Rosenheim – Daniel Reichel ist mit Tieren aufgewachsen. „Wir hatten Hund und Katze“ erzählt er. Darum kann er auch gar nicht sagen, ob er nun ein Hundemensch oder ein Katzenmensch ist. „Das macht für mich keinen Unterschied. Ich mag beide Tierarten gleich gerne“, sagt er. Allerdings sei der Umgang mit Katzen einfacher: „Mit Hunden muss man täglich spazieren gehen. Außerdem ist mein Respekt vor ihnen größer, sie können halt auch gefährlich sein.“
Viel Freizeit haben Pfarrer nicht. Die Anschaffung eines Haustieres ist darum in dieser Berufsgruppe keine Selbstverständlichkeit. Als Daniel Reichel dann aber auf einen Mitbruder mit Katze traf, stand für ihn fest: „Ich will auch eine Katze“.
Franz und Hemma: zwei Individualisten
Die Gelegenheit ergab sich, als ihm vor vier Jahren ein Mädchen aus der Erstkommunion-Gruppe erzählte, dass sich bei ihrer Katze Nachwuchs ankündigt und sie auf der Suche nach Abnehmern ist. Am Tag der Erstkommunion besuchte Daniel Reichel die Katzenkinder dann das erste Mal. Eigentlich wollte er nur eine Katze. Aber dann sah er das Geschwisterpaar und entschied: „Die dürfen beide bei mir einziehen“. Benannt hat er seine Samtpfoten nach Heiligen: Franz von Assisi und Hemma von Gurk.
Äußerlich sehen sich die Katzen sehr ähnlich, nur dass Katzendame Hemma langhaarig ist und dementsprechend häufig gebürstet werden muss und Kater Franzi an einer seiner beiden schneeweißen Vorderpfoten einen kleinen getigerten Fleck zeigt. Charakterlich sind die beiden aber zwei völlig eigenständige Wesen und genau das gefällt dem Geistlichen: „Katzen sind Individualisten“.
Auch Franzi und Hemma sind „Seelsorger“. Ihrem Herrchen helfen sie, „das Leben zu entschleunigen und zu strukturieren“. Aber auch anderen Gemeindemitgliedern zaubern sie oft ein Lächeln ins Gesicht. Hemma betätigte sich sogar schon als Therapeutin. „Lange Zeit kam eine alte Dame im Rollstuhl regelmäßig an meinem Haus vorbei. Hemma erwartete sie schon, hüpfte ihr auf den Schoß, ließ sich mit Leckerli verwöhnen und streicheln. Die Frau wirkte dabei immer sehr glücklich“, erinnert der Dekan sich.
Daniel Reichel kann sich ein Leben ohne seine Katzen nicht mehr vorstellen. „Es ist schön, nicht alleine zu Hause zu sein“, sagt er. Die Katzenklappe wird täglich pünktlich um 15 Uhr verschlossen. „Um diese Zeit bin ich meistens zu Hause und da will ich dann auch was von meinen Tieren haben.“ Die beiden Katzen scheinen eine gute innere Uhr zu haben, denn in der Regel sind auch sie von den Streifzügen durch ihr Revier immer pünktlich bis um 15 Uhr zurück.
Der Geistliche empfindet seine tierischen Mitbewohner als „positive Bereicherung“ seines Lebens, die er nicht mehr missen will: „Sie gehören jetzt einfach dazu“.