Rosenheim/Landkreis – „Wir werden sie auch dieses Jahr wieder meistern“, zeigt sich Dr. Fritz Ihler angesichts der Grippewelle, die wohl auch heuer die Region erfassen wird, entspannt. Die ersten Vorboten sind bereits da: In den Praxen melden sich immer mehr Bürger mit schweren Erkältungskrankheiten, berichtet Ihler. Auch in den Apotheken hat der Ansturm auf Medikamente, die die Beschwerden lindern, begonnen. „Viele sind schlecht beinander“, sagt Apothekerin Elke Wanie, Sprecherin der Landesapothekenkammer für die Region Rosenheim. Ob dafür eine Erkältung oder wirklich die Grippe (Influenza) verantwortlich ist, könne nur durch einen Abstrich geklärt werden, so Ihler.
Trotz des wechselhaften Wetters sind Stadt und Landkreis Rosenheim bisher jedoch von einer richtigen Grippewelle verschont geblieben, gibt der Leiter des Staatlichen Gesundheitsamtes Rosenheim, Dr. Wolfgang Hierl, vorerst Entwarnung. Die Grippewelle beginne in diesem Jahr später als in der vergangenen Saison. „Nach Mitteilung der Arbeitsgemeinschaft Influenza am Robert-Koch-Institut herrscht derzeit nur eine gering erhöhte Influenza-Aktivität“, so Hierl.
In Zahlen heißt das nach seinen Angaben: Für die Grippesaison 2017/18, die per Definition in der 40. Kalenderwoche begonnen hat, wurden dem Rosenheimer Gesundheitsamt bisher 13 Fälle gemeldet, in denen Influenza-Viren in Proben nachgewiesen werden konnten, zwei davon in den ersten beiden Wochen des neuen Jahres. 2016/17 waren es im gleichen Zeitraum 16 gemeldete Fälle nach dem Infektionsschutzgesetz, 2015/16 zehn Fälle von Patienten mit Influenza-Viren. In der kompletten Saison 2016/17 betrug die Zahl der gemeldeten Influenzafälle 119, im Jahr davor waren es nur 38.
Angesichts dieser Zahlen weist Hierl darauf hin, dass eine Impfung gegen die Grippe auch jetzt noch sinnvoll ist. „Das Immunsystem braucht ungefähr zwei Wochen, um einen vollständigen Impfschutz aufzubauen“, so Hierl. In der Regel erreicht die Grippewelle ihren Höhepunkt im Januar und Februar. In der letzten Saison war es in den Kalenderwochen fünf und sechs.
Eine hohe Ansteckungsgefahr
Das Robert-Koch-Institut empfiehlt eine Schutzimpfung für Personen ab 60 Jahren, chronisch Kranke und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen. Impfen lassen sollten sich auch Menschen, die in Krankenhäusern und Pflegeheimen arbeiten, oder beruflich aufgrund umfangreichen Publikumsverkehrs ein erhöhtes Ansteckungsrisiko haben. Auch Frauen ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel sollen sich impfen lassen, heißt es.
„Bei der Influenza handelt es sich nicht um eine harmlose Erkältung, sondern um eine ernsthafte Infektionskrankheit. Es kann zu schweren Verläufen mit einer Herzmuskelentzündung, Lungenentzündung oder gar zum Tod kommen“, warnt Hierl. Der Vorsitzende des ärztlichen Kreisverbandes, Ihler, sieht vor allem die Gefahr, „dass der Körper als Folge einer Grippe entgleist“ – etwa bei Rauchern, deren Bronchien bereits angegriffen sind. Auch er empfiehlt, die Schutzimpfung noch jetzt nachzuholen.
Ansonsten gibt es nur wenig Möglichkeiten, der Grippe zu entkommen. „Das ist eine fliegende Infektion. Man steckt sich sehr schnell an“, bedauert Ihler. Beim Niesen oder Husten sowie Sprechen gelangen kleine virushaltige Tröpfchen in die Raumluft und können selbst über eine Entfernung von fünf bis zehn Metern eingeatmet werden, erläutert der Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbandes.
Da sich niemand während der Grippezeit daheim verkriechen kann, ist die Ansteckungsgefahr groß – vor allem in Kindergärten und Schulen, Büros und Menschenansammlungen. Reduziert werden kann die Gefahr vor allem durch eins: Hände waschen – etwa nach dem Einkaufen im Supermarkt, wo Hunderte den Türgriff des Geschäftes anfassen. „Auch regelmäßiges Lüften ist sinnvoll, um die Infektionsgefahr zu senken“, ergänzt Michael Köberich, Leiter des Servicezentrums der DAK in Rosenheim.
Von jetzt auf gleich sehr krank
Ist es die Influenza oder nur eine lästige, aber eher harmlose schwere Erkältung? Die Symptome einer echten Grippe reichen bei einem schweren Verlauf von Schüttelfrost über Husten bis hin zu starkem Fieber. „Die Betroffenen fühlen sich von jetzt auf gleich sehr krank. Das unterscheidet die echte Grippe von einer Erkältung“, so Köberich.