Rosenheim – Es ist Tradition, dass sich im Frühjahr die Vertreter der christlichen Kirchen Rosenheims treffen, um gemeinsam ihre Projekte für das kommende Jahr zu planen. Nun trafen sich die Delegierten der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in der baptistischen Gemeinde am Innzipfel.
Die ACK ist ein 1948 gegründeter Zusammenschluss christlicher Kirchen in Deutschland. Zweck: Förderung der ökumenischen Zusammenarbeit und der Einheit der Kirchen.
Für die ACK Rosenheim war es diesmal eine besondere Tagung, denn die Teilnehmer beschlossen einstimmig eine neue Konfession in die Gemeinschaft aufzunehmen. Schon Ende des Jahres hatte ein kleiner Gemeindeverband der Mennoniten um einen Beitritt angesucht. Die Freude über das eindeutige Ergebnis war groß. „Für mich war das keine wirkliche Überraschung“, so kommentierte Vorsitzender Dr. André Golob von der alt-katholischen Kirche, „denn die Mennoniten sind schon seit längerem Mitglied im Ökumenischen Rat der Kirchen und auch in der ACK Bayerns“. Bei der mennonitischen Konfession handelt es sich um eine evangelische Freikirche, die auf die Täuferbewegung der Reformation zurückgeht. „Der Name leitet sich“, so hielt Verbandsvorsitzende Silke Brohl fest, „von dem aus Friesland stammenden Theologen Menno Simons ab. In Deutschland gibt es circa 40000 Mennoniten.“
Mit den Mennoniten hält neben der alt-katholischen, der baptistischen, der evangelisch-lutherischen und römisch-katholischen Kirche, nun eine fünfte Konfession Einzug in die lokale ACK. Darüber hinaus hat die Freie Evangelische Gemeinde Rosenheims dort einen Gaststatus. Der neu aufgenommene Verband besteht aus Gemeinden in Burghausen, Traunstein, Wasserburg und Bad Reichenhall. Damit will die ACK Rosenheim ein Zeichen setzen. „Es gibt in Südostbayern viele Gemeinden und Ökumenekreise, die aufgrund ihrer Lage keinem lokalen ACK angehören“, betonte Dr. Golob, „wir können uns vorstellen, unseren Arbeitskreis in Rosenheim auch für Interessierte aus dem weiteren Einzugsgebiet unserer Stadt zu öffnen und ihnen so eine Heimat zu bieten.“
Auf der Tagesordnung der Frühjahrssitzung stand auch ein Bericht zur Delegiertenversammlung der ACK Bayerns. Dr. Golob und Vorstandsmitglied Adi Bernegger von den Baptisten hatten gemeinsam an der Konferenz in Augsburg teilgenommen und berichteten durchaus kontrovers von ihren Erfahrungen. Im Zentrum stand die Auseinandersetzung mit dem charismatischen Christentum und der Pfingstbewegung. Nicht nur in freikirchlichen Kreisen, auch in der römisch-katholischen Kirche bekommen charismatische Strömungen ein immer größeres Gewicht. Immer mehr Menschen scheinen auf der Suche nach religiöser Erfüllung die althergebrachten Wege zu verlassen und nach neuen Möglichkeiten zu suchen.
„Ökumenisches Miteinander bedeutet Einheit in der Vielfalt“, darauf wies denn auch Dr. Golob hin. Dennoch empfahl der Pfarrer bei aller Toleranz und Offenheit auch einmal einen kritischen Blick zu wagen. Die Versammlung endete mit einer ökumenischen Bibelarbeit als gemeinsamer spiritueller Impuls.re