Zehn Jahre Rauchverbot

Keine Nachteile durch Tabak-Bann

von Redaktion

Zehn Jahre ist es her, dass in Bayern das erste Nichtraucher-Schutzgesetz erlassen wurde. Der politische Streit war damit aber nicht zu Ende. Erst 2010 brachte der erfolgreiche Volksentscheid endgültig Klarheit. Die Gastronomie befürchtete damals Umsatzeinbußen, mancher Wirt sah seine Existenz gefährdet. Wie sehen Gastronomen heute die Situation? Die OVB-Heimatzeitungen haben nachgefragt.

Rosenheim „Freilich, Bedenken waren vorhanden“, sagt Klaus Hertreiter vom Wirtschaftlichen Verband Rosenheim, verantwortlich für das bei Rauchern wie Nichtrauchern gleichermaßen beliebte Herbstfest. Im Vorfeld habe man sich viele Gedanken gemacht: „Wo wird geraucht? Werden Fluchtwege blockiert? Wo gehen die Raucher bei Regen hin? Halten sich alle an das Verbot? Zu Beginn hatten wir ernsthafte Sorgen, wie und wohin sich das Ganze entwickelt. “

Letztlich stellte sich heraus: Die Befürchtungen waren grundlos. „Ein, zwei Jahre hat es schon gedauert, bis sich die Neuerung eingespielt und in allen Köpfen verankert hat“, erklärt Hertreiter. Insgesamt zieht er aber eine positive Bilanz: „Mittlerweile haben sich die Raucher umgestellt und das Verbot vollkommen akzeptiert.“

Dass sich die anfänglichen Bedenken als unbegründet herausgestellt haben, kann auch Elisabeth Kirner im Namen des Gasthauses „Zum Stockhammer“, des Raublinger Starkbierfests und des Flötzinger-Zelts auf dem Rosenheimer Herbstfest bestätigen. Umsatzeinbußen, die viele Gastronomen befürchtet haben, seien ausgeblieben. Auch der Stimmung habe das Verbot keinen Abbruch getan. „In unserem großen Biergarten ist das Rauchen eh gestattet. Wir haben eine Raucherecke eingerichtet, in der jeder in Ruhe eine Zigarette anzünden kann, ohne dass sich jemand daran stört. Wir beobachten oft, dass sich Nichtraucher dazu gesellen – dann geht es manchmal richtig lustig zu“, fasst Elisabeth Kirner die Situation zusammen. Trotz Hinweisschildern erwische man immer wieder Gäste beim Rauchen. „Da müssen wir mit entsprechendem Fingerspitzengefühl vorgehen und sie persönlich darauf hinweisen, dass dies sonst die anderen Gäste stört“, erklärt Elisabeth Kirner: „Im Großen und Ganzen aber haben die meisten Raucher Verständnis und lassen mit sich reden.“

Konkrete Nachteile durch das Rauchverbot kann die Wirtin nicht erkennen: „Wir sehen auch in Zukunft nur Vorteile, die mit dem Rauchverbot in der Gastronomie verbunden sind. Es trägt wesentlich dazu bei, dass insgesamt weniger geraucht wird – was sich positiv auf die Gesundheit auswirkt.“

Thomas Stumbeck vom Augustiner am Max-Josefs-Platz hingegen hat als Wirt in den ersten Jahren nach Einführung des Rauchverbots durchaus mit Umsatzeinbußen kämpfen müssen. „Wir – und gewiss auch andere Gastronomien – haben deutlich gespürt, dass die Raucher die neue gesetzliche Grundlage zu Beginn boykottierten“, erinnert sich der Wirt. Doch der Kundenstamm habe den Weg nach einer kurzen Trotzphase wieder zurückgefunden. „Mei, es gibt ja keine andere Möglichkeit – an die geltenden Gesetze müssen sich alle halten. Und die saubere Luft ist schließlich nicht zum Nachteil unserer Gäste. So wie es jetzt ist, finde ich es gut. Die Regelung sollte nicht mehr eingerissen werden.“

„Kein Rauchverbot? Heute undenkbar.“

Korbinian Vogl ist seit 2015 Wirt im Flötzinger Bräustüberl in der Samerstraße. Rauchende Grüppchen würden sich brav vor der Türe sammeln, wirklich ermahnen habe er noch niemand müssen. „Ein Gastro-Betrieb ohne Rauchverbot? Für uns ist das heute undenkbar“, sagt Vogl. Er kann sich gar nicht mehr vorstellen, „wie es früher gewesen sein muss, als sich Rauchschwaden im gesamten Essensbereich ausgebreitet haben“. Der junge Wirt ist sich sicher, dass sich das Rauchverbot über die Jahre hinweg ohne Probleme in den Alltag integriert hat: „Die Menschen sehen es heute als Selbstverständlichkeit an, dass in geschlossenen Räumen allgemein nicht geraucht wird – egal ob es sich dabei um die eigene Wohnung oder das Gasthaus handelt.“

Wie sieht es im Nachtleben aus? Florian Buchner, Betreiber der Lausa Bar, ist der Ansicht, das Rauchen in Gaststätten und Kneipen sei Einstellungssache: „Die einen stört es, die anderen nicht. Ich persönlich finde das Rauchverbot nicht schlecht, allerdings könnte man zwischen Restaurants und Kneipen oder Diskotheken unterscheiden. In letzteren würde Zigarettenrauch wohl weniger stören.“

Umsatzeinbußen hat Buchner nicht feststellen können. Manchmal komme es vor, dass ein Gast nach draußen verwiesen werden müsse, der bereits das Feuerzeug im Inneren gezückt habe. Er kann dem Rauchverbot noch eine positive Seite abgewinnen: „Die Leute gehen besonders im Sommer gerne mal vor die Tür und kommen viel eher miteinander ins Gespräch.“

Was mittlerweile auf dem Vormarsch ist, sind E-Zigaretten mit verschiedenen Geschmacksrichtungen. Doch auch hier bleibt Buchner streng: „Auch wenn es drinnen erlaubt ist, bin ich absolut dagegen. E-Zigaretten müssen bei mir ebenso wie die normale Zigarette draußen angezündet werden.“

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