In alten Zeitungsbänden geblättert

„NotstanddrohtdurchNotstandsgesetze“

von Redaktion

Ein Blick zurück in die Vergangenheit sagt viel über die Entwicklung einer Stadt und die Sichtweise früherer Generationen. Vieles wiederholt sich in verblüffender Weise. Wir haben deshalb in alten Zeitungsbänden geblättert und präsentieren in unregelmäßigen Abständen die interessantesten Dinge aus bestimmten Jahren. Heute geht es um die Zeit vom 7. bis 20. Mai.

Rosenheim – „Herabsetzung der Fleischration. Es wurde dem Versorgungsberechtigten zustehende Wochenkopfmenge vom 13. Mai 1918 ab von 250 Gramm Fleisch mit eingewachsenen Knochen auf 200 Gramm herabgesetzt. Zur Vervollkommnung der Einsparung wurde angeordnet, dass Kinder unter zwei Jahren vom 13. Mai des d. J. ab keine Fleischkarten erhalten. Kinder von 2-6 Jahren erhalten nach wie vor die halbierte Fleischkarte.“

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„Nach einer Bekanntmachung des stellv. Gen.Kd. ist künftig die Veranstaltung von hypnotischen Vorträgen und Vorführungen in öffentlichen und geschlossenen Versammlungen und die Teilnahme daran verboten. Dieses Verbot gilt nicht für Vorführungen und Vorträge in Versammlungen von Aerzten, dagegen dürfen auch Aerzte in Laienversammlungen solche Themen nicht behandeln. In der letzten Zeit wurde mit hypnotischen Experimenten viel Schwindel getrieben, besonders wurden vielfach die Geister von Gefallenen zitiert.“

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„Was schon lange in der Luft lag, von den maßgebenden Stellen bisher aber bestritten wurde, ist nunmehr doch eingetreten: Der kürzlich angeordneten Kürzung der Fleischmenge ist eine Herabsetzung der Brotration auf dem Fuße gefolgt. Das Kriegsernährungsamt hat angeordnet, daß vom 16. Juni an die tägliche Mehlmenge von 200 auf 160 Gramm herabgesetzt wird.“

„Gewaltige Fortschritte macht der Stadionbau des TSV 1860 Rosenheim. Die Arbeiten verlaufen planmäßig. Das Spielfeld und die sechsbahnige Aschenbahn wurden abgetragen und mit Kies aufgefüllt. Hunderte von Dränage-Rohren, die Lichtleitungen für sämtliche Beleuchtungsanlagen sowie die Spielfeldumrandung wurden bereits verlegt. Bis Ende Mai wird das ganze Spielfeld mit Humus anplaniert sein und mit dem Ansäen für den Rasen kann begonnen werden. Der Platz muß dann ruhen, während der weitere Ausbau des Stadions Zug um Zug weitergeht.“

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„Zum 300jährigen Bestehen und Patroziniumsfest wird sich die Filialkirche in Westerndorf bei Pang in einem schmucken Gewand präsentieren. Deshalb wurde die Kirche mit dem Turm eingerüstet. Man hat festgestellt, daß Spechte im Laufe der Jahre ein Drittel der Holzschindeln an der Turmzwiebel beschädigt haben.“

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„ ,Der Feind steht rechts‘, ,SPD und CSU, läßt das Grundgesetz in Ruh‘, ,Notstand droht durch die Notstandsgesetze‘ – so lauteten einige der Aufschriften auf den Tafeln und Transparenten, die schon einige Zeit vor Beginn der als ,Informationskundgebung gegen die Notstandsgesetze‘ deklarierten „Versammlung auf dem Max-Josefs-Platz auftauchten.

Veranstalter waren der Allgemeine Studentenausschuß des Holztechnikums und der Deutsche Gewerkschaftsbund München. Rund vier Fünftel der über 400 Teilnehmer an der Kundgebung waren junge Leute.

Das Ziel dieser Kundgebung, so erläuterte AStA-Vorsitzender Peter Horváth-Mohácsi, sei es, vor der zweiten Lesung der Notstandsgesetze die Bevölkerung über den Inhalt dieser Gesetze aufzuklären. Das Parlament und die Volksvertreter hätten ihre Informationspflicht bisher vernachlässigt.“

„ ,Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich mein eigenes Zimmer und kann alleine sein, wenn ich möchte‘, sagte eine der 60 Behinderten bei der gestrigen Einweihung des Emmy-Schuster-Hauses in der Aventinstraße. ,Die für 18,7 Millionen Mark erbaute Wohnstätte ermöglicht geistig behinderten Menschen, möglichst selbständig ihr eigenes Leben zu gestalten‘, so der Heimleiter Andreas Burlefinger. Durch die zentrale Lage des Projekts mitten in Rosenheim würden Bewohner mehr unternehmen können und sich stärker in die Bevölkerung integriert fühlen.“

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„Das Jahrhundertvorhaben des TSV 1860 hängt wie ein Mühlstein am Hals der Verantwortlichen: Die Aussiedlung der Sportanlagen. Das, was der Nachbar, der Sportbund DJK, inzwischen bereits abgehakt hat, muß nun der TSV 1860 durchsetzen. In der 133. Jahreshauptversammlung zog sich wie ein roter Faden durch die Abteilungsberichte die Klage über unzureichende, katastrophale Trainingsvoraussetzungen, in Hallen, Bädern und Freianlagen. Anstatt aufmunternder Zuspruch und Beistandsangebote schlugen dem Vorsitzenden Adolf Dinglreiter Vorwürfe über den ,erbärmlichen Zustand‘ des Stadions an der Jahnstraße, Zweifel an seinen Terminvorstellungen und heftige Vorwürfe an die Adresse des Grundstückseigentümers beim ,Bauern in der Au‘ entgegen, wo das neue Sechziger-Sportzentrum entstehen soll.

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„In diesem Kindergarten können sich Kinder wirklich wohlfühlen“, sagte Oberbürgermeister Dr. Michael Stöcker gestern beim Richtfest des Kindergartens Heilig Blut.´Im Herbst vergangenen Jahres wurde mit dem Bau begonnen. Die Malerin und Trägerin des Förderpreises der Stadt Rosenheim, Elisabeth Mehrl, hat die künstlerische Gestaltung übernommen.“

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„Welche Kosten entstehen, wenn der Rosenheimer Schlachthof unter privatwirtschaftlichen Gesichtspunkten betrieben wird? Die Firma Hilger und sechs Rosenheimer Metzger sind seit dem 1. April dabei, das herauszufinden. Zum 31. März hat die Stadt den Betrieb des kommunalen Schlachthofes eingestellt. Hohe Defizite und Forderungen im Rahmen der EG-Tauglichkeitsprüfungen, die nur mit großem Engagement zu erfüllen gewesen wären, führten zu dem Beschluß.“ re

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