Dr. Joachim Gebhart hat sich vor einem Jahr ein Elektroauto gekauft und ist begeistert. „Ursprünglich ging es mir bei dieser Entscheidung hauptsächlich um unsere Umwelt. Aber jetzt sehe ich den Spaßfaktor als gleichbedeutend an“, erzählt der Bruckmühler. Er und seine Frau genießen das lautlose Fahren, die schnelle Beschleunigung dank vollen Drehmoment von Anfang an und das günstige Tanken. Für Gebhart steht fest: „Auch mein nächstes Auto wird ein E-Auto.“
Die Mehrheit der deutschen Autofahrer sieht das aber noch anders, wie aktuelle Zahlen belegen. Selbst die Einführung der Prämie für Elektro- und Hybridautos vor zwei Jahren konnte den Verkauf nicht ankurbeln. Aktuell ist erst ein Sechstel der Fördersumme verbraucht. Für Neuwagen-Verkäufer Tobias Brechter liegt das auch daran, dass es sehr lange dauert, bis die staatliche Förderung nach Einreichung der entsprechenden Formulare tatsächlich beim Käufer ankommt.
Dass sich die Verbrennungsmotoren durch alternative Antriebe in naher Zukunft gänzlich verdrängen lassen, hält er aber generell für ausgeschlossen. „Die Kunden, die sich derzeit ein E-Auto kaufen, nutzen dieses in der Regel als Zweitauto für Fahrten innerhalb der Stadt“, so seine Erfahrung. Für breite Akzeptanz brauche es vor allem eine gute Infrastruktur, also „wesentlich mehr Ladestationen, kürzere Ladezeiten und einheitliche Ladesysteme“.
Besonders ärgerlich findet Brechter, dass die Parkbuchten bei den Ladestationen häufig von Diesel- und Benzinautos belegt sind: „Das geht gar nicht. Das sollte so wie bei Behindertenparkplätzen funktionieren. Da darf auch nur der parken, der wirklich einen Grund hat.“
Stromtankstellen werden ausgebaut
In der Stadt Rosenheim wird die Zahl der Stromtankstellen in Zukunft weiter ausgebaut, wissen Zweiter Bürgermeister Anton Heindl und Dritte Bürgermeisterin Dr. Beate Burkl. Trotzdem sind auch sie der Überzeugung, dass die Zeit von Verbrennungsmotoren noch lange nicht vorbei ist. „Das Angebot an Elektroautos ist halt auch immer noch sehr überschaubar“, gibt Burkl zu bedenken. Sie selbst habe sich erst kürzlich ein neues Auto gekauft – kein Elektromodell. „Ich wollte unbedingt einen Allradantrieb. Damit schied Elektro aus, denn da ist aktuell noch nichts auf dem Markt“, begründet sie ihre Entscheidung.
Heindl besitzt auch noch kein Elektroauto, aber er ist schon mit einem Probe gefahren. „Das ist schon sehr angenehm“, so seine Erfahrung. Gerade in einem der größten Vorteile, der Geräuscharmut, sieht er aber auch eine Gefahr: „Fußgänger hören diese Autos nicht kommen“.
Nach Meinung von Jens Ohlemeyer, der den Mobilitäts-Aktionstag auf dem Ludwigsplatz zusammen mit dem Rosenheimer Klimaschutzmanager Björn Freitag organisiert hat, ist das kein Grund, die Entwicklung von E-Motoren zu stoppen. „Als Fahrer muss man dementsprechend vorsichtig fahren.“ Er sieht in der Stille nur eins: „Einen Segen für andere“. Mittlerweile gibt es aufgrund des erhöhten Unfallrisikos aber schon Überlegungen vonseiten der EU, Elektroautos künstlich zu mehr Sound zu verhelfen.
Präsentiert wurden beim E-Mobilitäts-Aktionstag neben den Elektroautos auch Elektrofahrräder. „Ihr Verkauf hat in den vergangenen Jahren enorm zugenommen“, so Verkäufer Leopold Löffelberger. Warum sich Elektrofahrräder besser verkaufen lassen als Elektroautos, erklärt sich ein Besucher so: „Man muss für den Kauf eines Fahrrades wesentlich weniger Geld investieren. Darum überlegt man da nicht so lange. Außerdem ist die Auswahl an Elektrofahrrädern größer als die von Elektroautos.“
Für Ohlemeyer ist die Entwicklung im Bereich der Elektro-Mobilität auf jeden Fall noch lange nicht zu Ende. Seine Vision von Menschen, die in elektrischen Drohnen fliegen, klingt derzeit noch nach Science-Fiction. Aber Ohlemeyer ist sich sicher: „Das alles wird schon bald Realität.“