Rosenheimer Starkbierfest

„Grenzenloses“ aus Jamaika

von Redaktion

In einen karibischen Strand samt Liegestühlen hatte sich die Bühne der Inntalhalle gestern Nachmittag verwandelt, wo Salvatorredner Peter Kirmair das Rosenheimer Starkbierfest eröffnete. Er schenkte der versammelten lokalen Politprominenz kräftig ein – weder bayerisches Starkbier noch jamaikanischen Rum, sondern ätzenden Spott.

Rosenheim – Ein ganzes Bündel von Themen hatte Peter Kirmair in seinem satirischen Rundumschlag abzuarbeiten: Die große Politik mit Sondierungsgesprächen und Heimatminister, MeeToo und politische Korrektheit („Oh, Entschuldigung, hob i jetzt Schwarze gsogt?“), Strabs und Diätenerhöhung – nichts war vor Kirmairs Spott sicher. Der Schwerpunkt lag aber im Lokalen. Und da war im vergangenen Jahr doch einiges geboten: Baustellenchaos in Rosenheim, Eisstadionausbau, die OB-Nachfolge und Landräte-Zwist.

Zuvor hatte es eine Premiere gegeben, als der neue Auerbräu-Geschäftsführer Tilo Ruttmann („Es war für mich eine große Ehre, in die Geschäftsleitung berufen zu werden.“) die Gäste begrüßte. Ein besonderer Dank und beste Wünsche gingen an seinen Vorgänger Ferdinand Steinacher.

Dann übernahm Peter Kirmair die Bühne mit Strandhütte, Liegestühlen und Sonnenschirm vor einer Palmenstrand-Fototapete. Kirmaier, bekleidet mit Sommerhemd, kurzer Ledernen und Badelatschen, lieferte gleich die Erklärung, warum er sich seine eigene Insel zusammengebaut hatte: „Jamaika, des war mia nämle politisch eh vui lieba gwen ois wias Lebn jetzt dann wieder in diesem langweiligen GroKonien.“

Und damit war Kirmair gleich drin in seiner Rede, die er mit „Grenzenlos“ betitelt hatte: Grenzenlos sein Ärger über die monatelange Regierungsbildung, über grenzenlos raffgierige Automanager und über grenzenlos wichtige Politiker.

Ein Zeichen der Grenzenlosigkeit sah Kirmair auch darin, dass heuer, zum Jubiläum 100 Jahre Freistaat, ein evangelischer Franke nicht nur Ministerpräsident, sondern auch Ehrenmitglied der Rosenheimer Gebirgsschützen werden soll: „Na, des geht glei gar ned für mi.“

Und so zog sich Kirmair auf die sprichwörtliche Insel zurück, wo er sich viel Ärger ersparte: Keine Strabs, keine Turnhalle („Des war doch wos, Herr Solnar, ha?“) und kein Eisstadion: „De oide Hiawan – für d‘Oberliga glangt‘s.“ Einen Lösungsvorschlag hatte Kirmair auch parat: „Mit der zweiten Eisfläche aufstocken – ein Signal gegen den Flächenfraß.“ Sein Tipp: „Die ganz gscheiden Architekten fragen: de von Stuttgart 21 oder dem Flughafen Berlin. Kost hoid a paar Euro mehra und dauert a paar Jahr länga.“

Zumindet Dieselfahrverbote muss Rosenheim aber nach Kirmairs Überzeugung nicht fürchten: Die werde es wahrscheinlich nur in Städten geben und nicht „in sich maßlos überschätzenden Oberzentren.“ Oberbürgermeisterin und Landrat mussten kräftig einstecken: Der OB „im Auslaufmodus“ bot Kirmair „zum Untertauchen“ einen Liegestuhl auf seiner Insel an, Berthaler bescheinigte er, besonders gut beim Schafkopfen, Watten und „Hudeln“ zu sein.

Am Ende hatte Kirmair für sein Publikum noch einen guten Rat parat – ausnahmsweise keinen satirischen, sondern einen fast schon philosophisch anmutenden: „Mein Motto auf der Insel do und im Leben drauss is und bleibt: Man lebt ruhiger, wenn ma ned ois sogt, was ma woaß, ned ois glaabd, wos ma härt, und über den Rest einfach nur lächelt.“

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