Glosse

Rasierereien

von Redaktion

Von Nachhaltigkeit ist heute oft die Rede. Da es nach Erich Kästner heißt: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“, vermeide ich es daher, defekte Geräte zu entsorgen und lasse sie stattdessen reparieren.

Mein alter Akku-Reiserasierer war stumpf geworden. In einem Rosenheimer Warenhaus suchte ich nach einer Ersatzteilpackung mit Scherkopf und -folie: Ausgerechnet für mein Modell war im Ersatzteillager nichts zu finden, wohl aber der nach wie vor produzierte Rasierer. Auf meine Nachfrage suchte ein freundlicher Verkäufer längere Zeit im Ersatzteilkatalog, fand aber nichts. Sein Anruf beim Kundendienst, wo er wie der Buchbinder Wanninger seligen Angedenkens von elektronischen Auskunfteien – „Drücken Sie dann die Drei“ – weiter und weitergeleitet wurde, bis sich ein lebendes Wesen meldete, führte zu folgendem Ergebnis: Die Ersatzteile sind lieferbar für 24,95 Euro. „Der neue Rasierer kostet 29,99 Euro“, informierte mich darauf der Verkäufer. Das überzeugte mich, auf seine Empfehlung einzugehen und das Altgerät im Keller zu lagern – für alle Fälle. Was erlauben Hersteller?, hätte da Fußballtrainer Trapattoni geschimpft.

Übrigens: Das Gerücht, dass die Messerrasur bei den Friseuren nach dem Ausscheiden unserer Fußball-Nationalmannschaft bei der WM teurer werden sollte, hat sich nicht bewahrheitet – trotz der länger gewordenen Gesichter …

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