Abiturfeier der Waldorfschule Rosenheim

„Ihnen steht die Welt offen“

von Redaktion

Mit der Zeugnisübergabe wurden 15 Abiturienten im voll besetzten Dachsaal der Freien Waldorfschule Rosenheim verabschiedet. Drei von ihnen schafften einen Notendurchschnitt mit einer Eins vor dem Komma. Acht von ihnen gingen bereits zusammen in den Rosenheimer Waldorfkindergarten „Das Samenkorn“.

Rosenheim – In der von den Abiturienten musikalisch gestalteten Feier wurden in den Ansprachen viele Gedanken im Rückblick und Wünsche für die Zukunft der Schüler angesprochen, ihr Engagement und das von Lehrern und Elternschaft gewürdigt.

„Was ist Freiheit“ – damit eröffnete Nadja Feuchtmaier, Kunstlehrerin, den Reigen der Redner. Mit dem ersehnten Dokument in Händen hätten die Abiturienten nun die Freiheit, ihre eigene Wegrichtung zu finden. Die Absolventen hätten die Erfahrung gemacht, das Ziel Abitur nicht aus den Augen zu verlieren und dass man spontane Bedürfnisse hinten anstellen müsse, um dem Ziel folgen zu können, resümierte Feuchtmeier. Die Kunst könne dabei helfen, über sich selbst hinauszuwachsen und Schönheit, Licht und Menschlichkeit in scheinbar ausweglose Situationen zu bringen. „Bleiben Sie wach! Probieren Sie aus.“

Aus Reibung entstand ein neuer Gedanke

Alexandra Gatterer, pädagogischer Vorstand und Französischlehrerin, sprach die Auseinandersetzungen im fünfjährigen Miteinander an, inhaltliche wie pädagogische, normale bis gemäßigte, manchmal auch heftige. „Da fand Reibung statt, meist war das Ergebnis ein neuer Gedanke, eine neue Richtung.“ Ausgerüstet mit ihrem Wissen und den Abiturzeugnissen „steht Ihnen die Welt offen“, wobei mit dem Wissen auch eine gewisse Verantwortung verbunden sei, sich den Problemen der Welt zu stellen und zum Wohle der Menschheit zu handeln. Anspielend auf einen Kommentar zum Ausscheiden der Deutschen bei der Fußball-WM: „Es gab keine Spielerpersönlichkeit, die für die Sache brannte“, betonte Gatterer, dass dieses Brennen für eine Sache der Motor und der Schlüssel zum Erfolg sei, aber niemandem auferlegt werden könne.

Susanne Zeisig, wirtschaftlicher Vorstand, blickte auf die Anfänge des 7. Abiturjahrgangs der Freien Waldorfschule zurück. Keine Waldorfschule komme ohne Elternwille und Elternmitarbeit aus und es sei auffallend, wie viele besonders tragende und verantwortlich tätige Eltern dieser Klasse über viele Jahre in vielen Zusammenhängen der Schule vertreten gewesen seien.

Stellvertretend für die Eltern gratulierte Kerstin von Aretin den Abiturienten und stellte das Gefühl von Dankbarkeit in den Raum: Jene der Eltern, dass den Schülern der Besuch der Waldorfschule ermöglicht wurde, für das Engagement und die Geduld der Lehrer und Dankbarkeit gegenüber den Mitschülern. „Legt euch einen langen Atem zu und geht voller Zuversicht in die nächste Lebensphase. Und wenn mal etwas nicht so gut klappt, ihr wisst ja, wo Risse sind, kann das Licht reinkommen“. Dem schloss sich Schülervater Christian Schneidermeier an: „Seid mutig, macht Erfahrungen, habt keine Angst vor Fehlern. Fehler gehören zum Lebensweg, Scheitern ist notwendig zur Weiterentwicklung.“

Jule Schneidermeier und Aleksander Swiatek ließen ihre Schulzeit Revue passieren: Es seien schöne 13 Jahre gewesen mit Projekten, Praktika, Klassenfahrten, Eurythmieabschlüssen. Der Leistungsdruck (in acht Fächern ohne Vornoten das Abitur zu bestehen) in der 13. Klasse habe manchen wachgerüttelt, so habe das letzte Jahr viel Kraft gekostet, so mancher Störenfried sei zum Musterschüler mutiert. Sie dankten den Lehrern für die Zeit und das Engagement, „es hat sich gelohnt!“. Als Waldorfschüler sei man so manchen Vorurteilen ausgesetzt, aber sie seien froh, stolz, glücklich und dankbar, diese Schule besucht zu haben.

Mit einer Feier im Schulgarten beendeten die Abiturienten nach der Zeugnisverleihung ihre Schulzeit mit Lehrern, Eltern, Verwandten und Freunden.re

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