Rosenheim – „Die Beschaffung der für das nächste Jahr erforderlichen Marmeladenmengen macht den zuständigen Stellen Sorge. Unsere Obsternte läßt sehr zu wünschen übrig. Man denkt daran, der Marmelade in diesem Jahre einen größeren Prozentsatz Mohrrüben als Streckungsmittel beizugeben als im vergangenen Jahr, wo 10 v.H. die Höchstgrenze darstellte.“
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„Aus dem Rathaus. Öffentliche Sitzung des Kollegiums der Gemeindebevollmächtigten am 28. August 1918. Auch eine Seltenheit: Der Vorsitzende Finsterwalder konnte kurz nach ½ 4 die Sitzung eröffnen, zu der die Kollegiumsmitglieder fast vollständig erschienen waren.“
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„Zu den von Reichswegen verfügten Kürzungen kommt für Bayern eine neue Schmälerung in der Lebensmittel-Zuweisung. Infolge der ungenügenden Eierablieferung hat die Bayerische Lebensmittelstelle mit Zustimmung des Staatsministeriums des Innern angeordnet, daß in ganz Bayern für die Zeit vom 11. September 1918 bis 5. Januar 1919 nur alle drei Wochen zwei Eier (statt bisher 1 Ei wöchentlich) abgegeben werden dürfen. Infolgedessen stehen den Bezugsberechtigten des Kommunalverbandes Rosenheim Stadt auf die a-Karte für vier Wochen nur drei Eier zu. Das eine Tröstliche an der Sache ist, daß wir in Bayern in der Eierversorgung immerhin noch besser dran sind als andere Bundesstaaten.
„Das Städtische Schwimmbad in Rosenheim registriert heuer einen Rückgang der Besucherzahlen um rund 45 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 1967 wurden Ende August 95000 Besucher gezählt, heuer nur 52000. Bademeister Josef Staudhammer hat in seiner Berufslaufbahn selten ein so mageres Jahr erlebt wie 1968. Er meint, heuer war die schlechteste Saison seit 16 Jahren.‘ Auf einem Schild heißt es ,Wassertemperatur 19 Grad‘. (Im vergangenen Jahr, also 2017, zählte das Freibad 94435 Besucher. Das Wasser wird seit 1979 beheizt. Die Temperatur beträgt im Kinderbecken 30, im Familienbecken 28, im Schwimmerbecken 25 Grad. Anmerkung der Redaktion).“
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„In den vergangenen Jahren hat sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt zwar verbessert, dennoch ist nicht zu verkennen, daß auch heute noch ein erheblicher Wohnungsmangel besteht. Reichlich vorhanden sind Neubauwohnungen aus privater Hand mit sehr hohen Mieten. Allein in der Stadt Rosenheim fehlen aber tausend Wohnungen, deren Mietzins für breitere Bevölkerungsschichten tragbar ist.“
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„Die Besetzung der CSSR hat viele Tschechoslowaken bewogen, Zuflucht außerhalb ihres Landes zu suchen. Am Dienstagabend machte auch in Rosenheim eine neunköpfige Familie – darunter zwei Kinder unter zwei Jahren – Station auf ihrer Flucht. Oberbürgermeister Dr. Albert Steinbeißer verschaffte den Flüchtlingen auf Kosten der Stadt Rosenheim Obdach in einem Rosenheimer Hotel. Die Familie will bis heute mittag in Rosenheim bleiben. Bis dahin hofft sie, sich über weitere Schritte entschieden zu haben. Vorerst wollen die Flüchtlinge aber noch nicht um politisches Asyl ersuchen, sondern abwarten, wie sich die Lage in ihrer Heimat weiterentwickelt. Für die Gastfreundschaft und auch das Entgegenkommen, mit dem sie in Rosenheim empfangen wurden, bedankten sie sich gestern wärmstens.“
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„Selbst ein ortsfremder Besucher braucht das Rosenheimer Tierheim nicht lange zu suchen: Schon von weitem leitet ein munteres Hundegebell zu der Oberaustraße 30, einem kleinen Haus, das an der Rückseite von großen Hundezwingern begrenzt ist. Pflegerin Frau Schachtl hat momentan etwa zwei Dutzend Katzen und 30 Hunde zu betreuen. Alle 25 Zwinger sind voll belegt.“
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„Die Bayerwiese an der Innstraße, die in erster Linie der Abhaltung von Viehmärkten diente, gleicht einem großen Bauplatz. Nicht nur die Leute aus der Nachbarschaft, sondern auch die, die nur vorbeikommen, begleiten die Arbeiten mit Redewendungen, die nicht gerade erfreulich klingen. ,Muß denn des sei, daß ma die schönen Bäum niedahaut?‘ ,Könnt des neue Haus net auf dem Grund baut werd’n, auf dem die Markthalle g’stand is, nachher bleibat uns hoit no a Stückl von der Bayerwiesn.‘ Wie dem auch sei: der Verkauf eines großen Teils der Bayerwiese ist beschlossene Sache, der Plan zu einem Wohn- und Geschäftshaus längst genehmigt. Mehr als ein Dutzend Kastanienbäume mußte daran glauben.“
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„Die Überdachung des Kunsteisstadions in Rosenheim zählt seit der Fertigstellung dieser sportlichen Anlage zu den Wunschträumen. Nun bekommt das Wunschbild allmählich Gesicht und Klarheit. Planerisch ist die Überdachung einschließlich der völligen Neugestaltung der Tribünen bereits fertiggestellt. Sie bedarf nur noch der Finanzierung. Auf eine bis 1,1 Millionen Mark kommt nach Auskunft von Oberbürgermeister Dr. Steinbeißer die Überdachung.“
„Nach 38 Jahren nimmt der Wirtschaftliche Verband Abschied vom Pauker: Das von Anton Felder anläßlich eines Wettbewerbs gestaltete Plakat mit dem energisch für die Wiesn trommelnden Trachtler wird nicht mehr auf den Litfaßsäulen zu finden sein: ,Kostet viel und bringt nichts‘, ist man sich beim Wirtschaftlichen Verband sicher. Am Trommler schieden sich die Geister. Ästhetik hin oder her – schließlich haben die Werbeexperten das letzte Wort. Und die bescheinigen der Grafik eine gute Wiedererkennbarkeit: Rosenheims wohl bekanntester Charakterkopf und die Wiesn gehören zusammen. Ganz aufs Abstellgleich wird das Maskottchen nicht geschoben – zumindest die großformatigen Werbetafeln bleiben.“
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„Buskunden sollen nicht mehr im Regen stehen. Nach einem Beschluß des Werkausschusses vom letzten Jahr werden die Rosenheimer Bushaltestellen mit einheitlichen neuen Wartehallen ausgestattet.“
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„Die Panger wehren sich heftig gegen die Schließung ihrer Poststelle. Bei den Bürgern löst die Planung große Empörung aus. Entsprechend groß war der Zulauf beim Informationsstand der SPD am Wochenende. Verärgerte Bürger postierten sich mit Schildern wie: ,Die Post macht ihre Schalter zu, der Bürger ist die dumme Kuh.‘“re