Rosenheim – Kommt es zu einem schweren Autounfall, wählt E-Call über Mobilfunk und Satellitenortung automatisch die Notrufnummer 112. Das System übermittelt per Datensatz unter anderem Unfallzeitpunkt, Standortdaten, Fahrtrichtung und Zahl der Insassen. Dafür ist E-Call an verschiedene Sensoren und Sicherheitstechniken des Fahrzeugs gekoppelt.
In Amerika ist das Auto-Notruf-System längst Standard. Untersuchungen dort haben ergeben, dass dadurch bis zu 27 Prozent der Todesfälle vermieden werden können. Jetzt ist das System auch in der EU für alle Pkw und leichten Nutzfahrzeuge vorgeschrieben, die ihre Typ-Zulassung ab dem 31. März erhalten.
Auf Deutschlands Straßen sind aktuell noch kaum Autos mit diesem neuen System unterwegs. Doch das wird sich in den kommenden Jahren schnell ändern, ist sich Thomas Vogl, Leiter der ILS Rosenheim, sicher. „In fünf bis spätestens zehn Jahren wird jedes neue Autos über E-Call verfügen“, schätzt er. Bayernweit wurde bis jetzt erst einmal ein Notruf auf diese Art und Weise an eine Notrufzentrale gesendet, weiß Thomas Vogl. „Auf dem BMW-Testgelände hatte ein Erlkönig einen Unfall und sandte automatisch einen Notruf an die Leitstelle Erding“, erzählt er.
In allen deutschen Notrufstellen müssen jetzt laut Gesetzgebung die technischen Rahmenbedingungen für E-Call geschaffen werden. Die Leitstelle Rosenheim benötigt für die Ertüchtigung von Hardware und Software rund 300000 Euro. Einstimmig wurde die Bereitstellung des Geldes bei der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses bewilligt. Der Großteil der Summe wird letztendlich aber vom bayerischen Innenministerium übernommen.
Am 31. Dezember soll das neue System in der ILS Rosenheim in Betrieb gehen. Theoretisch können aber bereits jetzt mittels E-Call Nachrichten übermittelt werden. „Wir haben dafür eine Übergangslösung geschaffen“, informiert Thomas Vogl.
Für den Leiter der ILS Rosenheim liegt der Vorteil von E-Call klar auf der Hand: „Man gewinnt wertvolle Zeit. Davon profitieren alle“. In den vergangenen Monaten gab es aber auch warnende Stimmen. Kritiker befürchten Datenmissbrauch. Thomas Vogl kann derartige Sorgen nicht nachvollziehen: „Es kommt ja nicht zu einer permanenten Datenübertragung. E-Call sendet nur im Notfall und dann auch nur zu uns“.
Auch vor häufigen Fehlermeldungen hat Thomas Vogl keine Angst. Das System sei ausgereift, wie die Erfahrungen aus Amerika zeigen würden.
„Bekommt man keineAntwort,
rückt sofort der Rettungsdienstaus“
ThomasVogl
Außerdem: „E-Call baut eine Sprechverbindung mit dem Notruf auf. Die Disponenten sprechen dann die Insassen direkt an und fragen, was passiert ist. Melden sie sich und es geht ihnen gut, war es das. Bekommt man aber keine Antwort, rückt sofort der Rettungsdienst aus“.
Dadurch, dass mit dem Datensatz der genaue Standort übermittelt wird, entfalle langes Suchen. „Das war bisher immer wieder ein Problem. Wer kann bei der Fahrt auf der Autobahn schon sagen, wo genau er gerade ist“, erklärt Thomas Vogl. Durch die zusätzlichen Informationen könne man sich außerdem schon vorab ein gutes Bild von dem machen, was einen am Unfallort erwartet und sich und sein Equipment dementsprechend darauf vorbereiten.