Tiere in unserer Innenstadt gibt es genügend. Bellende Hunde, herumstöbernde Katzen, die nicht zur Stubentiger-Existenz verdammt wurden – und Vögel. Neugierige Krähen im schwarzen Frack, Spatzen, die aus der Wohnhecke heraus sich in einer kleinen, täglich frisch befüllten Wasserschale vergnügen, Amseln, die Letztere verjagen, um dort kurz zu baden und dann abends vom Nachbardach aus ihr Konzert geben.
Es fehlen Aquarotti, der rappende Teichfrosch von nebenan, der seit Jahren keinen Nachfolger gefunden hat, ebenso wie der ihn früher begleitende Hühnerchor gegenüber, der von einem unmusikalischen Steinmarder massakriert wurde. Außerdem gibt es den Luftakrobaten Fledermann, der ab der Dämmerung seine Flugmanöver zeigt.
Um Mitternacht stand ich jetzt im Badezimmer und putzte die Zähne. Die Terrassentüren standen offen, ebenso die Zimmertür um die Ecke zum Flur als auch – wieder 90 Grad um die Ecke – die zum Bad. Plötzlich spürte ich eine leichte Berührung am rechten Unterschenkel und sah auf der Bodenmatte die Fledermaus liegen – auf dem Rücken mit ausgebreiteten Flügeln. Was tun? Ich öffnete das Badezimmerfenster, hob die Fußmatte, an der sich der „Mäusepilot“ bereits mit seinen Krallen hinauf hangelte, und wedelte ihn hinaus.
Vermutlich war er im Irrflug durch die enger werdenden Korridore gegen die Badewanne geflattert und etwas benommen. Da fiel mir ein: Vielleicht war meine Schallzahnbürste schuld. Aber ich habe keine Ahnung, was deren Frequenzen dem Radarsinn der Fledermaus vermittelte – etwa ein missverständliches amouröses Angebot?