Rosenheim – Im Romed-Klinikum gibt es schon seit mehreren Jahren einen privaten Sicherheitsdienst – allerdings bisher nur für die Herbstfest- und Starkbierzeit. Eine Sicherheitskraft ist während dieser Zeiten von 21 Uhr abends bis 3 Uhr des Folgetages in der Notaufnahme präsent. Dabei geht es nicht nur darum, aggressive Patienten zu beruhigen, sondern auch darum, „das vermehrte Personenaufkommen, das mit solchen Festen verbunden ist, zu bewältigen.“ Aufgeregte Freunde oder Angehörige von Patienten können, so die Erfahrung der Notaufnahme, den Aggressionspegel erhöhen. Die Präsenz eines Wachmannes wirkt da Wunder.
An den Romed-Standorten in Bad Aibling, Prien und Wasserburg gibt es bis dato keinen Sicherheitsdienst. Eine Einführung ist laut Klinikverbund derzeit nicht angedacht.
Münchener Verhältnisse gibt es in der Region also noch nicht: In der Landeshauptstadt rüsten immer mehr Krankenhäuser wie die Uniklinik der LMU oder der Dritte Orden mit Wachdiensten auf. Denn die Aggressionen nehmen zu. Auslöser für Ausraster am Krankenbett oder in der Notaufnahme sind in der Regel Alkohol, Drogen oder psychische Störungen.
In einer psychischen Ausnahmesituation befand sich auch der 25-Jährige, der am Karfreitag im Romed-Klinikum ein Patientenzimmer demolierte, Geräte und Gegenstände zerstörte und einen Polizisten leicht verletzte. Der Randalierer wurde ins Inn-Salzach-Klinikum Wasserburg eingeliefert.
„Es handelt sich hier um einen Ausnahmefall“, ist die Klinikleitung überzeugt, „wir sind froh, dass bisher nichts passiert ist.“ Eine Ausweitung des Sicherheitsdienstes sei deshalb nicht geplant. Die Situation werde jedoch immer wieder analysiert und neu bewertet, bei Bedarf werde reagiert.
Beispiel: Das Romed-Klinikum hat in die technische Sicherheitsausstattung investiert. Mitarbeiter erhielten Sicherheitsschulungen, weitere Trainingsprogramme sind geplant. „Zu unterscheiden ist grundsätzlich, ob ein Patient sich aufgrund einer Erkrankung so verhält oder einfach nur randaliert, aus welchen Gründen auch immer“, betont Romed-Klinikpressesprecherin Elisabeth Siebeneicher.
Weitere Fluchttüren
im Bürgeramt
Ausraster renitenter Bürger gehören immer häufiger auch zum Alltag in Behörden. Die Sicherheitsvorkehrungen werden beispielsweise im Rathaus erhöht. „Vermehrt auftretende Bedrohungs- und Gefährdungssituationen“ nennt die Stadt als Grund, warum eine Arbeitsgruppe ein neues Schutzkonzept für die Mitarbeiter erarbeitet hat. Beim Umbau des Bürgeramts werden erstmals Maßnahmen daraus umgesetzt: Unter anderem lässt die Stadt weitere Fluchttüren einbauen. Sie ermöglichen Bediensteten, sich schnell aus Gefahrenzonen zurückzuziehen.
Im Landratsamt Rosenheim sind seit Beginn der Flüchtlingsregistrierung aufgrund des stark erhöhten Parteienverkehrs zwei Sicherheitskräfte vor Ort – eine Präsenz, die sich auszahlt. Die Sicherheitslage zeigte sich vor allem in den vergangenen Monaten sehr stabil, berichtet die Pressestelle.
Die PCs von Mitarbeitern in Ämtern mit viel Besuch können nach Informationen von Pressesprecherin Ina Krug mit einer computergestützten Alarmierung per Tastenkombination ausgestattet werden. Ein Click – und die Pforte sowie der Sicherheitsdienst werden informiert, in welchem Raum es Probleme gibt. Die Mitarbeiter im Landratsamt werden bei Bedarf außerdem geschult. Seminare vermitteln, wie Konflikte deeskaliert werden und was zu beachten ist, wenn Besucher ausrasten.