Lösungsvorschläge für eine zweite Eisfläche

Im Park, auf dem Rasen, auf dem Dach?

von Redaktion

„Der Bedarf ist da, wir wollen, dass eine Lösung kommt“: Dieser Feststellung von Dr. Wolfgang Bergmüller (CSU) schloss sich die Mehrheit des Haupt- und Finanzausschusses an, als es um die zweite Eisfläche für das emilo-Stadion ging. Sie soll kommen, doch eine schnelle und einfache Lösung gibt es nicht.

Rosenheim – Drei Varianten für eine zweite Eisfläche – zwei gemeinsame Probleme: Bei allen Vorschlägen müssen zahlreiche Hürden genommen werden und alle werden teuer (mindestens fünf bis zwölf Millionen). Und stets gilt es zu verhindern, dass der Bestandsschutz des Altbaus gefährdet wird. Das wäre der Fall, wenn im jetzigen Stadion bauliche Veränderungen vorgenommen würden. In der Praxis nicht umsetzbar, außer bei Abriss und Neubau. Und das ist wiederum undenkbar, weil es eine mehrjährige Pause für den Spielbetrieb der Starbulls und für die vielen weiteren Eissportler sowie für den öffentlichen Lauf nach sich ziehen würde.

Noch eine Voraussetzung muss eine neue, zweite Eisfläche erfüllen: Sie muss nahezu auf Höhe der alten, ersten sein, damit die Eismaschine fahren kann.

Eine der drei untersuchten Standortvarianten ist bereits als nicht realisierbar ausgeschieden: der Vorschlag mit einer Platzierung der zweiten Eisfläche am Haupteingang. „Für mich vollkommen unvorstellbar“, teilte die Oberbürgermeisterin mit. Grund für die Ablehnung: In diesem Bereich liegen sämtliche Hauptversorgungsleitungen. Diese müssten verlegt werden –„ein Riesenaufwand“, so Gabriele Bauer. Teuer würde auch der bei einer Platzierung am Haupteingang notwendige Bau eines Parkdecks über der Eisfläche. Das Restaurant müsste weitgehend abgerissen werden, viele technische Einrichtungen wären abzubauen und neu zu platzieren.

Weiterverfolgt wird dagegen ein Vorschlag, der eine zweite Eisfläche an der Rathausstraße/Innsbrucker Straße vorsieht. Möglich wäre hier eine offene Eisfläche mit Schutzdach – mit oder ohne Tiefgarage. Geopfert würde in diesem Fall der kleine Park. Er liegt im Landschaftsschutzgebiet und müsste zugunsten des Neubaus aus diesem Schutzstatus herausgenommen werden. Ein solches Verfahren dauert etwa ein Jahr. Die Stadt müsste außerdem einen Gedenkstein und fünf Bäume, gespendet vom Bund Naturschutz, versetzen. Würde die zweite Eisfläche hier entstehen, könnte der Geh- und Radweg an der Innsbrucker Straße auf zwei Meter nicht mehr verbreitert werden. Die offene Halle würde direkt an der Straße stehen – optisch nicht schön, so die Kritik.

„Mehr Fantasie

ist gefordert“

Robert Multrus, Freie Wähler

Nicht weniger problematisch: Vorschlag drei, der für eine zweite Eisfläche den Kunstrasenplatz opfern müsste. Er wird nicht nur vom TSV 1860, sondern auch von den Schulen als Trainingsfläche intensiv genutzt. Ein Ersatz müsste her. Erst 2017 ist der Kunstrasenplatz für 340000 Euro saniert worden, eine Förderung von 120000 Euro müsste zurückgezahlt werden. Weitere Problematik: der Schallschutz zur Wohnsiedlung.

Robert Multrus, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler/UP, brachte eine Idee ins Spiel, die im Ausschuss anfangs belächelt wurde, jetzt jedoch ebenfalls überprüft wird: eine zweite Eisfläche auf dem Kunstrasenplatz plus Parkhaus – und oben drauf ein Ersatz für das Fußballfeld. Verrückt? Beispiele für solche Lösungen gebe es bereits in Berlin und München, so Multrus. Er forderte grundsätzlich „mehr Fantasie“ bei der Suche nach einer Lösung.

Sie hakt, weil es am Bestandsstandort des Eisstadions kaum Platz für eine zweite Fläche gibt. „Nach oben ist aber Platz“, unterstrich Multrus die Notwendigkeit, darüber nachzudenken, ob ein Kunstrasenplatz statt ebenerdig auch auf dem Dach eines Gebäudes realisiert werden kann.

Günther Wunsam (CSU) regte an, bei der Variante im Park an der Rathausstraße/Innsbrucker Straße die Maße zu verkleinern, damit das Gebäude nicht direkt an der Straße steht. Die zweite Eisfläche müsse doch nicht unbedingt die DEL-Statuten, die eine Fläche von 30 mal 60 Meter vorsehen, erfüllen. Ausreichend seien vielleicht auch die Maße des Bayerischen Eissportverbandes mit 26 mal 31 Metern, schlug Wunsam vor. Die Oberbürgermeisterin verwies jedoch darauf, dass die Starbulls die DEL-Maße für ihre Trainingsarbeit wünschten. Damit würden diese über das Ziel hinausschießen, fand SPD-Fraktionsvorsitzender Robert Metzger. Eine kleinere Fläche reiche aus, zeigte er sich überzeugt.

Die SPD stimmte nur der Prüfung der Variante mit einer zweiten Eisfläche auf der Grünfläche zu, Elisabeth Jordan pochte außerdem auf eine Verkleinerung der Eisfläche. Die Grünen verweigerten grundsätzlich die Zustimmung. Denn derzeit gehe es nur um eins: die Sanierung der Eishalle, um sie vor einer Schließung zu retten. Über eine zweite Eisfläche zu reden, sei deshalb nichts weiter als eine „Phantomdiskussion“, die dem Landtagswahlkampf geschuldet sei, so Fraktionsvorsitzender Franz Lukas.

„Nicht jeder spielt Querflöte“

Oberbürgermeisterin Bauer

Den Vorwurf akzeptierte die Oberbürgermeisterin nicht: Eishockey und Stadiondiskussionen seien in Rosenheim seit Jahrzehnten ein Megathema. „Das blieb meinem Vorgänger Dr. Stöcker nicht erspart, das bleibt auch uns nicht erspart.“ Es gehe nicht um die Starbulls allein, sondern in erster Linie um den Breitensport, der die zweite Fläche ebenfalls dringend benötige. Der Eissport sei vor allem bei der Jugend sehr beliebt. „Nicht jeder spielt Querflöte“, ärgerte sich Bauer, dass die Sport- und die Kulturförderung oft gegeneinander ausgespielt würden. Dr. Wolfgang Bergmüller (CSU) unterstrich: „Der Bedarf für eine zweite Eisfläche ist unumstritten.“ Die CSU habe in ihrem Antrag – Anlass für die Machbarkeitsstudie – Lösungsvorschläge gefordert, damit sich die Kommune bei der Sanierung bis 2022 nicht die Möglichkeit verbaue, eine weitere Eisfläche zu errichten.

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