Sanierung statt Neubau

Eisstadion wird Baustelle

von Redaktion

„Natürlich wäre ein neues Stadion ein Traum. Doch wir haben weder den Platz noch das Geld“, bedauerte Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer im Haupt- und Finanzausschuss. Dieser folgte, wie bereits gemeldet, einstimmig ihrem Vorschlag, das emilo-Stadion in den nächsten vier Jahren zu sanieren – für 7,9 Millionen Euro.

Rosenheim – Einen zweistelligen Millionenbetrag müsse die Stadt investieren, wolle sie das Stadion neu errichten. „Die Finanzierung dieser Summe können wir uns derzeit überhaupt nicht vorstellen“, betonte Bauer. Eine Sanierung im Bestand bedeutet jedoch auch einen gewaltigen finanziellen Aufwand. Doch die Investitionen sollen über vier Jahre bis 2022 gestreckt werden. Außerdem steht fest: Der Stadt bleibt nichts anderes übrig, als das Geld in die Hand zu nehmen. Ansonsten droht aus Sicherheitsgründen die Schließung. Das Stadion mitten in der Stadt hat nach Überzeugung von Bauer außerdem einen besonderen Charme.

Bei einem Vorgespräch hatte die Oberbürgermeisterin in der vergangenen Woche den Fraktionen bereits die Ergebnisse eines Gutachtens zur baulichen Situation vorgestellt. Die Vorstandschaft der Starbulls sei ebenfalls der Meinung, die Halle sei am jetzigen Standort gut positioniert, deutete Bauer an, dass der Verein die Sanierung im Bestand mitträgt (siehe auch Stellungnahme unten). Da das Eisstadion nach Abschluss der Maßnahmen 15 bis 20 Jahre weiter betrieben werden kann, ist ein Neubau wohl mittelfristig vom Tisch. Dass er jedoch von vielen Sportlern gewünscht wird, liegt in erster Linie an der Tatsache, dass eine zweite Eisfläche fehlt. Die Nutzungszeiten in der Halle reichen bei Weitem nicht aus, um den Bedarf zu decken. Der Nachwuchs der Starbulls trainiert deshalb oft frühmorgens vor Schulbeginn. Eltern fahren eissportbegeisterte Kinder bis nach Ebbs. Das emilo-Stadion wird zwar in erster Linie mit der Oberliga-Mannschaft der Starbulls verbunden. Genutzt wird es jedoch auch von Eiskunstlaufvereinen, von Stockschützen, Hobby-Eishockeymannschaften sowie vom Schulsport. Auch ein öffentlicher Lauf findet statt.

Die Oberbürgermeisterin sprach auch die Notwendigkeit einer zweiten Eisfläche an. Sie schloss nicht aus, dass es vielleicht doch möglich ist, eine weitere Eisfläche in direkter Nachbarschaft zum Stadion zu realisieren. Dieser Vorschlag hatte schon einmal im Raum gestanden. Damals war vorgeschlagen worden, den Kunstrasenplatz der Sechziger einem Anbau mit zweiter Eisfläche zu opfern. Dort hat man jedoch erst im September 2017 einen neuen Kunstrasen verlegt – Kostenpunkt 340000 Euro. Zudem würden die Fußballer dann einen Ersatz an anderer Stelle benötigen. Jetzt steht wohl ein anderer Standort für eine zweite, kleinere Eisfläche zur Diskussion: eine Parkfläche neben der Halle auf der anderen Seite.

Ohne Sanierung droht die Zwangsschließung

Doch in den nächsten vier Jahren geht es wohl vor allem darum, die Sanierungen durchzuführen, damit keine Zwangsschließung droht. Die Liste der Defizite, die die Sachverständigen festgestellt hatten und die zwingend behoben werden müssen, ist lang: Flucht- und Rettungswege sind zu ertüchtigen, Türen und Wände auszutauschen, Treppen zu erneuern, unzulässige Elektroverteilungen zu beheben, mangelhafte Techniktrassen zu entfernen, Blitzschutzanlagen zu ergänzen, Eisbande und Betonpiste zu sanieren. Auch die Gebäudetechnik ist zum großen Teil veraltet: Armaturen sind defekt, Sanitäreinrichtungen in schlechtem Zustand, ein neuer Ammoniakverdichter zur Eisproduktion muss kommen, die Toiletten reichen nicht aus. Die Stadionlautsprecheranlage ist zu erneuern. Die Beleuchtung soll auf LED umgestellt werden. Größter und aufwendigster Brocken: der Austausch der Dachfolie. Die Oberbürgermeisterin räumte offen ein, dass all diese Probleme eine Folge der Tatsache seien, „dass wir über Jahre nichts getan haben“. Bauer: „Es gab andere Prioritäten.“

Die 7,9 Millionen Euro, die investiert werden müssen, haben einen Posten ausgespart: die Sanierung der Gaststätte mit Restaurantbereich. Hier steht die Stadt in puncto Kostenübernahme in Kontakt mit den Brauereien, hieß es. Damit die Kosten nicht explodieren, sind in die 7,9 Millionen Euro schon vorsorglich Zuschläge hineingerechnet worden, beruhigte Kämmerer Heinz Bösl.

Das Eisstadion wird in den nächsten vier Jahren außerdem zur Dauerbaustelle: 2017 waren die Fluchttreppen an der Mangfallseite erneuert worden. Heuer geht es weiter mit Abriss und Erneuerung der Treppen auf der Nord- und Südseite. Spielerkabinen werden mit Lüftungsanlagen nachgerüstet, die Stahlfassadenstützen im Westen ertüchtigt. Die Imbissbereiche auf dem Oberrang an der Mangfallseite erhalten einen modernen Brandschutz.

Im Haushalt für das Jahr 2018 stehen rund 700000 Euro für diese Maßnahmen zur Verfügung. Heuer müssen jedoch etwa 1,29 Millionen Euro investiert werden. Die fehlenden Mittel sollen durch Umschichtungen im Etat frei werden, erläutert die Kämmerei dem Ausschuss.

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