Kolbermoor – Es ist eines der markantesten Gebäude im Umkreis der Stadt Rosenheim und zugleich Basis eines der größten Arbeitgeber der Region: das Briefzentrum Rosenheim der Deutschen Post AG, das auf Kolbermoorer Grund direkt neben der heutigen Westtangente steht.
Als das Gebäude vor 20 Jahren seiner Bestimmung übergeben wurde, war die Umstellung von vier- auf fünfstellige Postleitzahlen und die schrittweise Abschaffung der Handsortierung von Briefen noch nicht lange abgeschlossen. Heute steht den Mitarbeitern des Zentrums modernste Technologie zur Verfügung, wie sie beim offiziellen Festakt zum 20-jährigen Jubiläum am vergangenen Dienstag auch für die geladenen Gäste aus Politik und Wirtschaft präsentiert wurde. Der außerordentlich gute Zuspruch zeigte dabei, dass die Arbeit der insgesamt knapp 3100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die dem Bezirk des Briefzentrums zugeordnet werden, in der Region höchste Wertschätzung genießt. In seinem Grußwort konnte der regionale Politikbeauftragte des Konzerns, Wilhelm Haas, somit nicht nur Vertreter karitativer und wirtschaftlicher Unternehmen, sondern auch Bürgermeister aus dem gesamten Umkreis begrüßen. „Das Briefzentrum gehört schon beinahe zum Ortsbild Kolbermoors“, so zunächst die Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig. Als verkehrspolitische Sprecherin ihrer Bundestagsfraktion haben es Ludwig besonders die elektrisch betriebenen Fahrzeuge angetan, die von der Post über eine Tochterfirma produziert und bei der Zustellung eingesetzt werden: „Einige Konzerne der Automobilindustrie können sich da eine Scheibe abschneiden“, ist Ludwig überzeugt.
Von der Bedeutung der persönlichen Briefzustellung für die Kommunen sprach der Kolbermoorer Bürgermeister Peter Kloo. Er verwies auf die wichtige gesellschaftliche Aufgabe, die Postboten in früheren Jahren erfüllten. Kloo erinnerte an die Anfänge des Standorts Kolbermoor, zunächst noch im Notquartier auf dem Gelände des heutigen Herto-Park, sowie an den Planungs- und Bauprozess des Komplexes. Mit verhältnismäßig geringem Aufwand sei es gelungen, ein „interkommunales Gewerbegebiet“ zwischen Kolbermoor und Rosenheim zu schaffen, dessen Standort sich derzeit zudem als verkehrstechnisch äußerst günstig erweise, so der Bürgermeister.
Niederlassungsleiter Richard Hirschberger stellte das Gebiet vor, welches derzeit durch das Rosenheimer Zentrum abgedeckt wird. So werden sämtliche Postsendungen des Bereiches „83“, der von Garmisch Partenkirchen über Fürstenfeldbruck und Wasserburg bis Berchtesgaden reicht, in Rosenheim sortiert und bearbeitet – an manchen Tagen bis zu 1,5 Millionen Stück.
Emissionsfreie
Zustellung das Ziel
Über 3000 Menschen arbeiten derzeit in den sechs Niederlassungen und auf den Straßen als Zusteller, Lkw-Fahrer oder Maschinenführer mit – „Integration ist für uns kein Problem“ betonte Hirschbichler im Bezug auf die internationale Belegschaft. Ein weiteres Vorzeigeprojekt ist auch in Rosenheim die Umrüstung der Zustellfahrzeuge auf E-Technik, wie der zuständige Beauftragte Michael Schatzl in seinem Referat ausführte.
Nachdem die großen Konzerne an der Entwicklung geeigneter Fahrzeuge kein Interesse gezeigt hatten, produziert die Deutsche Post unter dem Namen „Streetscooter“ in zwei Werken jeweils 2000 Elektroautomobile im Jahr, von denen immerhin 80 Stück bereits im Rosenheimer Gebiet im täglichen Einsatz sind.
Diese Zahl soll in den kommenden Jahren auf 500 gesteigert werden, um das Konzernziel der komplett emissionsfreien Zustellung bis zum Jahr 2050 auch in Oberbayern zu erreichen. Da die Nachfrage nach den Streetscootern, die in derzeit drei Ausführungen produziert werden, auch außerhalb der Post groß ist, wird ein Teil der Fahrzeuge derzeit sogar auf dem freien Markt erfolgreich vertrieben.
Von der Qualität des hauseigenen Produkts konnten sich die Anwesenden nach dem offiziellen Teil dann auch sogleich selbst überzeugen. Drei Autos und zwei E-Fahrräder standen auf dem Betriebsgelände für eine Probefahrt bereit und wurden rege benutzt. Begeistert zeigten sich die Gäste über die einfache Handhabbarkeit und das trotz der fehlenden Geräusche und Vibrationen eines Verbrennungsantriebs angenehme Fahrgefühl. Bei einer Betriebsführung erhielten die Teilnehmer interessante Einblicke in das Funktionsprinzip der großen Sortierhalle, in der mittlerweile ein hoher Prozentsatz der Sendungen vollautomatisch durch modernste Maschinen erfasst und dem korrekten Zielbereich zugeordnet wird. Sogar die konkrete Gangfolge des Zustellers in seinem Bezirk wird von den Sortiermaschinen, die einen Durchsatz von mehreren Tausend Sendungen pro Stunde erreichen, berücksichtigt.