Rosenheim – „Das hier ist eine tolle Keimzelle, aus der immer etwas Großes entstanden ist“, schwärmt Pfarrer Andreas Maria Zach mit Blick auf die Ölbergkapelle und ihren Vorplatz in direkter Nachbarschaft zur Kirche St. Nikolaus. Es ist in der Tat historisch bedeutsamer Grund und Boden: Hier befanden sich einst der erste Rosenheimer Friedhof, die erste Rosenheimer Schule, das erste Rosenheimer Postamt, die erste städtische Galerie.
Heute gibt es im Hintergebäude am Ölberg zwei Räume und einen Mini-Saal für 50 Besucher: Das ist das Pfarrheim – zu klein für die vielen kirchlichen Gruppen der Pfarrei St. Nikolaus. Hier kann diese nicht einmal ein Pfarrfest feiern.
Erster und zweiter Stock sind tabu
Für solche Anlässe gibt es jedoch ein großes Haus: Das katholische Bildungszentrum gegenüber dem Romed-Klinikum stellt aufgrund einer Kooperation mit St. Nikolaus auch das Pfarrzentrum. Doch als solches hat es die Pfarrgemeinde nie richtig ins Herz geschlossen. Es liegt abseits vom kirchlichen Zentrum, das sich an der Nikolauskirche befindet.
Bisher gab es nur wenige Schritte entfernt noch den alten Pfarrhof – Probenraum für die Theatergruppe St. Nikolaus, Unterrichtszimmer für drei Musiklehrerinnen, Treffpunkt für die Ministranten, Ausgabestelle für die Armenspeisung des Vinzentiusvereins, Begegnungszentrum für den ebenfalls vom Verein geleiteten Jugendtreff Loniko.
Letzterer wird, wie berichtet, Ende dieses Monats schließen. Denn der alte Pfarrhof kann die Auflagen des Brandschutzes nicht erfüllen.
Ab sofort steht deshalb nur noch das Erdgeschoss für geschlossene kirchliche Gruppen zur Verfügung, erläutert Pfarrer Zach. Als Hausherr und Kirchenverwalter kann er es nicht länger verantworten, dass hier Besucher ein- und ausgehen, die die Räumlichkeiten und ihre Fluchtwege nicht bis ins Detail kennen. Deshalb muss die offene Jugendarbeit ausziehen, darf der Sozialdienst des Vinzentiusvereins, der nur Berechtigten zugutekommt, jedoch weiter stattfinden. Die Ministranten, ebenfalls ein fester Kreis, können sich hier noch treffen. Die Theatergruppe darf proben. Doch der erste Stock und zweite Stock sind tabu, sie können nur noch als Lagerfläche genutzt werden, erläutert Zach.
Aufmerksam wurde er zum ersten Mal auf die Brandschutzproblematik im Jahr 2015. Damals wollte St. Nikolaus einen Beitrag zur Unterbringung der vielen Flüchtlinge leisten und ließ den alten Pfarrhof als Unterkunftsmöglichkeit überprüfen. Das Ergebnis war ein Schock: Der erste und zweite Stock mussten sofort gesperrt werden. Eine Sanierung würde etwa 200000 Euro kosten, so die Experten. Einen siebenstelligen Betrag müsste die Pfarrei sogar investieren, wenn sie generalsanieren und auch die Barrierefreiheit verwirklichen wollte.
Neues Pfarrheim auf der Wunschliste
„Das Geld hat St. Nikolaus nicht“, sagt Zach. Auch die Diözese möchte ein solches Vorhaben nicht stemmen.
Was also tun mit dem alten Pfarrhof? Er wurde 1859 als Villa an der damaligen Eisenbahnstraße zum ersten Bahnhof – zu jener Zeit noch am Stadtrand – für eine Gräfin Preysing gebaut. 1870 erwarb die katholische Kirche das Anwesen. 1992 wurde es Pfarrhaus. Als Folge des steigenden technischen Aufwands für Verwaltung und Mitarbeiter wechselte das Pfarrbüro 1995 in das heutige Gebäude am Ludwigsplatz. Der damalige Pfarrer Andreas Zehetmair, Vorgänger von Zach, nutzte die Villa als Kindergarten, der später in einen Neubau am Ledererbach umzog. Anfang der Jahrhundertwende beheimatete die alte Villa vorrangig Theatergruppen, Ministranten und den Vinzentiusverein.
Jetzt sind die Räumlichkeiten in ihren Verwendungsmöglichkeiten extrem eingeschränkt. Eine Lösung muss her: Restaurierung nur für den Brandschutz, Generalsanierung, Abriss? Fest steht: Die Pfarrei braucht Gruppen- und Versammlungsräume.
Ein neues Pfarrheim im Zentrum steht deshalb seit Jahren auf dem Wunschzettel vieler der 4000 Katholiken in St. Nikolaus – „eine irre komplexe Thematik“, seufzt Pfarrer Zach. Denn das Areal rund um die Nikolauskirche mit Ölbergkapelle ist nicht nur historisch sehr bedeutsam und steht in vielen Bereichen unter Denkmalschutz (der alte Pfarrhof jedoch nicht). Das Gelände ist eng und verwinkelt. Hier befinden sich nicht nur Kirche, Kapelle, Mini-Pfarrheim und Pfarrbüro, sondern auch Parkplätze für Mitarbeiter, Garagen als Lager für Großaltäre sowie Werkstatträumlichkeiten.
Fest steht außerdem: „Das Gebäudeensemble ist sehr begehrt“, bringt Zach die Tatsache auf den Punkt, dass sich hier viele, auch private Bauherren für Grundstücke oder Baumöglichkeiten interessieren.