Rosenheim – Das Urteil der Jury war nach zwei Sitzungen trotz zwölf „durchweg sehr guten Arbeiten“ einstimmig ausgefallen: Der erste Preis geht an das Büro SPP Sturm, Peter + Peter aus München und den Landschaftsarchitekten Wolfgang Ritz. Peter + Peter: Das ist in Rosenheim ein bekannter Name, denn das Büro hat bereits zum zweiten Mal in der Stadt einen Wettbewerb gewonnen. Christine und Christian Peter zeichnen auch für die eindrucksvolle Architektur des Bürgerhauses Happing verantwortlich.
Ihr Entwurf für die Lena-Christ-Straße, wo derzeit die alten Wohnblöcke für die Neubauten abgerissen werden, sieht nach Angaben der Preisrichter Helmut Cybulska, Baudezernent der Stadt, und Peter Schweiker, Architekt aus Rosenheim, eine kompakte fünfgeschossige Blockbebauung vor. Zur Westerndorfer Straße soll sie leicht zurückgesetzt werden, um die Baumallee in ihrer Wirkung nicht zu schmälern. Die vier U-förmigen Baukörper öffnen sich mehrfach nach außen, bilden im Innern einen großen und kleinere Höfe samt Grünflächen. So könnte einerseits eine bauliche Einheit mit einem Gemeinschaftsgefühl entstehen, die sich andererseits jedoch nicht von der Umgebung abschotte, sondern zur Nachbarschaft öffne, erläuterten Cybulska und Schweiker. Im Entwurf der Siegerarbeit von Peter + Peter orientieren sich alle Wohnungen nach außen und innen, zum Teil mit vorgelagerten Treppenhäusern. Eine Herausforderung, die zu lösen war: der Lärmschutz hin zur vielbefahrenen Westerndorfer Straße. Im Fokus des Siegerentwurfs steht ein Hochpunkt: ein Gebäude, das acht statt fünf Geschosse aufweist.
Dem Konzept ist es nach Überzeugung von Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer sehr gut gelungen, den Geschosswohnungsbau auf relativ engem Raum mit hoher Qualität zu verbinden. „Ich bin überzeugt: Sozialen Frieden gibt es nur in einer Stadt, wenn sich die Menschen, die hier wohnen, wohlfühlen“, so Bauer.
GRWS-Geschäftsführer Stefan Ludwig sah dies genauso: Nicht nur die Siegerarbeit, alle elf weiteren Wettbewerbsbeiträge hätten die Wertschätzung der Architekten für das neue Wohnquartier deutlich zum Ausdruck gebracht. Hier entstehen, wie berichtet, 200 Mietwohnungen – zur Hälfte frei finanziert, zur Hälfte öffentlich gefördert.
Das Grundstück hatte die GRWS durch einen Tausch mit dem Freistaat erhalten. Aufgegeben wird die Bogensiedlung, auf deren Areal die Hochschule erweitern und einen geschlossenen Campus entwickeln kann. Deshalb besuchte auch Präsident Professor Heinrich Köster die Präsentation des Wettbewerbsergebnisses. Mit dem neuen Wohnquartier steht und fällt die Weiterentwicklung der Hochschule.
Die 270 wegfallenden Wohnungen an der Bogensiedlung können an der Lena-Christ-Straße nicht komplett ersetzt werden. Doch mit den Bauvorhaben am Mitterfeld und auf der Baywa-Wiese erreiche die kommunale Wohnungsbau- und Sanierungsgesellschaft unter dem Strich wieder ein Wohnungswachstum.
Das ist dringend vonnöten in Rosenheim, betonte die Oberbürgermeisterin, die angesichts der Wettbewerbsergebnisse von einem „besonderen Moment“ für die Stadt sprach. Die komplexe Aufgabenstellung, ein neues Wohnquartier zu entwickeln, das sich in den gewachsenen urbanen Raum einfügt, hatte zwölf renommierte Architekturbüros interessiert. Platz zwei ging an Delaossaa Architekten, München, Platz drei an Felix + Jonas Architekten, ebenfalls aus der Landeshauptstadt.
Der GRWS-Aufsichtsrat ist nicht an den Siegerentwurf von Peter + Peter gebunden. Die Entscheidung geht – vermutlich noch vor der Sommerpause – in den Bauausschuss des Stadtrates, der das letzte Wort hat. Baubeginn soll 2020 sein.