Reporterin in Jogginghose – Folge 12: Fussball

Herz in der Hand, Untauglichkeit im Bein

von Redaktion

15 Prozent der Kinder in Deutschland sind zu dick. Der Grund: mangelnde Bewegung. Das gilt nicht für viele Mädchen und Buben, die in den Rosenheimer Vereinen fleißig trainieren. Was sie alles können, zeigen sie in der OVB-Serie „Reporterin in Jogginghose“. In Folge zwölf probiert sich Susanne Hoffmann im Fußball – trainiert von jungen Kickern des Sportbunds.

Rosenheim – Fußballer: Sie sind die Helden der Nation. Und ja: Auch in Rosenheim eilt ihnen ihr Erfolgsruf voraus. Wie das Training der jungen Nachwuchstalente abläuft, will ich herausfinden. Dienstag, 17 Uhr. Trainer Peter Holzapfel wartet in der Wolfgang-Pohle-Halle schon auf mich. Ich erfülle leider jedes Klischee: Mädchen und absolut keine Ahnung von Fußball. Vielleicht könnte ich gerade mal einen Elfmeter erklären – die Betonung liegt auf vielleicht. Den Neun- und Zehnjährigen beim Sportbund scheint das nichts auszumachen. Sie nehmen mich herzlich auf.

Das Training beginnt: Co-Trainer Marco und Alex teilen uns in zwei Gruppen ein – dann geht es ans Aufwärmen. Wir rennen um Hütchen herum, mal ziehen wir die Knie im Laufschritt nach oben, dann hüpfen wir im Seitschritt durch die Halle. Ich schnaufe ordentlich, ein leichtes Seitenstechen stellt sich ein.

Die Buben wirken agil, ich fühle mich im Vergleich dazu ein wenig alt. Fabi (10) beweist Ballgefühl. Er will mir zeigen, wie ich als Anfängerin ein Gespür für den Sport bekomme. „Erst einmal passt du den Ball vom einen zum anderen Fuß“, sagt er und zeigt mir, was er meint. Sieht leicht aus. Ich eifere ihm nach. „Schießen kannst du mit dem Schaft deines Fußes“, kündigt er den nächsten Lern-Schritt an. Während der Zehnjährige den Ball im hohen Bogen durch den Raum katapultiert, rollt meine Kugel zaghaft auf dem Boden herum – natürlich in die falsche Richtung. „Das macht nichts“, meint Fabi aufmunternd.

Die Drehung von

Zinedine Zidane

Dann zeigt er mir noch ein paar Tricks. „Das ist die Zidane-Drehung“, sagt der Zehnjährige fachmännisch. Im Einklang mit dem Ball dreht er sich einmal um die eigene Achse und kickt am Ende die Kugel gekonnt von sich. Ich bin verwirrt – nicht einmal den Bewegungsablauf kann ich mir merken.

Tim (9) ist Torwart. Schon beim Spiel beobachte ich, wie er geschickt seinen Kasten hütet. Auf seinem FC-Bayern-Trikot ist dick die Nummer Eins gedruckt – sie gehört zu Manuel Neuer, seinem Vorbild. „Das ist mein Lieblingsspieler“, erzählt Tim. Gibt es etwas, was man als Torwart unbedingt können muss, will ich wissen. „Gut beobachten“, sagt er. „Und man sollte seine Hände immer vor dem Körper halten, damit einen der Ball nicht in den Bauch trifft.“ Das probiere ich lieber nicht aus – klingt mir zu gefährlich.

Ich beobachte die Buben beim Spielen. „Die Jungs spielen zweimal 25 Minuten. Die Zeit wird dann von Klasse zu Klasse erhöht“, erklärt mir Trainer Peter Holzapfel. Die Neun- und Zehnjährigen rennen über das Spielfeld. Ich habe Probleme, dem schnellen Spielverlauf zu folgen. „Tor“, und schon geht es weiter.

Trotz teilweise etwas roten Köpfen haben die jungen Talente jede Menge Spaß. Ob das anstrengend war? „Ein bisschen“, sagen sie und wirken wie wahre Helden des Fußballs. Ich dagegen – bleibe lieber beim Tennis. Vielleicht habe ich zwar mein Herz in der Hand, die Untauglichkeit im Bein überwiegt aber leider. Spaß gemacht hat es trotzdem.

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