Rosenheim – Der Turm des Mittertors ist schon seit ewigen Zeiten leicht geneigt. Vor einem Jahr nahm die Zahl der Risse im Inneren aber innerhalb weniger Monate deutlich zu. Fachleute wurden zu Rate gezogen: Statiker schlugen einen Teil des Außenputzes ab, um hinter die Fassade zu schauen. Das Landesamt für Denkmalpflege machte sich im Inneren ein Bild von der Situation. Ein klarer Grund für die Setzungen konnte aber bis jetzt noch nicht ermittelt werden.
Aktuell erstellt nun das renommierte Büro Bergmann ein Gutachten. Es kennt sich mit dem Mittertor aus. In den 90er Jahren gab es schon einmal ein statisches Problem: Der Turm drohte das benachbarte Fastlingerhaus zu erdrücken und musste unterfangen werden.
Wer derzeit das Städtische Museum besucht, dem fallen schnell die vielen Messpunkte auf, die auf allen Etagen am Boden verteilt sind. Sinn und Zweck dieser Maßnahme: Durch eine erste Voruntersuchung wird aktuell geklärt, wie sehr sich der Grundriss des Hauses in den vergangenen Jahrzehnten tatsächlich verändert hat. Danach finden im Erdgeschoss an 17 Stellen Kernbohrungen und Schürfungen statt, wie Museumsleiter Walter Leicht bei der Jahresversammlung des Fördervereins mitteilte. Je drei bis vier Meter tief geht es hinab ins Fundament, um herauszufinden, auf was das Gebäude eigentlich steht. „Wahrscheinlich Holzpfähle“, mutmaßt Leicht. Endgültige Sicherheit gibt es aber erst nach Abschluss dieser Maßnahme.
Rund 130 000 Euro kostet die Voruntersuchung. Die Bereitstellung der finanziellen Mittel wurde vom Stadtrat einstimmig genehmigt. „Wir spüren von allen Seiten großes Wohlwollen“, freut sich der Museumsleiter.
„Irgendwann zwischen der Wiesn und dem Christkindlmarkt“ werden die Kernbohrungen stattfinden, informierte Walter Leicht. Das Museum wird während dieser Zeit zwei bis drei Wochen für die Öffentlichkeit geschlossen werden. Frühestens für Anfang 2019 rechnet Walter Leicht mit dem fertigen Gutachten. Erst dann könne über das weitere Vorgehen entschieden werden. Der Museumsleiter geht aber bereits davon aus, dass die Sanierungsmaßnahmen mehrere Jahre in Anspruch nehmen. „Man muss jetzt erst sehen, was das kostet und was die Stadt leisten kann“, so Walter Leicht. Natürlich könne man mit Fördermitteln rechnen.
Die nächsten Monate muss das Museumsteam also weiter mit einer ungewissen Zukunft leben. Die geplante Umgestaltung der Römer-Ausstellung bleibt darum weiter auf Halde gelegt und der Förderverein sieht von größeren Ausgaben erst einmal ab.