Birgit Görmann verabschiedet sich als Jugenddiakonin

„Glauben alleine gewinnt keine Kinder“

von Redaktion

Sieben Jahre war Birgit Görmann Jugenddiakonin der evangelischen Kirche Rosenheim. Jetzt widmet sie sich einer neuen Aufgabe. Ihre offizielle Verabschiedung findet am Sonntag, 13. Mai, 11.15 Uhr, in der Apostelkirche statt.

Rosenheim – Aufgabe eines Diakons oder einer Diakonin ist die „praktische Verkündigung“. „Ein toller Beruf“, steht für Birgit Görmann fest. Denn in dieser Funktion sei man den Bürgern einer Gemeinde oft noch näher als ein Pfarrer, bei dem es mehr um die hochtheologischen Themen gehe.

Geboren wurde die 37-Jährige in Donauried. Durch ihren Großvater fand sie den Weg in die Kirche und schließlich zu ihrem Beruf. Der ehemalige Katholik habe sich aus Liebe zu seiner Frau evangelisch taufen lassen und sich danach sehr für die evangelische Kirche engagiert. „Er hat mich oft in die Kirche mitgenommen und ich fühlte mich dort immer sehr wohl. Mir gefiel die Gemeinschaft.“

Nach ihrer Ausbildung zur Diakonin hat sie einige verschiedenen Stationen durchlaufen, bis es sie nach Rosenheim verschlug. „Mir gefällt, dass es hier drei evangelische Kirchen gibt und natürlich ist die Landschaft mit Seen und Gemeinden wunderschön“, erzählt sie.

Projekt „KonfiKids“

ins Leben gerufen

In den vergangenen sieben Jahren hat Birgit Görmann eine ganze Reihe von Veranstaltungen und Projekten ins Leben gerufen, die sich speziell an die junge Generation wenden. Beispielsweise hat sie vor drei Jahren an der Erlöserkirche die „KonfiKids“ ins Leben gerufen. In Bayern ist dieses Angebot bis jetzt noch eine Seltenheit, denn es ähnelt der Kommunion der Katholiken und versteht sich als Zwischenstation zwischen Taufe und Konfirmation. Eingeladen werden dazu Kinder genau fünf Jahre vor der Konfirmation, also in der Regel in der dritten Klasse. Sie beschäftigen sich auf kindgerechte und spielerische Art mit den Themen Taufe und Abendmahl. Ihren Abschluss findet diese Zeit mit einem feierlichen Segnungsgottesdienst.

„Dieses Angebot kommt bei Eltern und Kindern sehr gut an“, freut sich die Jugenddiakonin. Ebenfalls beliebt sind die Mentorenkurse, bei denen sich Jugendliche als Konfirmanden-Helfer ausbilden lassen können. Außerdem hat Birgit Görmann Minikochkurse, Kirchenübernachtungen und Kinoabende speziell für Kinder geplant und durchgeführt. Wichtig waren ihr immer niederschwellige Angebote, wenn möglich kostenlos oder zu sehr günstigen Preisen: „Alle Kinder sollen sich willkommen fühlen.“

Kinder für eine Sache zu begeistern, sei nach wie vor nicht schwierig. Man müsse nur die richtigen Nischen finden. „Über den Glauben alleine gewinnt man die Kinder heutzutage natürlich nicht mehr. Sie wollen Spaß. Aber man kann ihnen trotzdem bei jeder Aktion zeigen, dass das, was sie machen, mit Gott zu tun hat.“

Jugendliche erreiche man grundsätzlich schwieriger. „Für sie habe ich Gesprächsrunden angeboten“, erzählt die Diakonin. Besonders gut sei im vergangenen Jahr die Veranstaltung mit jungen Politikern kurz vor der Bundestagswahl angenommen worden.

Nach vielen Jahren Jugendarbeit sucht Birgit Görmann eine neue Herausforderung. „Man wird älter und entwickelt sich weiter“, meint sie. Künftig ist sie für das Fundraising – Spendensammlung und Akquise – zuständig. Nachdem die drei Dekanate Rosenheim, Bad Tölz und Traunstein unter eine gemeinsame kirchliche Verwaltung gestellt wurden, ist sie ab 1. Juni für 43 Kirchengemeinden zuständig.

Ihr Wohnsitz bleibt in Rosenheim. Sie wird aber in ein anderes Büro ziehen. „Das wird sicher eine Umstellung“, meint sie, nicht zuletzt wegen ihrer Hündin Nelly. Diese war in der Vergangenheit fast immer im Büro mit dabei. Das wird in Zukunft wohl nicht mehr gehen.

Für ihr altes Amt gibt es noch keinen Ersatz. Auch die evangelische Kirche plagen Nachwuchssorgen. Birgit Görmann ist aber zuversichtlich, dass sich in absehbarer Zeit eine Lösung findet.

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