Rosenheim – Konzerte in Sri Lanka, den Malediven und Indien. Auftritte in Hotels, für Fluggesellschaften und Politiker und nebenbei Gesangstrainer bei „Sri Lanka got Talent“, die srilankische Version von „Deutschland sucht den Superstar“. Sam Dinesh hatte ein Leben, von dem die meisten Künstler nur träumen können.
Im Alter von fünf Jahren entdeckte der 35-Jährige seine Leidenschaft zur Musik. „Ich bin damals auf ein niederländisches Internat gegangen, erlernte dort die englische Sprache, aber vor allem die Musik. Erst Klavier und Gesang, dann Gitarre und später die traditionelle Sitar“, erinnert sich der Musiker. Übrigens: Die Sitar ist das wohl bekannteste Melodieinstrument der klassischen nordindischen Musik. Ein buddhistischer Mönch in Kandy brachte Dinesh die Chakren-Musik (spirituelle Meditationsmusik) bei.
Das Abenteuer Deutschland
Vor sieben Jahren lernte Dinesh dann seine jetzige Frau aus Deutschland kennen: „Sie war mitten im Master-Studium und für ein Auslandssemester in Sri Lanka“, so der 35-Jährige. Kurz denkt er nach. „Nach vielen Reisen und der Heirat haben wir uns die Frage gestellt, wo wir leben möchten.“ Schnell war klar, Sri Lanka wird es nicht sein. „Also habe ich mich auf das Abenteuer Deutschland eingelassen“, sagt er und grinst. Gesagt, getan. Im November 2014 landete der 35-Jährige am Flughafen in Frankfurt am Main. „Im Gepäck hatte ich meine Gitarre, meine Sitar, ein paar Klamotten, Flip-Flops und jede Menge Adrenalin“, erzählt Dinesh.
Seit 2015 wohnt er in Rosenheim. „Ich habe gleich mit einem Sprachkurs begonnen“, erinnert er sich und fügt hinzu: „Als wir in Rosenheim ankamen, waren wir völlig auf uns alleine gestellt, bayerisch sprachen wir beide nicht und wir hatten weder Freunde noch Familie hier.“
Die Musik rückte immer mehr in den Hintergrund. Neben der Sprachschule und diversen Mini-Jobs blieb für seine Leidenschaft kaum Zeit. „Musik wurde von meinem geliebten Beruf zu einem Hobby. Niemand hat in Rosenheim auf einen Musiker aus Sri Lanka gewartet“, erzählt Dinesh mit Bedauern. Musik spielte der 35-Jährige nur noch zu Hause vor Freunden oder seiner Frau. Großes Publikum Fehlanzeige.
„Vor zwei Jahren habe ich bei einer Weihnachtsfeier gespielt und gemerkt, wie sehr ich die Bühne vermisse. Mir war klar, ich will nebenberuflich wieder spielen“, fährt er fort. Der Anfang war schwer, Angebote bekam Dinesh lange nicht. „2016 habe ich dann Matthias aus dem Pub I‘m Irish kennengelernt und er hat sich auf das Experiment Livemusik mit mir eingelassen“, erinnert er sich. Die ersten Auftritte waren zum Spaß und mit geliehenen Lautsprechern. Trotzdem kam seine Musik gut an: „Die Leute begannen sogar nach mir zu fragen“, sagt er und strahlt. Zusammen mit dem Inder Vinnith begann er Musik zu machen. Vinnith am Cajo, Dinesh übernahm das Gitarrespielen und den Gesang.
Das war vor sechs Monaten. Mittlerweile ist Schlagzeuger Alex hinzugekommen und aus der Band ohne Namen wurde die Band „Jam with Sam“. „Wir spielen nach wie vor im Pub I’m Irish, außerdem jeden zweiten Donnerstag in der Lausa sowie regelmäßig im Arte Vino und im Santa“, erzählt der 35-Jährige und fügt hinzu: „Alles was wir verdienen, stecken wir in die Band. Wir haben neue Lautsprecher und Instrumente gekauft.“
Neuer Hauptberuf: Pfleger
Aus seinem Hobby wurde wieder ein Nebenberuf: „Endlich, die Bühne ist wieder Teil meines Lebens“, freut er sich. Schnell war für ihn klar, dass man von der Musik alleine nicht leben kann. Er brauchte einen Hauptberuf. „Ich wollte unbedingt in der Pflege arbeiten, Menschen etwas zurückgeben und von älteren Menschen lernen. Also habe ich meinen Schulabschluss in Rosenheim wiederholt und erhielt, nach vielen Absagen, die Chance auf ein Probearbeiten im Seniorenheim Bruckmühl.“ Seit Anfang des Jahres hat der sympathische Musiker einen festen Job im Seniorenheim. „Jam with Sam“ wird immer bekannter, mittlerweile hat die Band sogar Visitenkarten und eine eigene Facebook-Seite. „Wir spielen regelmäßig auf Privat- und Firmenpartys, Hochzeiten sowie Geburtstagen. Vor einigen Wochen waren wir sogar in Leipzig und bald haben wir einen Auftritt in Portugal“, berichtet der 35-Jährige stolz.
Pathirage Samantha Dinesh Fernando war einst eine kleine Berühmtheit in Sri Lanka. Jetzt ist er auf dem besten Weg, auch in Rosenheim voll durchzustarten. Für Liebhaber von Rock, Pop, Reggae, Jazz und Blues ist er schon lange kein Unbekannter mehr.