Rosenheim – „Sie kommen zurecht?“ „Kann ich Ihnen helfen?“ Die elf Mitarbeiter des Projektteams und der Planungs- sowie Ingenieurbüros gingen beim „Infomarkt“ in Rosenheim direkt auf die Besucher zu. Diese strömten bereits um 16 Uhr in den Saal – und in der Regel schnurstracks Richtung Grobtrassenkarten.
In Rosenheim interessierte hier vor allem eine Frage: Da das Oberzentrum als Verkehrsknotenpunkt erhalten und nicht abgekoppelt werden soll, werden die Neubaustrecken die Stadt zwar umfahren, aber es sind Verknüpfungsstrecken und -stellen geplant. Sie sollen Neubau- und Bestandsstrecke verbinden. Betroffen sind vor allem die südlichen Stadtteile. Hier formiert sich erster Protest – etwa in Pang und Aising durch Landwirte, die um ihre Flächen fürchten. Die Stimmung am Montagabend war jedoch nicht aufgeheizt, sondern geprägt von Sachlichkeit. Viele waren außerdem gut vorinformiert in die Veranstaltung gekommen. Die Bahn als Gastgeber verzichtete auf Ansprachen, Reden oder Referate und setzte ganz auf den Dialog.
Den Fragen der Bürger stellte sich auch der Projektleiter der Deutschen Bahn, Torsten Gruber. Seit der Veröffentlichung der Grobtrassenentwürfe sind nach seinen Angaben auch im Rosenheimer Infobüro die Besucherzahlen gestiegen. Pro Öffnungsnachmittag kommen derzeit etwa 15 Interessenten.
320 machten sich beim Infomarkt ein Bild. Die Rosenheimer Veranstaltung – neunte von insgesamt 15 in der betroffenen Region – gehörte nach Bahnangaben mit dieser Resonanz zu den am besten besuchten Infomärkten. Einer der häufigsten Sätze, die in den vier Stunden von den Experten zu hören waren: „Die Grobtrassen sind nur eine Diskussionsgrundlage.“ Will heißen: Welche Trasse als raumverträglichste schließlich das Rennen macht oder ob noch ganz andere Varianten ins Spiel kommen, steht heute noch nicht fest.
Bis Ende 2018 werden weitere Vorschläge für eine möglichst raumverträgliche zweigleisige Trassenführung gesammelt. 2019 geht es in die Bewertung der möglichen Streckenverläufe, danach in die vertiefte Planung. Ende 2019 soll ein Trassenvorschlag vorliegen, erläuterte Gruber den weiteren Zeitplan. Danach geht die Vorplanung mit Kostenfeststellung in den Bundestag zur Entscheidung. Es folgt ein Planfeststellungsverfahren. Die Bauzeit wird mit zehn Jahren veranschlagt, die ersten Züge sollen 2038 rollen können.
Viele Rosenheimer, die die Veranstaltung besuchten, informierten sich angesichts dieser Zeitspannen auch vor dem Hintergrund, dass ihre Kinder oder Enkelkinder die eigentlichen Hauptbetroffenen oder Nutznießer des Nordzulaufs zum längsten Eisenbahntunnel der Welt sein werden.