Rosenheim – 19.30 Uhr. Stadion Pürstlingstraße. Klarer Himmel, angenehme Temperaturen. Perfekt für einen entspannten Grillabend mit Freunden – oder eben ein Footballtraining. Gespannt beobachte ich die knapp 30 Athleten. Einige werfen sich einen Football zu, andere reden. Auf dem Rasen verteilt liegen Helme und Trinkflaschen. Die eine Hälfte der Sportler trägt weiße Trikots, die andere schwarze. „Die Weißen sind die Angreifer, die anderen spielen in der Verteidigung“, klärt mich der sportliche Leiter, Andreas Schiburr, auf.
Der Sport an sich ist kompliziert und mit vielen Regeln verbunden. Kurz formuliert: Der Grundgedanke des Spiels ist es, Raum zu gewinnen und Punkte zu erzielen. Soweit logisch.
Mittlerweile tragen alle Schulterpolster und Helme mit Gesichtsschutz, einige haben Handschuhe an. Ohne jegliche Schutzbekleidung nehme ich am Eröffnungskreis teil und stelle mich kurz vor. 60 Augenpaare gehen in meine Richtung. Verlegenes Lachen, einige Worte vom Trainer und los geht es. Zwei Runden einlaufen um das Footballfeld. Länge: 91,44 Meter.
Auch wenn sich die Sportart in Amerika schon seit Jahren großer Beliebtheit erfreut, ist es in Deutschland eher eine Randsportart. „In den letzten Jahren ist es aber schon bekannter geworden“, so Schiburr und fügt hinzu: „Das liegt vor allem an der Medienpräsenz, die uns neue Vereine und Mitglieder bringen.“
120 Mitglieder sind
bei den Rebels aktiv
45 Footballvereine mit 8541 Mitgliedern gibt es derzeit in Bayern. Die Rosenheimer Rebels haben 120 Mitglieder – 80 Erwachsene, 40 Jugendliche.
Nach dem Einlaufen stellen wir uns in Vierer-Reihen auf. Athletiktrainer Björn Sydow hat jetzt das Sagen. Sprünge, Stretching, mehr Sprünge. „Zehn, neun, acht“. 30 Männer brüllen und probieren sich gegenseitig zu übertönen. Ich schrecke kurz zusammen und murmele die Zahlen zaghaft mit. Die letzte Stretching-Übung und weiter geht es zum nächsten Teil des Trainings. Schon jetzt spüre ich den Muskelkater.
Wir teilen uns in zwei Gruppen auf. Einer der Spieler winkt mir zu: „Du kannst bei uns mitmachen“. Nach jedem Sprint klatsche ich bei meinen Mitstreitern ab. Das Gemeinschaftsgefühl stimmt und ich fühle mich schon ein bisschen wie ein „Rebel“.
Als Nächstes geht es an die Koordinationsleiter, hier wird die schnelle Fußarbeit geübt. Die Männer feuern sich untereinander an. Ich komme ins Schwitzen. „Können wir jetzt was trinken?“, hört man immer wieder von den Sportlern. Endlich hat der Trainer Erbarmen und wir machen eine kurze Pause.
Schiburr wirft mir einen Football zu. „Kaum eine Sportart benötigt so viele verschiedene Spielertypen mit unterschiedlichen Fähigkeiten. Es gibt beispielsweise die Dicken, die Schnellen, Spieler, die fangen oder werfen können.“ Ich beobachte die Sportler auf dem Feld, die verschiedene Systeme durchrennen. Schiburr fährt fort: „Keine Team-Sportart der Welt hat so viele Spieler und jeder Einzelne ist wichtig.“
Doch wie genau funktioniert der amerikanische Sport? Einfach formuliert: Die verteidigende Mannschaft probiert, die angreifende Mannschaft daran zu hindern, an das Ende des Platzes zu kommen. Hierfür muss der Ballträger gestoppt werden. Um auf Nummer sicher zu gehen, werfen sich gern alle Spieler auf ihn. Deswegen also die Schutzbekleidung. „Wegen der physischen Härte besteht ein hohes Verletzungsrisiko“, erklärt Schiburr und fügt hinzu: „Deshalb gibt es auch die vielen Regeln.“
Die Spielzeit beträgt in Deutschland viermal zwölf Minuten und dauert zwischen zwei und drei Stunden, da die Spielzeit bei jeder Unterbrechung angehalten wird.
Mein Kopf ist mit Football-Informationen gefüllt und ich verstehe die Sportart nach meinem zweistündigen Training ein wenig besser. Bis vor wenigen Tagen wusste ich noch nicht einmal, dass es Football in Rosenheim überhaupt gibt.
Erstes Heimspiel: Sonntag, 17. Juni
Der sportliche Leiter scheint meine Gedanken zu lesen: „Die „Rebels“ gibt es schon seit 29 Jahren. Sie haben sogar schon in der zweiten Bundesliga gespielt.“ Es folgten Personalsorgen und Probleme mit der alten Vorstandschaft. Von der zweiten Bundesliga ging es in die Bayernliga und von dort zurück in die Landesliga.
„In dieser Saison spielen wir in der Aufbauliga. Wir wollen den Namen der ,Rebels‘ wieder mit Stolz auf unserer Brust tragen und an die alten erfolgreichen Zeiten anknüpfen“, so Schiburr.
Am Sonntag, 17. Juni, gibt es dafür die Gelegenheit. Dann findet das erste Heimspiel statt. Um 15 Uhr gegen Ingolstadt.