Ausstellung „Westerndorf am Wasen früher und heute“ spiegelt auch die Entwicklung der Landwirtschaft:

„Alleine zum Scheitern verurteilt“

von Redaktion

Vor 350 Jahren wurde die Kirche St. Johann Baptist – Heilig Kreuz in Westerndorf am Wasen geweiht. Gefeiert wird dieses Jubiläum mit einem umfangreichen Programm. Dazu gehört die Ausstellung „Westerndorf früher und heute“, die mit historischen und aktuellen Fotos, Berichten und Exponaten zeigt, wie sich der Süden entwickelt hat.

Rosenheim – Zu sehen ist die Ausstellung „Westerndorf am Wasen früher und heute“ am Freitag, 22. Juni, von 18 bis 20 Uhr, am Samstag, 23. Juni, von 14 bis 18 Uhr und am Sonntag, 24. Juni, von 12 bis 20 Uhr in der Tenne beim „Moar am Berg“. Veranstalter ist der Historische und Heimatverein Pang. Einer der Mitorganisatoren ist Adalbert Meishammer. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Geschichte, insbesondere auch mit der Entwicklung der landwirtschaftlichen Anwesen. Über Jahrhunderte hinweg hielt sich ihre Anzahl recht konstant. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Westerndorf am Wasen noch rund 50 bewirtschaftete Höfe. Heute sind es nicht einmal mehr zehn.

Adalbert Meishammer macht dafür vor allem die industrielle Revolution verantwortlich. Traktoren ersetzten Ochsen und Pferde. Die Zahl der bäuerlichen Betriebe begann zu schrumpfen.

Aktuell gibt es in Westerndorf am Wasen noch sechs Milchviehbetriebe. Einer davon ist der Bauernhof der Familie Rutz in Stocka, ehemals bekannt als Egerndorfer Hof. Seine Ursprünge reichen nachweisbar zurück bis ins frühe 17. Jahrhundert. So steht in der Kirchenrechnung von 1628: „12 Metzen Korn und 10 Metzen Hafer Dienstgetreide an die Pfarrkirche Pang“. 1742 wurde festgehalten, dass die Magd Elisabetha Huber auf der Flucht vor den Panduren durch einen Sturz vom Hausdach starb.

Seit dem Jahr 1882 ist das landwirtschaftliche Anwesen im Besitz der Familie Rutz. Im Jahr 1922 errichteten sie den Hof in seiner jetzigen Form. Bewirtschaftet wird der Bauernhof derzeit von zwei Generationen: Johann Rutz junior und seine Ehefrau Apollonia bekommen bei der Bewirtschaftung tatkräftige Unterstützung von Johann Rutz senior und seiner Frau Hedwig.

Johann Rutz senior kennt noch die Zeiten, in denen landwirtschaftliche Arbeit vor allem viel mühevolle Handarbeit bedeutete. Auch Torf zum Heizen hat er noch bis in die 1980er Jahre hinein gestochen. Einmal war da auch noch seine Frau Hedwig mit dabei. „Eine enorm schwere Arbeit“, erinnert sie sich.

Die Landwirtschaft habe sich in den vergangenen 50 Jahren enorm verändert, sind sich die beiden einig. Von den Erträgen zu leben, sei immer schwieriger geworden. Darum hat Johann Rutz senior im Jahr 1999 eine Anstellung im öffentlichen Dienst angenommen und die Landwirtschaft ab da nur noch als Nebenerwerb praktiziert. Seinen Beruf als Bauer gänzlich aufzugeben, wäre für ihn aber nie in Frage gekommen: „Dafür hänge ich viel zu sehr an diesem Hof, der Natur und den Tieren.“

Auch für seinen Sohn ist die eigene Landwirtschaft ein Nebenerwerb. Hauptberuflich arbeitet er als Futterberater. „Natürlich wäre es besser, wenn ich mich ausschließlich um den Hof kümmern könnte“, so der 33-Jährige. Seine Kritik geht da klar an die EU: „Sie bestimmt, wohin der Weg bei uns hier in Deutschland geht. Große Konzerne profitieren. Kleine Höfe bleiben auf der Strecke. Viele von ihnen geben den landwirtschaftlichen Betrieb auf.“

„Wenn man sieht, wie zufrieden unsere Kühe auf der Weide grasen, weiß man, dass

man es richtig gemacht hat.“

Johann und Apollonia Rutz

Johann Rutz junior und seine Frau Apollonia gehen einen anderen Weg. Sie haben vor einem Jahr ihren Milchviehbetrieb komplett auf Bio umgestellt. „Das war nicht leicht“, erzählen die beiden. Diese Entscheidung bereut haben sie nicht: „Wenn man sieht, wie zufrieden und gelassen unsere Kühe auf der Weide grasen, weiß man, dass man es richtig gemacht hat“. Der Unterschied zu großen Farmen mit über 1000 Tieren liegt für die beiden klar auf der Hand: „Schon unsere Töchter Miriam und Apollonia sind im Stall dabei und kennen die meisten unserer 35 Tiere mit Namen. Das sind nicht nur Nummern, sondern Familienmitglieder.“

Ohne die Unterstützung der Eltern beziehungsweise Schwiegereltern könnten Johann Rutz junior und seine Frau Apollonia den landwirtschaftlichen Betrieb aber nur schwer am Leben erhalten. „Alleine wären wir zum Scheitern verurteilt“, steht für die beiden fest. Nur gemeinsam könne man diese Aufgabe noch stemmen, sind sie überzeugt.

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