Personalpolitik in der Diskussion

Marke vorerst ohne Marketing

von Redaktion

PEK lautet die Abkürzung, die im Rathaus für Aufregung gesorgt hat. Kein Wunder: PEK steht für Personaleinsparkonzept. Das war 2017 notwendig, weil alle Verwaltungsbereiche den Rotstift ansetzen mussten. Jetzt wurden die Einsparungen „bis auf Weiteres ausgesetzt“. Doch eine wichtige Stelle ist unbesetzt: das Stadtmarketing.

Rosenheim – Einen Aufschrei habe es gegeben, große Verwirrung kam hinzu, bedauerte Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer im Haupt- und Finanzausschuss angesichts der Debatten um das Personaleinsparkonzept. PEK: Das sei ein unsäglicher Begriff, räumte Bauer ein. Doch im vergangenen Jahr habe auch die Personalwirtschaft einen Beitrag zur Haushaltskonsolidierung leisten müssen. Deshalb sei ein Konzept zu Einsparungen, Um-, Nach- und Neubesetzungen – hausintern und extern – entwickelt worden.

In schweren Zeiten „auf Eis gelegt“

Eine Stelle, die nach dem Weggang von Christian Ehinger vakant ist: das Stadtmarketing. Es hatte 2017 außerdem eine Budgetkürzung um knapp ein Drittel hinnehmen müssen.

Schon in der Jahreshauptversammlung des Vereins City-Management e.V. hatte Vorsitzender Paul Adlmaier scharf kritisiert, das Stadtmarketing sei auf Eis gelegt worden – ausgerechnet in besonders schwierigen Zeiten des stationären Einzelhandels.

Die Aufgaben des Stadtmarketings waren organisatorisch zuletzt in der städtischen Veranstaltungs- und Kongress GmbH (VKR) untergebracht. Die Stelle muss nicht nur neu besetzt werden, auch eine Neustrukturierung steht anscheinend an. „Wir müssen sehen, ob wir einen geeigneten Kandidaten intern oder extern finden“, deutete die Oberbürgermeisterin an, dass die Neubesetzung eventuell schwierig werde.

Zügig müsse die Lücke geschlossen werden, die durch den Weggang von Ehinger entstanden sei, forderte SPD- Fraktionsvorsitzender Robert Metzger. „Wir streichen nicht, wir setzen nicht aus, wir machen uns Gedanken“, beruhigte Bauer in öffentlicher Sitzung, an der als Zuhörer auch City-Managerin Sabrina Obermoser, die Vorsitzende des Einzelhandelsverbandes, Maria Reiter, und der Sprecher der Interessengemeinschaft Aicher Park, Hans Schussmann, teilnahmen.

CSU-Fraktionsvorsitzender Herbert Borrmann warf Metzger angesichts dessen Forderungen vor, im „Wolkenkuckucksheim“ zu wohnen. Nur weil sich die Haushaltslage wieder beruhigt habe, heiße das nicht, dass wieder genügend Geld zum großzügigen Ausgeben vorhanden sei. Deshalb müsse die Frage erlaubt sein, ob die Stelle des Stadtmarketings wieder eins zu eins ausgeschrieben werden könne. Borrmann sieht die Notwendigkeit, die vielen Interessenvertreter und Verbände, die sich um die Zukunftssicherung des Einzelhandels und um den Erhalt einer lebendigen Innenstadt bemühen, zu bündeln, kurzum: sich effektiver aufzustellen und besser zu vernetzen.

Franz Lukas, Fraktionsvorsitzender der Grünen, betrachtet das Stadtmarketing jedoch als Schlüsselposition. Wichtig sei eine Besetzung, um eine Brücke zwischen Verwaltung, Politik und Verbänden zu schlagen. Lukas sieht jedoch auch noch woanders Handlungsbedarf: Eine ähnlich wichtige Aufgabenstellung sei die des Klimamanagers. Die bis Ende 2018 befristete Stelle müsse ebenfalls besetzt bleiben, forderte er.

Die Stadtverwaltung gab jedoch nur bekannt, der ursprünglich bis 2020 als notwendig erachtete Beitrag der Personalwirtschaft zur Haushaltskonsolidierung werde bis auf Weiteres ausgesetzt. Da die Kommune sich jedoch bei der Haushaltsverabschiedung den Schuldenabbau langfristig auf die Fahnen geschrieben habe, bleibe es bei der Verpflichtung, auch in der Personalpolitik den Grundsatz der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit zu beachten, so die Verwaltung.

IG Aicher Park: „Visitenkarte der Stadt“

Die Interessengemeinschaft Aicher Park hat in einem Schreiben an den Haupt- und Finanzausschuss auf die Notwendigkeit hingewiesen, das Stadtmarketing nachzubesetzen. „Stadtmarketing ist die Visitenkarte einer Stadt“, heißt es dort. Für die Präsentation und Vermarktung sei die Stelle und Rolle des Stadtmarketings unverzichtbar.

In der Region würden viele Städte in puncto Stadtmarketing eher aufrüsten und zusätzliches Personal einstellen, um die Aufgaben konzentriert und kompakt zu sichern.

„Rosenheim als Oberzentrum ist jetzt schon Verlierer“, bedauert der Sprecher der Interessengemeinschaft Aicher Park, Hans Schussmann. Das neue Einzelhandelsentwicklungskonzept zeige massiven Handlungsbedarf auf. Die Stärkung der Einkaufsstadt sei nicht nur Chefsache, sondern betreffe alle. „Verantwortung übernehmen und nicht Aufgabennegierung ist hier die Maxime“, so Schussmann. Die Stadt habe in den vergangenen Jahren deutlich im Wettbewerb mit den Umlandgemeinden verloren. Die Besucherfrequenz sei rückläufig, die Zentralitätskennziffern würden fallen. Die finanzielle Ausgestaltung des Stadtmarketings sollte in diesen schwierigen Zeiten eine Selbstverständlichkeit sein, finden die Mitglieder der Interessengemeinschaft Aicher Park. Es gehe darum, die Marke Rosenheim zu stärken.

Tourismus, Gastronomie, kulturelle Einrichtungen und Vielfalt sowie Förderung der Einkaufsstadt Rosenheim würden zu den Kernthemen des Stadtmarketings gehören. „Die Wirtschaftsorganisationen und ihre Gruppierungen leisten Großartiges, um die Vielfalt der Stadt in Szene zu setzen. Ohne zentrale Verankerung und ohne zentralen Ansprechpartner in der Stadt funktioniert die Vermarktung nicht befriedigend“, ist die IG Aicher Park überzeugt.

„Gerade die geringe Finanzausstattung des Stadtmarketings in der Vergangenheit war unzureichend für eine erfolgversprechende Arbeit und Zusammenarbeit.“ Die IG appelliert an die Entscheidungsträger, nicht nur für den Erhalt des Stadtmarketings zu stimmen, „sondern die Mindestanforderungen an die Hausaufgaben einer Stadt im Wettbewerb zu berücksichtigen“.

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