Rosenheim – Wehmut schwingt in Josef Fuchs‘ Stimme mit, wenn er sich an die vergangenen Jahre erinnert, aber auch Stolz. Zu Recht, denn heutzutage ist der Spielmannszug aus dem kulturellen Leben von Rosenheim nicht mehr wegzudenken. Egal ob beim Volksfesteinzug, dem Erntedankfest oder an Fronleichnam: Er war als Aktiver dabei. Stolz zeigt Josef Fuchs die Bilder von seiner Zeit im Spielmannszug. Alle sind in Schwarz-Weiß. Auf einem schaut er in die Kamera, ernst, mit zwei Federn auf dem Hut. Eine in Weiß, die andere in Rot – die Farben Rosenheims, wie er mehrfach betont.
Fuchs war über 50 Jahre als Mitglied im Spielmannszug aktiv und maßgeblich an der Gründung des Vereins beteiligt. „Am Anfang waren wir nur eine Trommlergruppe. Edi Rieger und ich haben dann den Anstoß für das Spielen von Marschmusik beim Rosenheimer Spielmannszug gegeben“, erinnert er sich. Mit Erfolg.
Das war vor fast 60 Jahren. Mittlerweile ist Fuchs nur noch passives Mitglied und spielt schon lange nicht mehr. Was bleibt, sind die Erinnerungen. „Wir haben alle Märsche ohne Noten gespielt, teilweise zwölf Lieder am Stück“, erzählt er im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen.
Der Rosenheimer kommt zwar aus keiner musikalischen Familie, das Trommeln mochte er aber schon immer gern: „Ich habe mich damals oft mit Freunden zum Musizieren getroffen.“
Der schönste Moment: Auftritt beim Blumenkorso in Italien
Auch in seiner Aufgabe als Erster Vorsitzender des Spielmannszuges blühte der jetzt 88-Jährige auf. Er unterrichtete junge Musik-Liebhaber. „Mit der Zeit ist unser Verein immer besser geworden, wir hatten sogar vier Mädels, die Querflöte spielten“, sagt er. Sein Blick schweift zurück zu dem Foto in seinen Händen. Sein schönster Moment? „Wir waren bei einem Blumenkorso in Italien. Die Atmosphäre war so schön und wir hatten ein eigenes Hotel, nur für den Spielmannszug“, so Fuchs.
Das Aufhören fiel nach fast 50 Jahren Engagement schwer
Man hört ihm an, dass er sich gern erinnert. „Es war eine wirklich schöne Zeit, ich möchte sie nicht missen.“ Nach mehreren Hüftoperationen und einer Krebs-Diagnose war für den Rentner die Zeit gekommen, ans Aufhören zu denken. Nach fast 50 Jahren Engagement ein herber Verlust. „Ich vermisse es sehr. Aber ich habe immer noch Kontakt mit den Leuten von damals“, sagt Fuchs.
Dennoch ist er als passives Mitglied weiterhin dabei. Der Verein dankte es ihm mit einem privaten Konzert zu seinem 88. Geburtstag. Zu dem übrigens auch der Zweite Bürgermeister der Stadt, Anton Heindl, kam. „Sie haben einen großen Anteil daran, dass sich der Spielmannszug zu dem entwickelt hat, was er heute ist“, lobte auch Heindl das Engagement von Fuchs.