Der heutige Aktionstag für die ältere Generation macht auf die Belange der Senioren aufmerksam. Welches Thema beschäftigt die älteren Bürger in Rosenheim besonders?
Den Senioren macht zu schaffen, dass sie keinen bezahlbaren Wohnraum mehr finden. Viele Senioren haben Ängste, wenn sie in ein Alten- oder Pflegeheim müssen. Vor allem wenn sie alleinstehend sind, quälen sie die Fragen: Was kommen für Kosten auf sie zu und wer bezahlt das? Viele fürchten sich vor dem medizinischen Dienst wegen der Beurteilung der Pflegekassen. Auch beschäftigt die älteren Bürger die Frage: Wie bin ich weiterhin mobil – vor dem Hintergrund hoher Kosten bei Busfahrten. Abends und an Feiertagen fährt in Rosenheim oft gar kein Bus.
Ein Tag Aufmerksamkeit reicht natürlich nicht aus. Täuscht der Eindruck, dass es trotz der demografischen Entwicklung nach wie vor schwer ist, den Belangen der Senioren den Stellenwert zu geben, der ihnen gebührt?
Nein, der Eindruck täuscht nicht. Der Stellenwert der Senioren ist nicht gut. Die vorherrschende Meinung ist nach wie vor oft: „Die sind doch alt und die brauchen nichts mehr.“
Bayerns Sozialministerin Kerstin Schreyer setzt sich zum heutigen Tag der älteren Generation dafür ein, dass Senioren den digitalen Fortschritt mehr für sich nutzen – ein guter Ansatz?
Der digitale Fortschritt ist für Ältere in der Tat sehr wichtig. Das Internet bietet enorme Kommunikationsmöglichkeiten. Nur: Wer soll das bezahlen – etwa die Gebühren und die Anschaffung der PC oder Laptops. Hier sollte es die Möglichkeit geben, einen Zuschuss zu erhalten. Denn die Renten reichen teilweise vor allem bei Frauen gerade dafür aus, dass sie überleben können. Außerdem müssten günstige Computerkurse angeboten werden.
Hätten Sie heute am Tag der älteren Generation einen Wunsch frei, wie würde dieser aussehen?
Ich würde mir wünschen, dass die Mobilität in der Stadt und auf dem Lande stark verbessert wird. Natürlich müssen die Seniorinnen und Senioren dann auch mitmachen und alle Mobilitätsangebote nutzen, die Städte und Kommunen anbieten.
Interview: Heike Duczek