Rosenheim – „Warum fahrt ihr nach Sindlhausen? Die berittene Polizei ist doch in Mintsberg!“, wurde unser Lehrer im Vorfeld ständig gefragt. Wie wir, das ist die Klasse 4c der Astrid-Lindgren-Schule, jetzt wissen, ist die Rosenheimer Pferdestaffel nach Sindlhausen umgezogen. Dort wird gerade der Neubau mit viel Platz für Pferde und Reiter vollendet.
Als wir aus dem Bus ausstiegen, fühlten wir uns sofort ein bisschen wie im „Wilden Westen“. Die Polizisten hatten zwar Polizeiuniformen an, aber auch Reiterstiefel mit Sporen. Diese sind nicht dazu da, den Pferden weh zu tun, sondern um sie anzutreiben. Das Quartier der berittenen Polizei, das man auch „Saloon“ nennen könnte, ist mit Lassos, Cowboyhüten und gemütlichen Holzbänken mit Schaffellen ausgestattet. Hier können die fünf „Polizeicowboys“ von Rosenheim essen, quatschen und sich zusammen mit ihrem Kater Jonny, der bei unserem Besuch ständig von Tisch zu Tisch huschte und sich streicheln ließ, ausruhen. Außerdem gibt es am neuen Standort einen sehr schönen, gemütlichen und hellen Stall mit großen Pferdeboxen inklusive eigenem kleinen Garten sowie eine große Reit- und Trainingshalle, Außenreitplätze und sogar ein „Karussell für die Pferde“. Wenn die Polizisten mal keine Zeit zum Ausreiten haben, können sich die Tiere dort selbstständig bewegen. Den Pferden geht es dort sehr gut, denn sie werden gut behandelt und müssen nicht einen Einsatz nach dem anderen erledigen und deswegen haben sie auch Zeit für sich.
Bevor die Pferde im Alter von vier bis sechs Jahren ihre Ausbildung beginnen können, werden sie „Probe geritten“. Damit wird geprüft, ob das Tier Polizeipferd-Talent hat oder nicht. Nach der Grundausbildung kommen sie zu ihrem Polizisten, der dann mit ihnen ausreitet, trainiert, Einsätze bewältigt und sich um sie kümmert. Mit 20 Jahren ist Vulkan das älteste Pferd der Rosenheimer Reiterstaffel. Es ist immer noch im Dienst und die Polizisten berichteten, dass sie besonders gerne mit ihm reiten, weil Vulkan so viel Erfahrung hat und besonders gelassen ist. Besonders fasziniert hat uns das Training der Pferde. In der riesigen Halle lernen die Pferde ruhig und friedlich zu reagieren, wenn in der Öffentlichkeit jemand in eine Trillerpfeife bläst oder Ähnliches. Auf dem „Pferdespielplatz“ sahen wir, wie die Pferde von einem Gymnastikball angeschossen wurden, durch Plastikflaschen galoppierten oder direkt vor ihren Augen eine Fahne geschwenkt wurde. Trotzdem erschraken die Polizeipferde fast nie. Das Ziel dieses Aufwands besteht darin, den für ein Pferd natürlichen Fluchtinstinkt zu unterdrücken, der in der freien Wildbahn dafür sorgt, sie vor Feinden zu schützen. Dazu müssen auch die Reiter super ausgebildet sein, damit sie die Pferde schnell wieder unter Kontrolle bekommen, falls doch mal ein Tier scheut. Die Polizisten haben regelmäßig Reittraining und können super mit ihren Pferden umgehen.
Nur so ist es möglich, die vielfältigen Aufgaben und Einsätze zu meistern. Die Polizeipferde sind mit ihren Reitern fast täglich auf Streife unterwegs. Streife bedeutet, dass die Ordnungshüter mit den Rössern auf dem Land draußen rumreiten und dafür sorgen, dass alles in Ordnung ist, wie der Name Ordnungshüter schon sagt. Vielleicht trefft ihr sie zum Beispiel mal am Happinger See. Neben der Streife gibt es vier- bis fünfmal im Monat Extraeinsätze wie Eishockeyspiele, Demonstrationen oder größere Umzüge, die von der berittenen Polizei begleitet werden. So ein Polizist auf einem Pferd verschafft ganz schön Respekt, wenn man in der Nähe steht.
„Wir haben gesehen und gespürt, dass Ihr (Pferd und Reiter) euch blind vertraut und Eure Arbeit sehr gern macht. Bestimmt hatten bei unserem Besuch alle so viel Freude wie wir beim Zuhören und Zusehen. Vielen herzlichen Dank für den tollen Vormittag!“