Rosenheim – Im vergangenen Jahr führte die Städtische Galerie 26 Führungen durch, Kunden buchten zusätzlich 20 Sonderführungen, insgesamt nahmen circa 500 Personen teil, vorwiegend Erwachsene. An 220 Öffnungstagen kamen über 16000 Menschen, darunter 10500 Erwachsene, 2600 Kinder, Jugendliche, Studenten. 1200 Personen hatten sich eine Familienkarte besorgt. Aber: Es gibt eine Kehrseite dieser schönen „Zahlen-Medaille“.
„Die alte Dame steht immer mal wieder mit den Füßen im Wasser.“
Monika Hauser-Mair
Die Städtische Galerie, eine „alte Dame, die immer mal wieder mit den Füßen im Wasser steht“, plagen in Jahrzehnten entstandene Baumängel, insbesondere Feuchtigkeit. Ob das Hochwasser im Kellergeschoss (wir berichteten) – mal bei heftigen Gewittern vorhanden, mal wiederum nicht bei Starkregen – vom Grundwasser herrührt, wurde Galerie-Leiterin Monika Hauser-Mair zufolge weitgehend ausgeschlossen; am jeweiligen Grundwasserspiegel einer dortigen Sickergrube ließe sich das ablesen.
Weitere notwendige Verbesserungen betreffen die nicht vorhandene Barrierefreiheit und das veraltete Heizungssystem: Die Sockelwandheizung wirbelt ständig Staub auf. Auch nicht mehr zeitgemäß: die elektrischen Anlagen und die Klimatechnik, die in Zusammenhang mit dem Lokschuppen in Angriff genommen werden soll.
Von außen ist dem „wunderschönen Ausstellungsgebäude“ – urteilen auswärtige Besucher – wenig anzusehen. Das Team der Galerie versucht mit speziellen Themen, wie heuer mit dem Anliegen, das Kunstvolle in Bilderbüchern offen zu legen („Licht aus! Die Nacht im Bilderbuch“) oder mit der 2017/18 erfolgten Ausstellung „Broken Lines“, Neugier zu wecken, um sich mit Kunst auch kontrovers auseinanderzusetzen. „MenschSein“ zum Beispiel offenbarte durch die Skulpturen eine ganze Gefühlswelt samt Fragen und versteckten Antworten. Unter anderem rundete die Jahresausstellung des Kunstvereins Rosenheim das Ausstellungsjahr 2017 ab. Zum Beispiel rekrutierte sich hieraus der Ankauf von drei Arbeiten, drei weitere aus der Mitgliederausstellung des Kunstvereins und noch einmal vier von teils heimischen Künstlern. Im Schnitt kann die Galerie für 15000 Euro im Jahr „einkaufen“ – eine Kommission (quer durch die Fraktionen) entscheidet über den Ankauf. Schenkungen aus privater Hand sind nicht selten, wie der Nachlass von Hans Müller-Schnuttenbach, der nun komplett digital erfasst ist.
Über 5000 Exponate vorwiegend aus dem 19. bis 21. Jahrhundert hat die Galerie, die größten Bildformate sind über zwei mal zwei Meter groß, die kleinsten Werke in der städtischen Sammlung stammen von der Künstlerin Gertruda Gruber-Goepfertova. „Fast briefmarkengroß“, sagt Hauser-Mair. Dabei handle es sich um Skizzen für ihre Dorfansichten oder Buchprojekte.
Die verschieden formatigen Gemälde werden teils hängend gelagert. Die Zugregalanlage ist nun durch Depotschiebewände erweitert. „Bestens geeignet besonders für Werke mit schwerem Holz- und Goldrahmen.“
Zwischen solchen Exponaten bewegen sich vielleicht auch Brautpaare an ihrem „großen Tag“: Sie können sich inmitten der jeweils aktuellen Ausstellung, in Kooperation mit dem Standesamt hier das Jawort geben. Fünf Paare taten es 2017.
Als Spiegelbild der Gesellschaft vermitteln Ausstellungsobjekte Wissen, Erlebnisse, Erfahrungen, Botschaften – und offene Fragen, Auseinandersetzungen. Gewollt. So wie die Städtische Galerie mit der Dokumentation „vermacht, verfallen, verdrängt – Kunst und Nationalsozialismus“ im vergangenen Jahr auch in ihre eigene 80-jährige „Lebensgeschichte“ eintauchte und über das Verhältnis Rosenheims zum Kunst- und Kulturgeschehen des „Dritten Reiches“ durch Zeitdokumente und ein Begleitprogramm informierte.
Berücksichtigt wurden dabei die lokalen künstlerischen Strömungen und Entwicklungen vor 1933 und die der Nachkriegszeit. In diese Zeitspanne fällt auch der Bau des Galeriegebäudes: 1937.
Wie groß war die Resonanz auf diese spezielle Ausstellung? „Wir hatten mit viel mehr Schulen gerechnet“, zeigt sich Hauser-Mair im Nachhinein enttäuscht. Immer wieder werde dem Haus auch von Lehrern bescheinigt, wie altersgerecht die Führungen abliefen. Umso bedauerlicher sei es, dass das Thema von den Schulen zu wenig genutzt worden sei – auch wenn die Galerie-Leiterin einräumt: „Es gibt wohl wenig Möglichkeiten, den schulischen Ablauf zu durchbrechen.“