Der neue Gillitzer

Fassade fertig bis zum Herbstfest

von Redaktion

Derzeit versteckt sich die Fassade des neuen Gillitzers zum Teil hinter Gerüsten und Planen. Ende August – pünktlich zum Wiesn-Beginn – wird sie sich erstmals im neuen Licht zeigen. Im Januar eröffnet noch der Rewe-Supermarkt. Dann haben es Tobias Tomczyk und Helmut Rutterschmidt geschafft: Das Megaprojekt Gillitzer ist beendet.

Rosenheim – Vier Jahre Bauzeit – 20 Millionen Euro Gesamtinvestition: Das sind die harten Fakten zur Revitalisierung des Gillitzers. Doch wenn die Investoren und Projektentwickler, die Rosenheimer Unternehmer Tomczyk und Rutterschmidt, eine erste Bilanz ziehen, geht es auch um Emotionen: „Es war ein spannendes Projekt – und ein echt wildes“, bringt Tomczyk die Gefühlslage auf den Punkt.

Wild, weil eine Überraschung die nächste jagte. Der Grund: Das Anwesen im Herzen der Stadt ist in den vergangenen Jahrzehnten durch viele Hände gegangen. Sogar ein französischer Investor war dabei. Keiner der letzten Eigentümer hatte einen Bezug zu Rosenheim, Kontakte zu den Mietern gestalteten sich schwierig. Das Anwesen verkam, galt lange als das Sorgenkind von Rosenheim.

Nach der Übernahme stellten die heimischen Investoren Rutterschmidt und Tomczyk fest, dass es kaum Unterlagen zum Objekt gab. „Nicht ein einziger Bestandsplan hat gestimmt. Wir mussten alles selber vermessen“, berichtet Rutterschmidt. Überraschungen inklusive: Drei verschiedene Höhenniveaus stellten unter anderem die Statiker vor Herausforderungen. Einige Räume mussten komplett entkernt werden.

Auch im Stadtrat galt es, trotz Freude über das Engagement heimischer Eigentümer, Überzeugungsarbeit zu leisten, denn der Wegfall der Passagen als Durchgang zum Kaufhaus Karstadt schmeckte einigen Mitgliedern nicht. Schließlich gab es doch die Zustimmung der Fraktionen, denn die Durchgänge waren dunkel, eng und nicht barrierefrei. Sie verhinderten die Entwicklung praktischer Raumschnitte für die Läden.

Dann folgte die Klage der Eigentümer der Karstadt-Immobilie. Rutterschmidt und Tomczyk arbeiteten weiter – jedoch mit angezogener Handbremse. Schließlich zog der Nachbar die Klage zurück – Erleichterung bei den Projektentwicklern, doch der Zeitplan war nicht mehr zu halten.

Auch der Traum, einen berühmten Ankermieter wie das Modehaus „Zara“ anlocken zu können, zerplatzte. Doch wie so oft erweist sich eine Niederlage im Nachhinein als Erfolg: Die Tatsache, dass stattdessen Rewe mitten in der Stadt im Erdgeschoss des Gillitzers einen Supermarkt eröffnen wird, freut die meisten Rosenheimer viel mehr.

Denn in einem Radius von 500 Metern rund um den Gillitzer leben über 5000 Menschen. Hier befinden sich auch Hunderte Arbeitsplätze. Rewe erwartet etwa 2500 Kunden pro Tag. Der Supermarkt mit 1300 Quadratmetern Verkaufsfläche wird übrigens von einem örtlichen Kaufmann betrieben, der auch den Markt in der alten Spinnerei in Kolbermoor leitet, teilt Rutterschmidt mit.

Der Rewe eröffnet

im Januar im Erdgeschoss

Alles gut also – auch zum Fall des Restaurants „Knickerbocker“ übrigens, das nach einem halben Jahr bereits wieder aufgegeben hat (wir berichteten). Rutterschmidt und Tomczyk bedauern diesen Schritt, fanden jedoch ihren Wunschkandidaten als Ersatz, der im zweiten Anlauf einen Erfolg verspricht: Wirt Giuseppe Tedesco. Er will sich einen Traum erfüllen – auch in Rosenheim Fuß zu fassen. Hier wird er im Oktober im Gillitzer eine Zweigstelle gründen. In der alten Spinnerei in Kolbermoor betreibt Tedesco seit elf Jahren ein bekanntes Café und Restaurant.

Bis auf die Räumlichkeiten einer Bank, die den Gillitzer verlassen wird, ist alles vermietet, freuen sich die Projektentwickler. Bestandsmieter wie das Schuhhaus Scala und das Spielcasino „Jackpot im Gillitzer“ haben neue, größere und modernisierte Räumlichkeiten gefunden, neue Mieter für Büros, Wohnungen und Praxen sind hinzugekommen.

Und auch mit dem Nachbarn klappt`s: Mit der neuen Karstadt-Chefin haben Rutterschmidt und Tomczyk nach eigenen Angaben bereits „ein angenehmes Gespräch“ geführt. Als Durchgang zwischen Gillitzer und Kaufhaus dienen jetzt nicht mehr die Passagen, sondern die ebenfalls neu gestaltete Terrasse.

Artikel 6 von 11