Rosenheim – Er war zu seiner Zeit das grüne Gewissen der CSU-Stadtratsfraktion, immer ein Stadtspaziergänger mit wachem Blick, interessiert an Architektur und Geschichte Rosenheims, ein Schutzpatron für Bäume, und ein gläubiger Mensch. Manchmal wunderte er sich, dass nicht alle seiner Meinung waren. Doch Niederlagen nahm er als Herausforderung an. Jetzt ist Ludwig Weinberger im Alter von 87 Jahren gestorben.
Schon seit einiger Zeit fehlte er im Stadtbild, der hagere Mann mit der Aktenmappe und dem Baugesetzbuch unterm Arm, oft gerade auf dem Weg ins Rathaus. Weinberger war seiner Heimatstadt so verbunden, dass er gar nicht anders konnte, als sich zu kümmern. 25 Jahre lang, bis 2002, war er ein äußerst engagierter Stadtrat der CSU. Im Bauamt war er gefürchtet. Entscheidungen dürften dort auch mit dem Satz vorbereitet worden sein: „Und was sagt der Weinberger dazu?“ Bauausschusssitzungen, in denen der CSU-Stadtrat eine bestimmte Architektur oder eine zu dichte Bebauung rügte oder wenn gar ein Baum fallen sollte, sind legendär. Auch wenn seine Fraktionskollegen ihn schätzten, fuhr mancher aus der Haut, wenn der Schwarze mit der grünen Seele nicht mit ihnen stimmte. Musste er sich entgegen der eigenen Überzeugung der Fraktionsdisziplin unterwerfen, schmerzte ihn dies sichtbar, genauso wie er die Lockerung der bayerischen Bauordnung nie ganz überwand.
Geboren wurde Ludwig Weinberger am 3. Juli 1931 direkt neben der Roßackerkapelle, deren Pflege ihm ein großes Anliegen war. 1980 übernahm der gelernte Weber das Familiengeschäft. Jahrzehntelang war er aktiv in verschiedenen Vereinen, ob als aktiver Fechter, als Forscher im Krippenverein oder Kenner der Geschichte im Historischen Verein. Wenn ihm etwas am Herzen lag, sorgte er mit Nachdruck dafür, dass dieses Anliegen nicht vergessen wurde. 2001 erhielt Weinberger dafür das Ehrenzeichen des Ministerpräsidenten. Noch mit 65 Jahren begann er das Studium der mittleren und neueren Kunstgeschichte, der klassischen Archäologie und der bayerischen Geschichte an der LMU in München. Neben der Kunsthistorikerin Dr. Evelyn Frick war Weinberger Autor der OVB-Serie über „Kirchen in Rosenheim“. Genau diesen Titel trägt das daraus entstandene Buch, der erste umfassende Kirchenführer für Rosenheim. Der Abschied vom Stadtrat fiel ihm nicht leicht, doch stellte Weinberger verschmitzt fest: „Dafür darf ich jetzt Leserbriefe schreiben.“ Er nahm nie Abschied vom kommunalen Geschehen, wandte sich gegen Bebauungen, die er als zu massiv empfand, litt, wenn einfallslose Architektur nicht zu verhindern war und kritisierte die Verwaltung, wenn sie den Stadträten nicht genügend Zeit gab, sich in die Materie einzuarbeiten. Am häufigsten kämpfte er aber um das Grün in der Stadt.
Ludwig Weinberger war keiner von denen, die sagten „man müsste mal, man sollte mal“ und damit die anderen meinte. Er nahm die Dinge selbst in die Hand und erwarb sich damit Respekt.
Um Ludwig Weinberger trauern seine Frau Franziska, eine Tochter, zwei Söhne und Enkelkinder. Die Beerdigung findet am Freitag, 17. August, um 11 Uhr im Friedhof Rosenheim statt. bi