Rosenheim – Nach der Begrüßung und einem kurzen Rückblick auf das vergangene Jahr durch SJR-Vorsitzenden Abuzar Erdogan sowie Hinweisen auf die Wiedereröffnung des Jugendtreffs „Base“ in der Erlenau und auf Veranstaltungen 2018 wie das geplante Parkfest, das Verbandszeltlager und das Hitzefrei-Festival im Freibad, folgte der Rechenschaftsbericht des neuen Geschäftsführers Johannes Merkl. Insgesamt umfasst der Haushalt des Stadtjugendrings ein Volumen von rund 2,7 Millionen Euro, zu 81 Prozent getragen von der Stadt Rosenheim. Schwerpunkte der Ausgaben sind Personalkosten (67 Prozent). Die Arbeitsfelder sind unter anderem „Jugendwohnen“, Jugendarbeit, offene Kinder- und Jugendtreffs und das Jugendfreizeitgelände. Nach der einstimmigen Zustimmung der Delegierten zur geplanten Rücklagenentnahme und dem Haushaltsplan 2018 wurde es politisch im SJR.
„Politisch für Kinder und Jugendliche.“
Abuzar Erdogan
Bevor sich vier Landtagskandidaten der bereits jetzt im Landtag vertretenen Parteien CSU (Klaus Stöttner) SPD (Britta Promann), Grüne (Hartl Hinterholzer) und Freie Wähler (Mary Fischer) den Fragen des Moderators Marcel Görmann sowie den Fragen aus dem Publikum stellten, machte der SJR-Vorsitzende deutlich: „Der SJR ist eine parteipolitisch ungebundene Organisation. Allerdings sind wir politisch für Kinder und Jugendliche.“
Auf die gestoppte Minute genau durften die Politiker sich vorstellen und ihre Stellungnahmen zu Frauenquote und Flächenversiegelung, Mietpreisbremse, Wahlrecht mit 16 und Glyphosat abgeben. Je nach Zustimmung oder Ablehnung wurden die Kandidaten mit Applaus oder Wut-Emojis bedacht.
Besonders heftig diskutiert wurde die Äußerung des frisch ernannten Bundesinnenministers Horst Seehofer: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland.“ Einzig der CSU-Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner zeigte für diese Äußerung Verständnis. „Das Leben in Bayern ist christlich geprägt. Das Christentum ist unsere Leitkultur. Bayern soll das Bayern bleiben, das es ist“, meinte Stöttner. Damit schien Stöttner allerdings ziemlich allein zu stehen. Nicht nur seine drei Podiumskollegen, auch aus dem Publikum wurde jede Menge Protest deutlich. „Mein Opa hat Deutschland mit aufgebaut, mein Vater hat sich hier integriert und wir leben und arbeiten hier. Die Vielfalt macht es aus, dass das Land funktioniert“, monierte Yasim Fidan, Vertreter der Ditib-Jugend Rosenheim. Er sieht die Gefahr von Volksaufhetzung und fürchtet die bereits jetzt immer weiter zunehmenden Brandanschläge auf Moscheen oder türkische Geschäfte in Deutschland. Auch wenn es soweit in Rosenheim noch nicht ist, Sprühattacken gegen Moscheen hat es auch hier schon gegeben, wie Yasim erzählt: „Die muslimische Jugend hat Angst, dass sie nicht akzeptiert wird.“
„Bayern ist bunt, Bayern ist vielfältig.“
Mary Fischer
Als „kontraproduktiv“ sieht auch Mary Fischer von den Freien Wählern die Äußerung Seehofers. Die Religionslehrerin fordert Islam-Unterricht an Schulen, allerdings von in Deutschland ausgebildeten Lehrern: „Bayern ist bunt, Bayern ist vielfältig. Bayern hält das aus.“
Britta Promann, Kandidatin der SPD, sieht es als überaus bedenklich, dass laut einer Studie der Ludwig-Maximilians-Universität 56 Prozent der Bayern kritisch gegenüber dem Islam und Muslimen eingestellt sind und forderte alle auf, doch einmal eine Moschee zu besuchen. „Die Menschen sind weltoffen und es ist positiv, was aus unterschiedlichen Kulturen zu uns kommt“.
Hartl Hinterholzer von den Grünen betonte: „Der Islam gehört zu Deutschland, nicht die Islamisten. Die Religionsfreiheit ist im Grundgesetz verankert.“ Mit Blick auf Politiker meint er: „Man darf die Angst nicht schüren. ‚Fürchtet euch nicht‘, sagte schon Jesus“. Allerdings gehören Leute, die den Sozialstaat ausnutzen, ebenso wie Deutsche bestraft.
Am Ende des diskussionsreichen Abends durften die Besucher Favoriten küren. Laut den Jugenddelegierten hat sich am besten der Grünen-Vertreter geschlagen, gefolgt von SPD- und CSU-Kandidaten, knapp vor der Freien Wählerin.
Im Anschluss an den rund zweistündigen offiziellen Teil diskutierten die Politiker, unter ihnen auch der Rosenheimer FDP-Landtagskandidat Michael Linnerer, rege weiter mit den Jugendlichen. Linnerer war der einzige Landtagskandidat im Publikum, der nicht als Partei auf dem Podium vertreten war.