Kufsteiner Strasse

Grundsätzlich vierspurig

von Redaktion

Der erste Beschluss zum vierspurigen Ausbau der Kufsteiner Straße fiel bereits im Jahr 2000. Seitdem ist viel Wasser die Mangfall hinabgeflossen. Es gab Vorplanungen, Entwürfe, Konzepte, Initiativen, Proteste – und zuletzt für viele verwirrende Beschlüsse zu Alternativkonzepten. Der Stand der Dinge.

Rosenheim – Derzeit ist nur der nördliche Teil der Kufsteiner Straße von der Briancon- bis zur Klepperstraße in der Planung. Im Fokus steht das Nadelöhr Eisenbahnunterführung. Die Bahnbrücke ist etwa 100 Jahre alt. Über sie führen acht Gleise. Im Rahmen ihrer Erneuerung, die im laufenden Bahnbetrieb stattfinden muss, soll die Unterführung aufgeweitet werden – von der heutigen Zwei- auf eine Vierspurigkeit. Auch ein kombinierter Geh- und Radweg wird – allerdings auf einem anderen Höhenniveau – auf jeder Seite durch die Unterführung geführt.

Eine erste Planung für dieses technisch anspruchsvolle Mammutbauvorhaben stammt aus dem Jahr 2002, muss jedoch überarbeitet und neuen Anforderungen angepasst werden, teilt Baudezernent Helmut Cybulska auf Anfrage mit.

Die Stadt hat mit der DB Netz eine Planungsvereinbarung getroffen. Die DB hateine Vorplanung in Auftrag gegeben, die den Neubau der Eisenbahnunterführung nicht isoliert sieht, sondern in Bezug zum daraus folgenden Ausbau der Kufsteiner Straße von der Briancon- bis zur Klepperstraße stellt. Das hat Sinn, schließlich soll nicht erneut ein Nadelöhr entstehen.

Werden durch den vierspurigen Ausbau der Unterführung Fakten geschaffen? Franz Opperer von den Grünen, bekanntlich Gegner dieses Ausbaus, befürchtet dies. Im Stadtrat verwies er auf einen aktuellen Beschluss des Verkehrsausschusses. Nach den Diskussionen um den Ausbau des südlichen Teils hatten Stadträte der Grünen, der Freien Wähler/UP, der FDP und ÖDP durchgesetzt, dass auch die Dreispurigkeit als Alternative überprüft wird. Opperer interpretiert den Beschluss so, dass der Beschluss für die ganze Kufsteiner Straße gilt.

Leistungsfähigkeit der Kreuzungsknoten steht im Fokus

Es bleibt nach Informationen von Cybulska dabei: Grundsätzlich festgelegt als Basis für die weitere Planung ist die Vierspurigkeit. Zwei Spuren stadtein- und stadtauswärts seien als Regelquerschnitt festgelegt worden. Doch dem Wunsch der Mehrheit im Verkehrsausschuss, auch die Möglichkeiten einer Dreispurigkeit zu untersuchen, werde trotzdem entsprochen, teilt Cybulska mit und erklärt, warum:

Im nördlichen Bereich der Kufsteiner Straße stehe grundsätzlich nicht die Frage der Drei- oder Vierspurigkeit im Mittelpunkt der Planung, sondern die Leistungsfähigkeit der vielen Kreuzungspunkte mit zuführenden Straßen wie der Briancon-, Klepper- und Gießereistraße. Hier stockt derzeit vor allem frühmorgens und zum Feierabend der Verkehr, Staus sind tägliche Realität. Bei der Vorbereitung der Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren müsse geprüft werden, ob eine höhere Leistungsfähigkeit der Knotenpunkte auch durch dreispurige Lösungen, die weniger Eingriffe in die privaten Grundstücke erfordern, möglich seien. Dies sei zwar keine echte Variantenprüfung, die gleichwertig neben der Vorplanung für eine Vierspurigkeit stehe. Doch dem Wunsch nach Prüfung der Möglichkeiten für eine Dreispurigkeit werde Rechnung getragen. Die Auswirkungen würden untersucht und die Ergebnisse dem Stadtrat zur endgültigen Entscheidung vorgelegt.

Für den südlichen Streckenabschnitt von der Klepperstraße bis zur Panoramakreuzung sind noch keine Planungsmittel bereitgestellt. Auch Rechtsdezernent Herbert Hoch zeigte sich im Stadtrat überzeugt: Alternativen zur Vierspurigkeit müssen auch hier im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens geprüft werden.

CSU-Fraktionsvorsitzender Herbert Borrmann und Andreas Lakowski (SPD) erinnerten auch daran, dass vor allem auf der südlichen Kufsteiner Straße ein weiteres Problem gelöst werden muss: das Linksabbiegen. An der Kufsteiner Straße liegen viele Einfahren zu Siedlungsstraßen und Haus- sowie Gewerbegrundstücken.

Weitere Schwierigkeiten: die Flaschenhälse an der Unterführung und der Mangfallbrücke sowie Höhenunterschiede, die ausgeglichen werden müssen.

Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer ärgert sich angesichts der engen Straßenverhältnisse und der Tatsache, dass kaum Grund für breitere Zuschnitte zu erwerben ist, über eine Vorgabe: „2,50 Meter breite Gehwege erschließen sich mir nicht.“ Diese Breite wird in den bundesweit geltenden Richtlinien jedoch als Regel festgelegt. 2,50 Meter seien als Regelbreite vorgegeben, damit Fußgänger auch dann ausreichend geschützt seien, wenn sie zu zweit nebeneinander gehen oder mit Kinderwagen unterwegs sein würden, erläutert Cybulska.

Doch in den nächsten Jahren geht es erst einmal um den nördlichen Straßenabschnitt und die Eisenbahnunterführung. 2018 sollen die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren erstellt werden. Eine Datengrundlage liefert die Verkehrsprognosen des Freistaates für das Fernstraßennetz. Sie werden derzeit für den Prognosezeitraum bis 2035 errechnet. Mit dem Baustart der Unterführung rechnet die Stadt nicht mehr im Jahr 2020.

Der Baubeginn hängt mit der Fertigstellung der Westtangente zusammen, damit der Schwerlastverkehr darüber umgeleitet werden kann. Die Westtangente-Öffnung verzögert sich aufgrund der Untergrundprobleme mit dem Rosenheimer Seeton im Bereich der geplanten Aicherparkbrücke vermutlich auf 2022.

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