Markus Dick verlässt überraschend die SPD und die Stadtratsfraktion

„Es hat nicht mehr gepasst“

von Redaktion

Paukenschlag in der kommunalpolitischen Sommerpause: SPD-Stadtrat Markus Dick hat die Fraktion verlassen – und ist auch aus der Partei ausgetreten.

Rosenheim – „Ich gehe nicht im Bösen oder im Zorn“, sagt Markus Dick, „doch es hatte sich in den vergangenen Monaten so einiges an Ärger angehäuft. Es hat nicht mehr gepasst.“ Mehr will der 53-Jährige auf Anfrage der OVB-Stadtredaktion nicht zu den Gründen seines Austritts aus der Fraktion anmerken. „Das sind Partei-Interna, dazu kann und will ich nichts sagen.“ So viel lässt er nur noch raus: Es habe inhaltliche Probleme gegeben, er habe seine politischen Themen und Schwerpunkte in der SPD-Fraktion nicht mehr ausreichend berücksichtigt gesehen.

„Ich bin sprach-

und ratlos“

Robert Metzger, SPD-Fraktionsvorsitzender

„Wir sind von der Entscheidung des Kollegen Dick vollkommen überrascht worden“, erklärt der SPD-Fraktionsvorsitzende Robert Metzger auch im Namen seiner Stellvertreterin Elisabeth Jordan. Metzger war gestern am Telefon die Fassungslosigkeit noch deutlich anzumerken: „Ich bin sprach- und ratlos, einfach geplättet.“

In den vergangenen Monaten seien zwar unterschiedliche inhaltliche Auffassungen erkennbar geworden. „Diese waren aber nicht so gravierend, dass man an einen Austritt hätte denken müssen“, so Metzger. „Es gab keinen Krach.“ Außerdem herrsche bei der Rosenheimer SPD kein Fraktionszwang. Es komme immer mal wieder vor, dass Mitglieder Entscheidungen träfen, die nicht der Mehrheitsmeinung in der Fraktion entsprächen – Beispiel Nahversorgungszentrum (NVZ) im Norden.

Zum Eindruck, dass es wohl eine überraschende Entscheidung war, trägt die Tatsache bei, dass Dick noch in der letzten Stadtratssitzung vor der Sommerpause als Vertreter der SPD für den Ferienausschuss des Stadtrates benannt worden war. Er hatte nach Metzgers Angaben auch noch an der jüngsten Fraktionssitzung teilgenommen. Auch hierbei habe sich der Austritt nicht angedeutet.

Dick wird im Stadtrat weiterarbeiten – als Fraktionsloser. Für ihn kein Problem, denn in der Kommunalpolitik gehe es schließlich in erster Linie um Sachthemen, nicht um die Parteipolitik. Dick hat sich bisher kommunalpolitisch vor allem als Mann der Mitte präsentiert. Im Fokus seiner Arbeit standen soziale Themen. Außerdem liegt ihm ein gutes Wohnumfeld für die Bürger am Herzen. Zuletzt hatte sich Dick vor allem mit umweltpolitischen Themen profiliert. Unter anderem hatte er sich als SPD-Fraktionsmitglied im Umweltausschuss für ein glyphosatfreies Rosenheim, für den Kampf gegen das Insektensterben sowie für die „intelligente Stromnutzung“ bei städtischen Gebäuden eingesetzt.

Dick war 2014 für die Europa-Abgeordnete Maria Noichl in den Stadtrat nachgerückt. In Happing setzt er sich seit Jahren intensiv für eine lebendige Dorfgemeinschaft ein – unter anderem im Vorstand des Stadtteilvereins.

Nach vier Jahren wird Dick nun als „Solist“ im Sitzungssaal des Rathauses Platz nehmen. Die Spekulationen darüber, ob eine andere Fraktion dem Stadtrat ein Angebot zum Wechsel unterbreitet hat, haben begonnen. In den nächsten Wochen wird sich zeigen, ob dies der Fall ist.

Anlass zu Interpretationen gibt die Tatsache, dass Dick nicht nur die Fraktion verlässt, sondern auch aus der SPD als Partei ausgetreten ist. Er legte auch das Amt als Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Happing-Kastenau nieder.

Die Stadtratsfraktion muss bis zum Ende der Sommerpause nun mehrere Ausschüsse neu besetzen und Nachfolger einarbeiten. Nur im Jugendausschuss verlieren die Sozialdemokraten einen Sitz. Dick war für die SPD unter anderem auch im Aufsichtsrat der Stadtwerke.

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