Schliessung des Miniladens in der Lessingstrasse

„Natürlich sind alle enttäuscht“

von Redaktion

Seit 15 Jahren ist der Miniladen in der Lessingstraße ein Ort zum Einkaufen, Ratschen und Freundetreffen (wir berichteten). Jetzt ist damit Schluss. In der Mitgliederversammlung des Fördervereins Miteinander, Träger des Ladens, wurde die Schließung beschlossen.

Rosenheim – Manfred Hellstern steht die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Der Leiter des Miniladens hatte lange um das Überleben des Geschäfts gekämpft. Vergeblich, wie sich jetzt herausstellte. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des Fördervereins Miteinander wurde das Nahversorgungsprojekt, geboren in der Sozialen Stadt, beendet.

„Da der Miniladen keinen Gewinn erwirtschaftet, war das Projekt auf Gelder angewiesen, die in der Regel nur unter der Bedingung der Gemeinnützigkeit des Ladens gespendet wurden“, so Hellstern im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Das Finanzamt würde diese Gemeinnützigkeit zukünftig nur unter der Voraussetzung anerkennen, dass mindestens zwei Drittel der Käufer bedürftig seien. „Wir müssten also den Einkommensnachweis von unseren Kunden verlangen“, sagt Hellstern. „Das ist einfach unrealistisch. Unsere Mitarbeiter im Laden sehen sich nicht in der Lage, diese Nachweise von den Leuten einzufordern.“

Ohne die gespendeten Gelder droht dem Miniladen die Insolvenz. Um diese zu vermeiden, wird der Laden geschlossen. Auch die über 200 gesammelten Unterschriften von Kunden und Helfern konnten die Schließung nicht verhindern.

Um eine Insolvenz

zu vermeiden, ist

ab Ende Juni zu

„Wir haben noch keinen genauen Plan, aber Ende Juni ist der Laden voraussichtlich zu“, so Hellstern weiter. Bis zum Donnerstag, 31. Mai, läuft weiterhin alles wie gewohnt ab. Ab Juni sollen dann laut Hellstern keine neuen Waren mehr eingekauft werden. Dann geht es darum, die vorhandenen Produkte mit Abschlägen zu verkaufen.

Eine Menge Arbeit also, die auf Manfred Hellstern und seine Helfer in den nächsten Wochen zukommt.

Viele Ehrenamtliche sind schon seit der Gründung des Ladens vor 15 Jahren mit dabei und haben viel Engagement, Zeit und Aufwand in das Geschäft gesteckt. „Natürlich sind alle enttäuscht, dass der soziale Aspekt des Ladens, das Gespräch mit den Kunden und der kurze Weg für alte und wenig mobile Mitbürger aus dem Viertel für die Beurteilung eines gemeinnützigen Projekts unerheblich sind“, so Hellstern.

Trotz der Enttäuschung sieht der Leiter des Miniladens aber ein, dass es genügend andere Einkaufsmöglichkeiten im Viertel gibt: „Verhungern werden die Leute nicht, das ist mir bewusst“. Im näheren Umkreis befindet sich neben einem Bäcker auch ein türkischer gut bestückter Supermarkt.

„Ich möchte gern eine Abschlussfeier veranstalten und alle Helfer einladen“, sagt Hellstern. Was aus den Räumlichkeiten werden soll, steht noch nicht fest.

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