Bürgerbeteiligung für das OVB-Medienzentrum in der Aisingerwies

Ziel: ein verträgliches Maß

von Redaktion

Der Stadtrat hat einstimmig die Aufstellung eines Bebauungsplans für das OVB-Medienzentrum an der Mangfallstraße beschlossen. Außerdem fiel der Startschuss für die Bürgerbeteiligung. 67 Anlieger nahmen am Montagabend das Angebot zum Dialog mit den Vertretern der Stadt, dem Bauherrn, Verleger Oliver Döser, und den Planern an.

Rosenheim – „Wir wollen das Vorhaben nicht verhindern, es geht uns um ein verträgliches Maß“, brachte eine Anliegerin die Stimmung der Bürger auf den Punkt. Die Versammlung im kleinen Sitzungssaal des Rathauses war denn auch vom Bemühen um eine einvernehmliche Lösung und von sachlichen Auseinandersetzungen mit dem geplanten Kopfbau vor der OVB-Druckerei geprägt. Hier soll ein fünfgeschossiges Medienzentrum entstehen – neuer Arbeitsplatz für die derzeit noch auf vier Standorte in der Stadt verteilten Mitarbeiter des OVB-Medienhauses.

In der dreistündigen Versammlung kochte vor allem eine Problematik immer wieder hoch, die nur indirekt etwas mit dem Bauvorhaben zu tun hat: die Verkehrsbelastung in der Mangfallstraße. Ihr Zustand ist vor allem im vorderen Bereich ab der Abzweigung von der Miesbacher Straße katastrophal: Schlaglöcher, Risse, Senken und Erhebungen, ausgebesserte Stellen, die aus der Straße einen holprigen Flickenteppich machen. Sie werde außerdem von vielen als Abkürzung genutzt, berichteten Anlieger. Derzeit sind hier täglich 13000 Fahrzeuge unterwegs. Die Anwohner befürchten, dass durch den geplanten Neubau des OVB-Medienzentrums mit Ein- und Ausfahrt zur Mangfallstraße der Verkehr weiter massiv zunehmen könnte.

Das darf und wird nicht geschehen, versicherte der Leiter des Stadtplanungsamtes, Robin Nolasco. Der Stadtrat habe in seinem Beschluss zur Aufstellung des Bebauungsplanes festgelegt: Verträglich ist lediglich eine Verkehrsmehrung von höchstens fünf Prozent. Heute gibt es am OVB-Druckzentrum an der Mangfallstraße täglich 455 Ein- und Ausfahrten. Das geplante Medienzentrum, das die Mitarbeiterzahl vor Ort von derzeit etwa 40 um 250 bis 300 erhöhen wird, löst laut den Prognosen weitere maximal 500 bis 600 Fahrten aus. Damit würde die Verkehrsmenge um 3,8 bis 4,6 Prozent ansteigen. „Noch verträglich“, so der Stadtrat.

Die Anlieger befürchten jedoch, dass sich der von den Mitarbeitern des OVB-Medienzentrums ausgelöste Verkehr auf die Morgenstunden und den Feierabend, wenn die Mangfallstraße ohnehin schon stark belastet sei, konzentrieren könnte. Bauherr Oliver Döser erläuterte, dass die Arbeitszeiten im Medienbereich nicht so statisch wie in anderen Branchen sind. Die An- und Ausfahrten der Mitarbeiter würden sich über den Tag verteilen.

Trotzdem befürchten Anlieger Rückstaus und würden sich für die Mangfallstraße Abbiegespuren in die Siedlungsstraßen wünschen. Diese seien bereits heute stark belastet durch parkende Pkw, berichteten Anwohner. Sie klagten außerdem über gefährliche Schulwege. In der Mangfallstraße gibt es einen Gehweg, in vielen Anliegerstraßen jedoch nicht.

Ob es nicht möglich wäre, eine Zufahrt zum geplanten OVB Medienzentrum über die Miesbacher Straße einzurichten, lautete ein Vorschlag aus der Bürgerschaft. Nolasco nahm die Anregung auf, sieht jedoch Probleme: Es würde ein weiterer Verkehrsknoten an der viel befahrenen Miesbacher Straße entstehen, die Zufahrt würde Grünflächen als Überschwemmungsgebiete zerschneiden.

Eins sicherte der Leiter des städtischen Tiefbauamtes, Jürgen Stintzing, den Bürgern zu: Der Ausbau der Mangfallstraße werde nicht länger auf die lange Bank geschoben. Der Stadtrat müsse die Thematik bei den Haushaltsberatungen berücksichtigen. 2020 soll der Nord-, 2021 der Südabschnitt fertiggestellt werden. Mitte 2019 könnte der Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan Mangfallstraße Ost fallen, danach der Bauantrag für das OVB-Medienzentrum gestellt werden. 2020 könnte Baubeginn sein, so die Zeitschiene zu diesem Hochbauvorhaben.

Geschosse „springen“ von der Straße zurück

Zweites Thema, das den Anliegern auf den Nägeln brennt: die Sorge um den „dörflichen Charakter der Aisingerwies“. Eher schleichend hat hier in den vergangenen Jahren jedoch bereits eine Nachverdichtung auch in den Wohnsiedlungen stattgefunden.

Das geplante OVB-Medienzentrum hält sich in der Höhe an die knapp 22 Meter des Druckzentrums. Die Geschosse „springen“ von der Mangfallstraße gestaffelt über fünf Ebenen zurück. Das soll die Massivität optisch abmildern. Bauausschuss und Stadtrat hatten diesen Vorschlag des Architekturbüros Schleburg einstimmig als gelungene Basis für den Bebauungsplanentwurf gewürdigt.

Aus den Reihen der Anlieger waren Bedenken zu hören, trotz der Staffelung könne das Medienzentrum mit seiner Höhe erdrückend und zu hoch erscheinen. „Das Gebäude wird massiv, doch durch die zurückspringenden Dächer wird dies abgemildert“, zeigte sich Döser überzeugt – eine Einschätzung, die auch der Stadtrat quer durch alle Fraktionen geteilt hatte.

Der Entwurf für den Bebauungsplan, der sich derzeit am Anfang des Aufstellungsverfahrens befindet, legt außerdem fest, dass das Dach zu 60 Prozent begrünt werden muss. Das Grundstück kann baulich nicht über die Maßen ausgereizt werden: Als Versiegelungsgrad sind maximal 80 Prozent festgelegt worden. Die Stadt wird sich einen Grundstückstreifen von zwei Metern sichern, um die Mangfallstraße mit Geh- und Radweg ausreichend ausbauen zu können. Daher werde der Neubau nicht zu nah an die Straße heranrücken, zeigte sich Nolasco überzeugt.

Das Grundstück gibt auch planungsrechtlich die Möglichkeit einer gewerblichen Weiterentwicklung, denn es ist als Gewerbegebiet ausgewiesen. Die angrenzenden Areale sind Mischgebiete, außerdem gibt es in der Nachbarschaft ein Sondergebiet für Handelsnutzung (Edeka). Möglicherweise wird für das OVB-Medienzentrum auch ein Sondergebiet Dienstleistung ausgewiesen, deutete Nolasco an. Die Verträglichkeit des Bauvorhabens werden jetzt mehrere Gutachter untersuchen. Sie widmen sich den Themen Verkehr, Lärm- und Umweltschutz, erläuterte er.

„Wir stehen noch am Beginn einer öffentlichen Diskussion“, so der Stadtplaner, der die Bürger aufforderte, sich einzuschalten und weiter aktiv mitzuwirken.

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