Rosenheim – Kürzlich wurde besagter Randstein so abgesenkt, dass Radfahrer, die aus der Innenstadt kommen und die Schönfeldstraße überqueren wollen, barrierefrei direkt in den Mangfallpark gelangen, wie es die OVB-Heimatzeitung und der Fahrradkurier Johann Struck schon vor vier Jahren angeregt hatten. Die abweisende Antwort der Stadt lautete damals: „Die Bordsteinabsenkung wird nicht ausgeführt, um ein Auffahren von Kraftfahrzeugen auf den Ichikawa-Platz zu vermeiden. Fahrradfahrer können die Bordsteinabsenkung am nahegelegenen Zebrastreifen nutzen.“
Fahrradfahrer hätten also absteigen, das Fahrrad erst nach links über den Gehweg und dann über den Zebrastreifen in der Schönfeldstraße schieben müssen – theoretisch. Getan hat das kaum jemand. Man radelte über den Gehsteig und über den Fußgängerüberweg, beides nicht erlaubt, aber ständig praktiziert. Zusammenstöße, glücklicherweise nur verbal, waren programmiert – gerade wieder vor wenigen Tagen, als eine sehr gepflegte Dame in einem sehr gepflegten Mittelklassewagen einem über den Zebrastreifen fahrenden Radler in wenig gepflegter Sprache klarmachte, er habe das Fahrrad zu schieben. Mit dem Recht auf ihrer Seite krönte sie die Schimpftirade mit einem „A…“, was wiederum den Radler veranlasste, sie unhöflich eine „gerupfte Henne“ zu nennen. Mit dem Absenken des Randsteins ist dieser Konfliktherd beseitigt. Nun geht es für die Radler geradeaus über die Schönfeldstraße direkt auf den Ichikawa-Platz, wo nach der wenig aufwendigen Umbaumaßnahme kein Hindernis mehr auf sie wartet.
Was hat die Stadt zum Umdenken gebracht? „Mehrjährige Erfahrungen mit der derzeitigen Regelung haben gezeigt, dass sich die bisherige Regelung auch nach längerer Eingewöhnungsphase aller Verkehrsteilnehmer nicht bewährt hat. Durch die jetzt vorgenommene Bordsteinabsenkung wird für den Radverkehr eine direkte und verkehrlich eigentlich auch schlüssige Verbindung geschaffen“, lautet die späte Erkenntnis.
Praktische Lösungen im Kleinen gefordert
Vor vier Jahren hatten die OVB-Heimatzeitungen den damals neu zugezogenen Fahrradkurier Johann Struck gebeten, sich mit frischem Blick die Stadt anzusehen und aufzulisten, an welchen Punkten er sich als Fahrradfahrer Verbesserungen wünschte. Die umständliche Verkehrsführung am Ichikawa-Platz war dabei einer der Kritikpunkte.
Die Redaktion bescheinigte damals der Stadt, bei Neuplanungen durchaus an die Fahrradfahrer zu denken. Was fehle, seien praktische Lösungen im Kleinen. Wenn etwas in der Realität nicht funktioniere, auch wenn es gut gemeint sei, müsse man handeln.
Auf die Frage, ob die Absenkung des Randsteins im Rahmen eines Programms erfolgt sei, das vielleicht noch mehr vorsieht für Fahrradfahrer, lässt die Stadtverwaltung über ihre Pressestelle versichern: „Die Verbesserung der Verkehrssituation in Rosenheim für alle Verkehrsteilnehmer ist Daueraufgabe der Stadtverwaltung. Eines speziellen Programms bedarf es hierzu nicht.“