Rosenheim – Viel gewichtige Prominenz gab den jungen Musikern die Ehre; enttäuscht dürfte aber wohl niemand den Saal verlassen haben. Die Phonstärken des Beifalls signalisierten unzweifelhaft das Gegenteil.
Drei spritzige Gags voraus: Die Percussion-Mannschaft unter Stephan Robens trat wahrhaft „Congastisch“ auf. Da standen zunächst nur die Instrumente in Reih und Glied, und auf der herabgelassenen Leinwand wurde per Video pentatonisch auf gestimmten Wasserflaschen geklöppelt. Plötzlich erschienen im Gänsemarsch die realen Spieler und mit dem letzten Schlag, punktgenau, saß jeder auf seinem Platz. Was dann rhythmisch abging, entzieht sich schlichtweg der Beschreibung.
Der Oberstufenchor dagegen ließ über das Publikum einen elementaren „Parkplatzregen“ niedergehen, angeheizt von Edith Kaltenbrunner, der temperamentvollen, dabei auf Feinarbeit bedachten Leiterin. Die Zuhörer durften „prasselnd“ mitagieren. Trotz Blitz und Donner hieß es letztendlich: Ende gut, alles bestens! Auch das erste Lied entpuppte sich als Schlitzohrigkeit: Wer den Titel „Do Ge Da Ja“ zunächst als Häufung von Tonsilben missverstand, überriss dann schnell, dass da eine witzige „boarische“ Performance über die Bühne ging.
Vor den musikalischen Schwergewichten wollen wir den Scheinwerfer noch auf die reizvollen Petitessen richten: Christiane Kneer betreut die „Rosenheimer Zauberflöten“; die brachten Tschaikowskys „Zuckerfee“ glitzernd zum Tanzen. Das Cello-Ensemble unter Daniel Kneer würzte den „Walzer“ von Schostakowitsch mit sonorem Sentiment. Und wieder lauschte man entzückt dem Volksmusik-Ensemble, den „Goldhirschen 2.0“ unter der pfiffigen Leitung von Martin Anetzberger. Umwerfend der „Maxglaner mit Schuss“. Das Alpenländische driftete überraschend ins Jazzige und Orientalische ab.
Korbinian Wünsche erhält Sozialpreis
Integriert ins musische Geschehen war die Verleihung des Sozialpreises des Elternbeirats durch Thomas Tramp an Korbinian Wünsche (Q12), der sich seit einigen Jahren ehrenamtlich als Mentor und Gruppenleiter für Konfirmanden engagiert.
„Wo man singt, da laß dich ruhig nieder…“ – schon angesichts dieser volksmundigen Aufforderung war es eitel Wonne den Chören zu lauschen! Der Unterstufenchor, behutsam und sensibel von Stefan Unterhuber geführt, sang melodisch und frisch Lieder und Kanons, in denen vom Wasser die Rede war. Chorleiter Wolfgang Gahabka entführte seine Mittelstufensänger in die effektvollen Gefilde der Filmmusik, zum Teil von routinierten Instrumentalisten begleitet. Innerhalb des Oberstufenchors lockte das „Profilfach Vokalensemble Q12“ mit „Seasons of love“, garniert von Klavier und Percussion.
Mit unglaublicher Energie, absoluter Präsenz und wendiger, transparenter Stabführung hielt Susanne Mette die Heerscharen ihrer beiden Orchester-Formationen fest im Griff. Das „Junge Sinfonische Orchester“ eröffnete den ersten Abend mit Edward Elgars berühmtem „Pomp and Circumstances“, einem Reißer, durch den der britische Komponist trotz Brexit ewig bei uns Heimatrecht haben dürfte.
Die Streicher griffen beherzt zu: Die Bögen glitten munter von der Spitze bis zum Frosch (und retour) – ein Anblick, der nicht nur dem Geigenlehrer das Herz höherschlagen lässt. Volltönend dominierten jedoch Bläser und Schlagzeug, unverzichtbare Zutat im Klangbild, um dem „Pomp“ den richtigen Nachdruck zu verleihen.
Das eigentliche „Symphonieorchester“ trat zunächst in dienender Funktion auf. Das Sagen hatte die Kontrabass-Solistin Ana Herrlein, die beherzt ihr riesiges Instrument in einem italienischen Konzertsatz zum Klingen brachte. Mozarts Doppelkonzert für Flöte und Harfe gab den beiden Solistinnen Nina Heuser und Andrea Strasser Gelegenheit, nicht nur ihre Virtuosität, sondern auch ihre rhythmische Sattelfestigkeit unter Beweis zu stellen.
Dann setzte man noch eins drauf mit Brahms‘ „Akademischer Festouvertüre“. Die vom Komponisten eingestreuten Zitate einst populärer Studentenlieder entführten uns in ferne Vergangenheiten, als die trinkfeste, unbekümmerte „alte Burschenherrlichkeit“ noch Trumpf war.
Big Band geleitet von Wolfgang Gahabka
Am zweiten Abend durfte zunächst Philipp Kesmaki seine brillanten Geigenkünste unter Beweis stellen, dann wagte sich das Symphonieorchester gar an Benjamin Brittens unsterblichen „Orchesterführer für junge Leute“. Die Variationen, in denen die Klangfarbe der einzelnen Instrumente vorgeführt wurde, sind von gläserner Durchsichtigkeit und fragiler Konsistenz: Da zeigte sich, dass die jungen Musiker wirklich mit allen Wassern gewaschen sind!
Ein großes, stimmgewaltiges Ensemble war auch die von Wolfgang Gahabka geleitete Big Band. Dennoch blieb die Lautstärke immer in bekömmlichem Rahmen, sodass der Sound sein Aroma voll entfalten konnte. Der Charme dieser nun schon nostalgisch anrührenden Melodien ist in seiner Weise unübertroffen. Als „Primus inter pares“ führte der Klarinettist Tobias Walter (Q12) den Reigen der vielen Einzel-Soli an und schwelgte geradezu in einer auf die Zuhörer überspringenden Glenn-Miller-Seligkeit: „Moonlight Serenade“! In „Mack the Knife“ von Kurt Weill entführte Stefan Michael (Q12) mit Hut und verwegenem Gesang gar in zwielichtige Milieus.
Auch Stephan Robens gab mit dem begleitenden Kammerorchester drei Solisten die Gelegenheit, im Rampenlicht zu stehen: Tim Lehmann sang mit kultivierter und geschulter Stimme eine Arie aus Mozarts „Bastian und Bastienne“, Henrike Höpfner ließ im G-Dur Violinkonzert desselben Komponisten ihr Instrument schwebend-leicht und mit stupender Technik erklingen. Ein großes Talent! Und der phänomenale Lucas Mathäser widerlegte in einem Violakonzert des frühklassischen Franz Anton Hoffmeister sämtliche diskriminierenden Bratschenwitze! Abschließend durfte sich das Kammerorchester ohne übergeordneten Solisten in einer Mozart-Sinfonie wieder freispielen und alle Tugenden der Interaktion, der klanglichen Homogenität und einer präzisen Musizierlust unter Beweis stellen.
Je später der Abend: In einem selbstverfassten Song des Dankes ließen die scheidenden Abiturienten – gespickt mit liebevollen Spitzen – ihre Musiklehrer Revue passieren. In dieser Stimmung eines herzlichen Wohlwollens verließ jeder Besucher und Musicus (männlich wie weiblich) dieses pralle Konzert.