in Happing wird im dortigen Bürgerhaus die Ausstellung zum Ereignis des Jahres eröffnet.

Der Kampf gegen die Autoposer in der Innenstadt geht weiter. Neuer Ansatz: eine Ausweitung des Halteverbots in der Münchener Straße. Die Autoren der Happing-Chronik, Hans Demberger, Professor Dr. Josef Frankenberger und Werner Krämer, erhalten die Goldene Bürgermedaille der Stadt.

1000 Bürger engagieren sich beim Stadtfest. Ihr Engagement wird mit Traumwetter belohnt. Die Frage, wie es weitergeht mit der Erdgastankstelle in der Kastenau, sorgt für Diskussionen. Der bayerische Städtetag tagt in Rosenheim. Thema: neue Mobilitätsformen. Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer steigt mutig ein in einen selbstfahrenden Bus.

Das ganze Dorf ist auf den Beinen während der Happinger Festwoche. Sie wird ein großer Erfolg.

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