Rosenheim – In einigen Bereichen Bestnoten, in anderen ausbaufähig – so fällt die Bilanz von Robert Kopp, Präsident des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, zur Kriminalitätsstatistik für die Stadt Rosenheim aus, die Vertreter von Polizei und Stadt jüngst im Rathaus präsentierten. Die wichtigste Nachricht vorweg: Die Zahl der Straftaten rangierte im vergangenen Jahr auf dem niedrigsten Stand seit 2009 (wir berichteten). Für Kopp nicht allein Verdienst der Polizei. „Das ist das Gesamtergebnis mehrerer Player, darunter auch die Stadt und andere Blaulichtorganisationen.“
An ausländerrechtlichen Delikten, wie illegale Einreisen, registrierte die Polizei im Stadtgebiet 5233 Straftaten. Das entspricht einem Rückgang von 10,8 Prozent, der vor allem mit rückläufigen Migrationszahlen zu erklären sei. Auch bereinigt um ausländerrechtliche Delikte lesen sich die Zahlen positiv: 5162 Straftaten, 7,9 Prozent weniger als im Vorjahr.
Tatverdächtig waren im vergangenen Jahr 2627 Personen. Davon waren 43,6 Prozent, also knapp die Hälfte, Nichtdeutsche. „Das ist ein überproportional hoher Anteil“, sagte Kopp. Der ist allerdings nicht zuletzt der Nähe zur Grenze geschuldet.
Überhaupt sind die Rosenheimer weniger kriminell, als es auf den ersten Blick erscheinen mag: Der Großteil der Tatverdächtigen, 1347 an der Zahl, ist nämlich nicht in der Stadt wohnhaft. Von viel „importierter Kriminalität“ sprach der Polizeipräsident. Das sind übrigens nicht die Österreicher“, scherzte Kopp.
Geringfügig abgenommen hat, wie berichtet, die Aufklärungsquote. Um 0,4 Prozent auf 66,4 Prozent. „Der Wert liegt minimal unter dem Präsidiumsdurchschnitt. Dennoch stellen wir zwei von drei Tätern fest.“ Abgenommen hat auch die Häufigkeitszahl, also diejenige Kennziffer, die die Wahrscheinlichkeit ausdrückt, Opfer einer Straftat zu werden: Sie sank von 9065 auf 8237 Delikte pro Jahr, bezogen auf 100000 Einwohner. Auch in dieser Statistik steht die Stadt schlechter da als der präsidiale Durchschnitt. Dieser Vergleich hinkt allerdings, denn für Städte gelten andere Einflussfaktoren als für Dörfer: „Rosenheim ist sicherer als vergleichbare Städte“, so Kopp.
Der Anteil der Zuwanderer unter den insgesamt 2627 Tatverdächtigen habe bei 356 gelegen: knapp 14 Prozent. Laut Polizeivizepräsident Harald Pickert müsse man in Relation zu dieser hohen Zahl jedoch die Tatsache sehen, dass junge Männer einen Großteil der Zuwanderer ausmachen. Zudem lebe ein Teil auch nicht in Rosenheim. „Die Zuwanderer sind sehr mobil“, bestätigte Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer.
Ansonsten berichtete Kopp in Sachen Asyl von konstanten Zahlen. 169 Einsätze hätten die Beamten im vergangenen Jahr in Unterkünften durchgeführt. Das Spektrum der Delikte habe sich von der einfachen Ruhestörung bis hin zu massiven Tätlichkeiten erstreckt. „Einige Zuwanderer haben zum Teil völlig andere Konfliktlösungsstrategien als wir“, erklärte Kopp. Die Begehung von Unterkünften, das betonte der Polizeipräsident, führe man nicht durch, um die Bewohner zu diskriminieren. „Wir machen das, weil einige Menschen in der Unterkunft vor anderen geschützt werden müssen.“
Den neuen sicherheitspolitischen Weg der Landesregierung, darunter auch die Einführung einer bayerischen Grenzpolizei, bezeichnete Kopp als zukunftsorientiert. Das zeigten nicht zuletzt die Ermittlungserfolge der Schleierfahnder. Und auch die Gesetzesänderung zum Schutz von Rettungskräften begrüßte Kopp. Denn: „Es kann nicht sein, dass Menschen angegangen werden, die anderen helfen.“
Zu den Bereichen, in denen die Polizei noch besser werden will, zählt unter anderem der Einbruchssektor. Die Zahl der Wohnungseinbruchsdiebstähle hat im vergangenen Jahr um 60 Prozent zugenommen. Beinahe jedes zweite Mal blieb es allerdings beim bloßen Versuch. „Die Täter wurden durch Sicherheitsvorkehrungen abgeschreckt“, erklärte Pickert. „Das ist ein Indiz dafür, dass sich Prävention lohnt.“
Rauschgiftdelikte auf Zehn-Jahres-Hoch
Nachdenklich stimmt Kopp die Entwicklung in Sachen Rauschgiftkriminalität. 418 Delikte sind der absolute Höchststand der vergangenen zehn Jahre. Zwar handele es sich um ein Kontrolldelikt, das heißt: je mehr Kontrollen, desto mehr Delikte. Dennoch konsumierten immer mehr Menschen immer mehr verschiedene Substanzen. Allen voran Cannabis-Produkte. „Das ist schon bemerkenswert“, sagte Kopp. „Wegen der öffentlichen Diskussion (Anmerkung der Redaktion: zum Thema Legalisierung) nimmt das Konsumverhalten zu.“ Die Polizei werde weiterhin Prävention betreiben und ihre Position vertreten.
Erfreulich sind die Zahlen den Straßenverkehr betreffend: insgesamt weniger Unfälle und weniger Verletzte. Zugenommen hätten jedoch die Schulweg- und Fahrradunfälle. „Daran werden wir weiter arbeiten“, sagte Kopp. Genauso wie an der Verfolgung der Auto-Poser-Szene. Diese sei „sehr beratungsresistent.“ Acht Strafanzeigen hätten die Ermittlungs- und Überwachungstätigkeiten der Polizei bereits nach sich gezogen. „Es wird keine Toleranz geben“, sagte Kopp.