Rosenheim – Ausgebildete Trauerbegleiter betreuen die Kinder und ihre Familien im Rahmen von regelmäßigen Gruppentreffen in ihrer Trauer – bei Bedarf über mehrere Jahre. Dabei spielt Rudi, der Clown, eine große Rolle: Er bricht das Eis im Gespräch mit Kindern, die sich einem zunächst unbekannten Erwachsenen nicht sogleich öffnen.
Um auf „Lacrima“ aufmerksam zu machen, veranstalten die Johanniter einen Aktionstag zum fünfjährigen Bestehen am Samstag, 30. Juni, von 10 bis 14 Uhr auf dem Max-Josefs-Platz. Das Angebot an diesem Tag ist vielfältig: Ehrenamtliche Trauerbegleiter geben einen Einblick in ihr Engagement und die Johanniter-Rettungshundestaffel berichtet über Ausbildung und Einsätze. Für Kinder gibt es zudem eine Hüpfburg in Rettungswagenform und ein Einsatzmotorrad zum Probesitzen.
Entstanden ist Lacrima in München, 2013 wurde die erste Trauergruppe in Rosenheim gegründet. Deren Initiatorin und Leiterin, Trauerbegleiterin Dr. med. Beate Düntsch-Hermann, weiß, was die Arbeit bei Lacrima für die betroffenen Kinder, Jugendlichen und ihre Familien bedeuten kann.
„Das ist eine
schreckliche Wunde, die der Kinderseele geschlagen wird.“
Beate Düntsch-Hermann
„Der Tod eines Elternteils oder eines Geschwisterkindes ist eine schreckliche Wunde, die der Kinderseele geschlagen wird. Unsere Aufgabe ist es, den Kindern, Jugendlichen und ihren Familien einen Rahmen zu bieten, in dem sie mit ihrem Verlust umgehen und ihren ganz eigenen Trauerweg finden können, damit diese Wunde gut von innen heraus heilt.“
Von Anfang an habe sie in Rosenheim „eine unglaubliche Unterstützung erfahren“, sagt Beate Düntsch-Hermann. Heute treffen sich bei Lacrima in Rosenheim in einer Gruppe Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren sowie in einer speziellen Outdoorgruppe Jugendliche von zwölf bis 17 Jahren. Sie alle erlebten, dass es noch andere gibt, die in der derselben Situation sind. „Hier müssen sie sich nicht erklären, sie haben keine Sonderrolle wie sie es oft in ihrem Schul- oder Freizeitumfeld erleben. Das ist für die meisten unglaublich entlastend.“
Die Kindergruppe umfasst derzeit sieben Kinder. Sie treffen sich alle 14 Tage in den Räumlichkeiten des Kinderhorts im Familienzentrum der Kirchengemeinde Christkönig. Dort können sie aus verschiedenen Angeboten wählen: Sie können kreativ sein, spielen, reden, toben oder sich einfach still in den Kuschelraum zurückziehen. „Bei uns bekommen die Kinder Zeit und Raum für Trauer. Das können sie nutzen, müssen sie aber nicht“, betont Beate Düntsch-Hermann. „Jedes Kind entscheidet selbst, was es macht und mit welchem der fünf Betreuer.“ Diese sind Ehrenamtliche ganz unterschiedlicher Wesensarten – „manche besonnen und ruhig, andere temperamentvoll und lustig“. Sie sind für diese anspruchsvolle Aufgabe geschult und zertifiziert.
Die Treffen laufen ritualisiert ab, in einem klaren Rahmen. Das schaffe Sicherheit und Stabilität – wichtig, um den jungen Menschen wieder Vertrauen ins Leben zu geben. Zu Hause erlebten sie die Auseinandersetzung mit dem Tod oft als schwierig, würden ihre eigene Trauer verbergen, um der Familie nicht noch mehr Kummer zu machen. Hinzu komme, dass das Thema Tod auch im Umfeld aus falsch verstandener Rücksichtnahme oder Unsicherheit häufig tabuisiert wird.
Nicht bearbeitete Trauer könne zu inneren Blockaden, (Auto-)Aggressionen, Entwicklungsrückschritten, kurz: zu psychischen und physischen Schädigungen führen, so die 56-jährige Trauerbegleiterin. „Wir vermeiden es, die Kinder konkret nach dem verstorbenen Elternteil zu fragen. Aber wir nutzen andere Möglichkeiten, um uns dem Thema zu nähern.“ Dabei merkten die Kinder, dass die Trauerbegleiter belastbar sind – eine große Erleichterung. Wichtig zudem: „Was in der Gruppe gesagt wird, wird an niemanden weitergegeben.“
Während der Gruppentreffen werden die Eltern in einem anderen Raum von einem Trauerbegleiter betreut und kommen zum Abschluss der Gruppenstunde hinzu.
Bei der Outdoorgruppe für Jugendliche ist der Ansatz ein anderer: Hier stehen Aktivitäten wie Klettern, Schneeschuhwanderungen, Höhlentouren, Floßbauen. auf dem Programm. „Dabei geht es nicht um den Kick, sondern darum, in Reflexion vor der Trauer an die eigene Grenze zu gehen.“ Im Sinne von: „Ich vertraue jetzt mal, obwohl ich kein großes Vertrauen mehr ins Leben habe“. Diese Erfahrung der eigenen Kompetenz gebe Kraft. Eine „Narbe“ durch den Verlust einer geliebten Person werde aber immer bleiben, wichtig jedoch sei, die Verstorbenen „gut ins eigene Lebensregal einzuräumen“. Wer das geschafft habe, gehe gestärkt durchs Leben.